Jeff Bezos

Amazon-Gründer Warum Jeff Bezos für höhere Steuern ist

Stand: 07.04.2021 10:42 Uhr

Seit Jahren steht Amazon wegen seiner Steuervermeidungstaktiken in der Kritik. Jetzt hat sich ausgerechnet Konzerngründer Jeff Bezos für höhere Abgaben ausgesprochen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Der Multimilliardär und Amazon-Gründer Jeff Bezos hat sich in die Debatte über die Besteuerung von Firmen eingeschaltet. "Wir unterstützen eine Anhebung des Unternehmenssteuersatzes", schrieb Bezos im Firmenblog von Amazon. Er wolle den US-Kongress und die Regierung ermutigen zu einer "richtigen, ausgewogenen Lösung, die die Wettbewerbsfähigkeit der USA aufrechterhält oder erweitert".

Globaler Mindeststeuersatz gefordert

Damit bezieht Bezos in einer Debatte Stellung, die von Joe Biden angestoßen wurde. Der US-Präsident hatte angekündigt, die unter seinem Vorgänger Donald Trump von 35 auf 21 Prozent gesenkte Unternehmenssteuer auf 28 Prozent anzuheben und multinationale Unternehmen stärker zu besteuern.

Am Ostermontag hatte US-Finanzministerin Janet Yellen die Debatte weiter angefacht und einen globalen Mindeststeuersatz für Unternehmen gefordert. Damit will die ehemalige Chefin der Notenbank Federal Reserve nach eigener Aussage ein seit 30 Jahren andauerndes Wettrennen um die niedrigsten Steuersätze beenden. Ihr Vorschlag dürfte auch bei der heutigen Videokonferenz der G20-Finanzminister ein Thema sein.

Die US-Regierung ist auf die Einnahmen durch erhöhte Unternehmenssteuern angewiesen. Präsident Biden plant billionenschwere Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes - und diese müssen gegenfinanziert werden. Ein globaler Mindeststeuersatz für Firmen ist im Interesse der Vereinigten Staaten, da die USA mit dem Biden-Plan einer Anhebung der US-Unternehmenssteuer auf 28 Prozent einen höheren Satz hätten als eine Reihe anderer großer Volkswirtschaften.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Doch wieso schaltet sich nun ausgerechnet Jeff Bezos in die Steuer-Debatte ein? Dass der Multimilliardär oder das Unternehmen Amazon öffentlich zu politisch umstrittenen Themen Stellung nehmen, ist eher ungewöhnlich. Allerdings steht der Konzern derzeit in der Öffentlichkeit unter verstärktem Druck. So hatte jüngst eine Abstimmung in Alabama, durch die erstmals eine US-Gewerkschaft Einzug bei Amazon erhalten könnte, die Debatte über die Arbeitsbedingungen des Konzerns neu angefacht.

Am Osterwochenende kursierten zudem Berichte, wonach Mitarbeiter unter hohem Zeitdruck im stressigen Arbeitsalltag in Flaschen urinieren müssen. Der demokratische Abgeordnete Mark Pocan hatte den Stein mit einem Tweet ins Rollen gebracht.

Amazon twitterte ebenso prompt zurück: "Wenn das stimmen würde, würde niemand für uns arbeiten." Kurz darauf musste Firmengründer Bezos eingreifen: In einem offiziellen Statement erklärte er, dass Kuriere tatsächlich nicht immer Zugang zu Toiletten hätten. Der Tweet sei ein "Eigentor" gewesen.

Steuergutschrift trotz Milliardengewinns

Nicht zuletzt kann man Bezos‘ Aussage aber auch als persönliche Replik auf Bidens Anwurf in der Vorwoche deuten: Der US-Präsident hatte Amazon bei einer Rede in Pittsburgh als eines von 91 Unternehmen aus der Firmenrangliste "Fortune 500" gerügt, die "verschiedene Schlupflöcher nutzen, durch die sie keinen einzigen Penny an Bundeseinkommenssteuer zahlen". Kein anderes Unternehmen hatte er dabei namentlich genannt, nur Amazon.

Es war nicht das erste Mal, dass der Online-Händler ins Visier von Joe Biden geriet: Bereits 2019 hatte der Demokrat in Richtung des Online-Händlers gesagt, kein Unternehmen mit Milliardengewinnen sollte weniger Steuern zahlen als Feuerwehrleute und Lehrer. Amazon hatte zuvor für 2018 und 2017 keine Bundessteuern abgeführt.

2018 soll der E-Commerce-Riese auf einen Gewinn von 11,2 Milliarden Dollar sogar eine Steuergutschrift von 129 Millionen Dollar erhalten haben, wie damals die "Washington Post" berichtete - die Jeff Bezos gehört.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. April 2021 um 04:49 Uhr.