Seit Jahren streiten Verdi und Amazon über die Einführung eines Tarifvertrags. | dpa

Amazon Am "Prime Day" wird gestreikt

Stand: 21.06.2021 13:11 Uhr

Ausgerechnet während der Rabattaktion "Prime Day" soll an sieben Standorten des Onlinehändlers Amazon in Deutschland gestreikt werden. In Bad Hersfeld haben Beschäftigte ihre Arbeit bereits niedergelegt.

Beim Onlinehändler Amazon sind heute zu Beginn der Rabattaktion "Prime Day", die heute und morgen stattfindet, einige hundert Mitarbeiter in Bad Hersfeld den Streik getreten. Aufgerufen zum Streik an sieben Amazon-Standorten hatte die Gewerkschaft Verdi. Neben den beiden Logistik-Standorten im hessischen Bad Hersfeld sind das Werne, Leipzig, Rheinberg, Bad Hersfeld, Koblenz und Graben.

Hintergrund des Streiks der seit Jahren schwelende Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft und Amazon. Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.

In Bad Hersfeld arbeiten laut Verdi über alle fünf Schichten verteilt rund 3300 Frauen und Männer. Seit Sonntagnacht seien sie aufgerufen, sich an der bis Mittwoch geplanten Aktion zu beteiligen. Am Montagmorgen zählte die Gewerkschaft etwa 300 Menschen, die ihrem Arbeitsplatz fernblieben.

Konzern: Keine Auswirkungen für Kunden

"Amazon setzt Millionen für die Werbung ein und macht an den Aktionstagen Milliardenumsätze. Den Kundenansturm müssen die Beschäftigten in den Versandzentren bewältigen und bekommen für die zusätzlich verschärfte Arbeitsbelastung keinen Cent mehr", sagte Orhan Akman, bei Verdi verantwortlich für den Einzel- und Versandhandel.

Amazon erklärte, der Konzern erwarte keine Auswirkungen auf die Kundinnen und Kunden. Amazon biete bereits "eine exzellente Bezahlung, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen - und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung".

Ein Sprecher verwies darauf, dass die Einstiegslöhne für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im deutschen Logistiknetzwerk ab Juli auf umgerechnet mindestens zwölf Euro brutto pro Stunde angehoben würden. Im Herbst 2022 soll dieser auf 12,50 Euro steigen. Zudem zahle Amazon eine Sondervergütung für Überstunden, eine Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung sowie Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge.

"Fern von Anerkennung und Respekt"

Amazons Bezahlung bleibt aktuell hinter Verdis Tarifforderung im Einzel- und Versandhandel zurück, die bei 12,50 Euro für alle Beschäftigten liegt. Die Gewerkschaft übt harsche Kritik an dem Konzern: Verdi nannte die angekündigte Erhöhung der Einstiegsgehälter auf zwölf Euro pro Stunde "zynisch und fern von Anerkennung und Respekt".

Amazon benehme sich "wie ein Gutsherr", der bei guter Laune "ein paar Wohltaten für seine Tagelöhner übrig hat". Von der Bundesregierung fordert die Gewerkschaft, den Weg zu einer Allgemeinverbindlichkeit der tarifvertraglichen Bestimmungen zu erleichtern, sodass alle Unternehmen der jeweiligen Branche daran gebunden sind.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juni 2021 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 21.06.2021 • 21:49 Uhr

21:27 von Bernd Kevesligeti

«Falso demonstratio hat sich so geäußert. Kann man nach lesen.» Einmal lesen reicht. Er schrieb: "… [jetzt] nicht mein Thema …". «Die Gründe wird man sich denken können....» Die Gedanken sind immer frei … tirilei.