"Amazon"-Schriftzug am Gebäude der Amazon Logistik Winsen GmbH in Winsen an der Luhe. | dpa

Immer mehr Produktpiraterie Amazons Kampf gegen Fälschungen

Stand: 10.05.2021 12:20 Uhr

Der Online-Gigant Amazon hat im vergangenen Jahr deutlich härter gegen gefälschte Artikel durchgreifen müssen. Insgesamt wurden mehr als zehn Milliarden vermutlich gefälschte Angebote blockiert.

Im vergangenen Jahr hat Amazon mehr als zehn Milliarden vermutlich gefälschte Angebote abgefangen. Das waren deutlich mehr als im Vorjahr.

Insgesamt lag der Zuwachs bei rund zwei Dritteln, wie der Konzern aus Seattle im US-Bundesstaat Washington mitteilte. Außerdem hat Amazon im vergangenen Jahr zwei Millionen gefälschte Artikel in seinen Lagern aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Zugleich hieß es, bei weniger als 0,01 Prozent der verkauften Produkte habe es Beschwerden über mögliche Fälschungen gegeben.

Der weltgrößte Online-Händler nannte die Zahlen am Montag in seinem ersten Bericht zum Kampf gegen Produktpiraterie. Danach gab Amazon im vergangenen Jahr mehr als 700 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen gefälschte Produkte aus und setzte 10.000 Mitarbeiter ein.

Neue Maßnahmen

Um Fälschungen aufzudecken, setzt der US-Konzern seit 2019 neue Technologien ein. So wurden die Hürden für die Anmeldung von Verkäufern erhöht. Im vergangenen Jahr hätten lediglich sechs Prozent der Versuche, einen Händler-Account zu registrieren, den Prozess der Verifizierung bestanden, hieß es in dem Bericht. Unter anderem verschickt Amazon an die vom Händler angegebene Anschrift eine Postkarte, die zurückgeschickt werden muss. Außerdem gibt es seit vergangenem Jahr eine Live-Video-Verifikation. Insgesamt seien 2020 sechs Millionen Versuche, einen Händler-Account zu registrieren, gescheitert. Im Jahr davor seien es 2,5 Millionen gewesen.

Der Onlinehändler hat auch gemeinsam mit Markenherstellern Klagen gegen Fälscher eingereicht, die nachgemachte Produkte über Amazon verkaufen wollten, etwa im Fall von angeblichen Gürteln des Luxusanbieters Salvatore Ferragamo.

Problem "Marketplace"

Viele von den auf den Amazon-Websites angebotenen Artikeln sind so genannte "Marketplace"-Angebote. Das heißt, der Verkäufer ist in diesem Fall gar nicht Amazon, sondern jeweils ein Dritthändler. Für einen Teil davon übernimmt Amazon die komplette logistische Abwicklung. Die Händler liefern in diesen Fällen ihre Artikel zu den Versandzentren des Konzerns. Dort werden die Artikel eingelagert und nach der Bestellung versendet. Auch die Retouren werden komplett von Amazon abgewickelt.

Für die übrigen "Marketplace"-Artikel erfolgt der Versand über Dritthändler. Hier fungieren die Amazon-Websites ausschließlich als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer. Somit hat Amazon hierbei keinen physischen Kontakt mit den verkauften Waren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2021 um 09:00 Uhr.