Elektroautos stehen an einer Ladesäuule für E-Autos und werden aufgeladen.

Ziel der Bundesregierung Fünf-Millionen-Lücke bei Elektroautos?

Stand: 28.01.2022 11:08 Uhr

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis 2030 insgesamt 15 Millionen Elektroautos über deutsche Straßen rollen. Einer Studie zufolge reicht das nicht, um das Klimaziel für den Verkehr zu erreichen.

Für das Erreichen der Klimaziele im Verkehr sind laut einer Analyse des Wuppertal Instituts bis 2030 deutlich mehr Elektroautos nötig als von der Bundesregierung angepeilt. Der Untersuchung im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge müssten zusätzlich zu den derzeit angestrebten 15 Millionen vollelektrischen Pkw fünf Millionen weitere E-Autos Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ersetzen.

"Um die Emissionen des Pkw-Verkehrs von höchstens 52 Millionen Tonnen pro Jahr sicherzustellen, müssen im Jahr 2030 mindestens 20 Millionen E-Autos in Deutschland zugelassen sein", so der Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup. Der Umstieg vom Verbrenner auf E-Autos müsse deshalb "deutlich schneller werden, als die Ampel bislang plant."

EU will Verbrenner-Verbot ab 2035

Der Studie zufolge würde der CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs mit dem E-Auto-Ziel der Regierung für 2030 nicht wie nötig auf 52 Millionen Tonnen sinken, sondern noch immer 64 Millionen Tonnen CO2 verursachen. Weitere Maßnahmen seien notwendig, um die Antriebswende zu beschleunigen.

Zu den wirkungsvollsten würden laut Austrup die Einführung einer Neuzulassungssteuer für CO2-intensive Pkw gehören, ein höherer CO2-Preis, eine umfassende Reform der Dienstwagenbesteuerung und ein Neuzulassungsverbot für Autos mit Benzin- und Dieselmotoren bereits ab dem Jahr 2025.

Plänen der EU zufolge sollen ab 2035 keine Fahrzeuge mit Verbrennermotor mehr zugelassen werden. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grüne und FDP heißt es, gemäß den Vorschlägen der EU-Kommission würden im Verkehrsbereich in Europa 2035 nur noch CO2-neutrale Fahrzeuge zugelassen - in Deutschland wirke sich dies früher aus. Ein Verbot gibt es hierzulande bislang aber nicht.

Antriebswende als "relevante Stellschraube"

Die Antriebswende sei beim Klimaschutz im Verkehr nicht die einzige, aber eine sehr relevante Stellschraube, schreibt Verkehrsexperte Austrup: "Sie verspricht schnellere signifikante Emissionsreduktionen als die Mobilitätswende, also die Vermeidung und Verlagerung von Fahrten mit dem Pkw auf klimafreundliche Alternativen wie den öffentlichen Verkehr oder das Fahrrad." Der Autoverkehr verursache mit fast zwei Dritteln den überwiegenden Anteil der Verkehrsemissionen.   

Derzeit sind nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts rund 650.000 reine E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs - bei einem Bestand von mehr als 48 Millionen Pkw.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 07. Dezember 2021 um 21:45 Uhr in dem Magazin "FAKT".