Logos verschiedener Apps von Tech-Konzernen sind auf einem Smartphone zu sehen | REUTERS

Stellenabbau und Kostensenkungen Tech-Konzerne in Krisenmodus?

Stand: 11.11.2022 14:17 Uhr

Einem Medienbericht zufolge stellt der Internetkonzern Amazon unprofitable Sparten auf den Prüfstand. Auch andere Technologiekonzerne versuchen, Kosten zu senken. Steckt die US-Tech-Branche in einer Krise?  

Der Internetkonzern Amazon denkt derzeit angesichts der konjunkturellen Lage über konkrete Einsparungen nach, wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet. Zur Debatte stehe dabei auch die Gerätesparte, zu der der Sprachassistent Alexa gehört, heißt es. Allein diese Sparte des in vielen Geschäftsfeldern aktiven Konzerns habe zuletzt einen operativen Jahresverlust von mehr als fünf Milliarden Dollar gemacht. Den Mitarbeitern einiger Bereiche habe Amazon empfohlen, sich nach Stellen anderswo im Unternehmen umzusehen, berichtet das WSJ.

Der Konzern erklärte dazu, selbstverständlich prüfe er angesichts des wirtschaftlichen Umfelds Möglichkeiten zur Kostensenkung. Amazon sei aber zuversichtlich, was die Zukunft von Alexa angehe. Die sprachgesteuerte Assistenzfunktion sei ein wichtiges Geschäft und Investitionsfeld für Amazon.

Keine Experimente mehr?

Bereits bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende Oktober hatte Amazon-Chef Andy Jassy eine strenge Kostenkontrolle angekündigt. Finanzchef Brian Olsavsky unterstrich, dass sich der Konzern auf schwächeres Wachstum einstelle und sich mit Neueinstellungen zurückhalte. Wegen der weltweit hohen Inflation und der damit verbundenen Kaufzurückhaltung der Konsumenten erwartet der US-Onlineriese Amazon zudem nur ein geringes Umsatzplus im Weihnachtshandel.

Das Experimentieren und Ausprobieren in zu vielen Bereichen, die keine Rendite erzeugen, sei kein Luxus mehr, den sich Amazon noch leisten könne, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Neil Saunders, Analyst bei GlobalData.

Langsameres Wachstum bei den Tech-Konzernen

Die unsichere globale wirtschaftliche Lage befördert auch bei einigen anderen erfolgsverwöhnten US-Technologiekonzernen das Nachdenken über die Möglichkeiten, um Kosten zu senken. Die Coronakrise hatte bei vielen Digitalkonzernen für eine Sonderkonjunktur gesorgt, deren Höhepunkt jetzt wohl überschritten ist.

So kündete die Google-Mutter Alphabet bereits im Sommer an, das Einstellen neuen Personals zumindest zu verlangsamen. Im abgelaufenen Quartal spürte der Konzern, der sein Geld überwiegend mit Werbung verdient, bereits die Zurückhaltung der Werbekunden. Infolgedessen verlangsamte sich das Wachstum zum Teil deutlich und sorgte für Unzufriedenheit an den Börsen. Auch bei Microsoft deutete sich zuletzt ein langsameres Wachstum an.

Insgesamt müsse man aber trotz aller Enttäuschung festhalten, dass die Ergebnisse von Microsoft, Alphabet, Apple und Amazon grundsätzlich solide sind, kommentierte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets, die Zahlen der Tech-Konzerne.

Stellenstreichungen bei Meta

Für größeres Aufsehen sorgte zuletzt Meta. Der Facebook-Mutterkonzern plant den größten Stellenabbau in der Geschichte des Unternehmens, rund 13 Prozent der Belegschaft sind betroffen. Auch bei Meta ist das schwächelnde Werbegeschäft das Problem. Hinzu kommt noch, dass die Entwicklung des sogenannten Metaverse das Unternehmen Milliarden kostet - ohne derzeit Milliarden abzuwerfen.

Konzernchef Mark Zuckerberg verweist zur Begründung der Stellenstreichungen darauf, dass er den Online-Boom am Anfang der Corona-Pandemie überschätzt und daher die Investitionen hochgeschraubt habe. Nun aber sei das Online-Geschäft zu früheren Trends zurückgekehrt. Zudem lasteten die schwächelnde Konjunktur und verstärkte Konkurrenz auf den Erlösen.

Was von der Krise übrig bleibt

"Für viele Unternehmen ist das aktuelle Marktumfeld eine Herausforderung", schreiben die Fachleute von Vontobel über die US-Tech-Branche. Im derzeitigen Umfeld, geprägt von hoher Inflation und steigenden Zinsen, müsse sich ein Großteil der Technologie-Unternehmen auf eine veränderte Nachfrage einstellen. Außerdem sei der aktuell starke Dollar laut Vontobel ein bedeutendes Hindernis, der das Umsatzwachstum weiter reduziere.    

Aber eins sollte man laut Oldenburger von CMC Markets nicht vergessen, wenn man von einer Krise sprechen mag: "Die Unternehmen schreiben weiterhin schwarze Zahlen und verdienen Geld." Im abgelaufenen Quartal waren es bei Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet insgesamt 38,8 Milliarden Dollar.