Flugreisende gehen am Flughafen "Ronald Reagan Washington National Airport" vor einer Glasfront, durch die man Flugzeuge der Fluggesellschaft "American Airlines" sehen kann. (Archivbild) | dpa

Luftfahrt-Chaos befürchtet US-Airlines warnen vor 5G

Stand: 18.01.2022 11:08 Uhr

US-Fluglinien haben vor der morgen geplanten Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G in den USA vor einer Krise in der Branche gewarnt. Hintergrund sind mögliche Interferenzen zwischen technischen Systemen der Flugzeuge und 5G-Sendeanlagen.

Die Beschleunigung des Mobilfunk-Verkehrs durch den neuen Standard 5G könnte den Luftverkehr empfindlich ausbremsen. Diese Befürchtung formulieren mehrere US-Airlines in einem Brief, der kurz vor dem morgen geplanten Start von 5G in den USA veröffentlicht wurde.

In dem Brief beschreiben die Fluggesellschaften, darunter American Airlines, Delta Air Lines, United Airlines und Southwest Airlines, mögliche dramatische Folgen von 5G für ihren Betrieb. Sie reichten bis zu einer "katastrophalen" Krise in der Luftfahrtbranche, so die Branchenvertreter. Auch die Flugsparten der Logistikkonzerne UPS und FedEx gehören zu den Unterzeichnern.

Flugzeuge nicht mehr nutzbar?

Morgen soll in den USA der neue Standard starten, der Frequenzen im sogenannten C-Band nutzt. In den USA könne dies viele Maschinen "unbenutzbar" machen und dazu führen, dass Hunderttausende Amerikaner im Ausland strandeten und ein Chaos entstehe, so das Schreiben der Airlines.

Die US-Luftfahrtbranche warnt schon seit längerem vor Gefahren für den Flugverkehr durch Interferenzen zwischen den technischen Systemen der Flugzeuge und 5G-Sendeanlagen. Dabei sorgen sich die Unternehmen vor allem um noch nicht zertifizierte Geräte in der Nähe von Flughäfen, die die Höhenmesser der Flugzeuge in kritischen Momenten stören könnten. An einem Tag wie dem vergangenen Sonntag wären mehr als 1100 Flüge und 100.000 Passagiere von Annullierungen, Umleitungen oder Verspätungen betroffen, erklären die Gesellschaften.

Bereits im Dezember hatten sich auch die beiden weltgrößten Flugzeughersteller Boeing und Airbus kritisch zum neuen 5G-Standard geäußert. Auch sie sehen Sicherheitsrisiken für einige Maschinen.

Gefährlich nahe an den Radarhöhenmessern

In den USA nutzt der 5G-Standard im C-Band Frequenzbereiche, die über 3,7 Gigahertz liegen. Sie rücken damit aus Sicht von Experten möglicherweise gefährlich nahe an den Bereich zwischen 4,2 und 4,4 Gigahertz heran, den Radarhöhenmesser in Verkehrsflugzeugen nutzen.

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung DFS besteht die Problematik in Deutschland so nicht. Für 5G werden hierzulande nur Frequenzbereiche unterhalb von 3,7 Gigahertz genutzt. Dies sei weit genug von den Bereichen der Höhenmesser in den Maschinen entfernt, so die DFS. Am Flughafen BER in Berlin ist bereits eine 5G-Antenne in Betrieb genommen worden.

Pufferzone für sechs Monate

Für die USA fordern die Airline-Unternehmen ein Moratorium, bis die Luftfahrtbehörde FAA feststellen kann, wie der Einsatz der 5G-Technologie "sicher und ohne katastrophale Störungen eingeführt werden kann". Die FAA hatte am Sonntag erklärt, dass sie den Betrieb bestimmter 5G-Sendeanlagen in der Nähe von "bis zu 48 der 88 Flughäfen, die am direktesten von 5G-C-Band-Störungen betroffen" sein könnten, freigegeben habe.

Die US-Telekommunikationsanbieter AT&T und Verizon hatten im vergangenen Frühjahr Frequenzen für den Aufbau des 5G-Netzes erhalten, für die sie sich in einer milliardenschweren öffentlichen Ausschreibung beworben hatten. Die beiden US-Mobilfunkunternehmen AT&T und Verizon hatten einer Pufferzone um etwa 50 Flughäfen zur Reduzierung von Risiken sowie weiteren Schritten in den nächsten sechs Monaten zugestimmt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Januar 2022 um 11:00 Uhr.