Ein Flugzeug steigt über einem Airbus-Gebäude in Toulouse in die Luft. | Airbus

Airbus-Bilanz 2021 Mit Rekordgewinn aus der Corona-Krise

Stand: 17.02.2022 14:27 Uhr

Auf der Jahrespressekonferenz der Airbus-Konzernspitze standen eine positive Bilanz und Zukunftsvisionen im Vordergrund. Auch die deutschen Standorte waren Thema.

Von Stefanie Markert, ARD-Studio Paris

"Für Airbus war 2021 ein Jahr der Erholung, des Übergangs, der Vorreiterschaft": So fasst ein Image-Film das zurückliegende Jahr zusammen. "Die Menschen begannen wieder, in größerer Zahl zu fliegen. Die Luftfahrt erinnerte die Welt daran, was sie vermisst hatte." An einem weißen, überdimensionalen Konferenztisch in der Form eines A sitzen sich am Airbus-Hauptstandort in Toulouse der französische Konzernchef Guillaume Faury und sein deutscher Finanzchef Dominik Asam gegenüber. "Recovery" - Erholung - ist das Wort der Stunde.

Stefanie Markert ARD-Studio Paris

Gewinne rechtfertigen Dividenden für die Aktionäre

Faury wartet mit einem gutem Ergebnis auf. "2021 war ein wirklich bemerkenswertes Jahr. Unsere Ergebnisse sind stark. Sie spiegeln die höhere Zahl an ausgelieferten Verkehrsflugzeugen, das gute Abschneiden unserer Sparten Helikopter, Raumfahrt und Verteidigung sowie unsere Bemühungen um Kostenkontrolle und Wettbewerbsfähigkeit wider." Deshalb schlage die Konzernspitze eine Dividendenausschüttung vor: "Und zwar 1,50 Euro pro Aktie."

611 Maschinen wurden ausgeliefert. Acht Prozent mehr als im Vorjahr. Und der neue Airbus-Frachtflieger A350 werde bereits am Markt gefeiert, so Faury. Sein deutscher Finanzchef Asam nennt Zahlen: "Wir können für 2021 einen Rekord-Nettogewinn von 4,2 Milliarden Euro vermelden. Und unser freier, positiver cash flow beträgt 3,5 Milliarden Euro."

Europas größter Flugzeugbauer ist damit wieder in der Gewinnzone, die Krise der Branche infolge des coronabedingten Einbruchs des Luftverkehrs scheint überwunden. 2020 noch hatte der Konzern deshalb einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro verzeichnet. 2019 ließen Milliardenstrafen zur Einstellung von Korruptionsermittlungen Airbus in die roten Zahlen rutschen.

6000 neue Stellen "erst der Anfang"

Für dieses Jahr sollen nun sogar 720 Verkehrsflugzeuge übergeben werden. Die Singapur Airshow diese Woche habe, so Faury, den Appetit der Branche gezeigt. 2022 setzt er auf Investitionen und Wachstum - aber nicht nur: "Zuallererst setzen wir weiter auf unsere Belegschaft, die der Schlüssel zum Erfolg für unseren Aufschwung und unsere Zukunft ist", so der Airbus-Chef. "Deshalb suchen wir auch neue Talente und haben angekündigt, weltweit etwa 6000 Stellen auszuschreiben. Und das ist erst der Anfang."

In diesem Zusammenhang bestätigte Faury seine Pläne für die deutschen Standorte, an denen es bis 2030 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Der nordrheinwestfälische Autozulieferer Mubea könnte Standorte übernehmen, alle anderen bleiben aber beim Mutterkonzern.

"Am 1. Juli werden wir die neue Gesellschaft starten, ähnlich wie jene, die wir bereits ab 1. Januar in Frankreich mit Airbus Atlantic aufgestellt haben", erläutert Faury. "Sie wird die deutschen Werke umfassen, die bereits Flugzeugrümpfe montieren. Was die Zulieferstandorte anbetrifft, so beraten wir weiter mit der Firma Mubea und der IG Metall, was das Beste ist. Und da brauchen wir noch einige Monate."

Auch Rüstungsaufträge sind ein Thema

Auf der Jahrespressekonferenz geht es auch um den Lackschaden-Streit mit Qatar Airways. Über die Lage sei man nicht glücklich, so der Airbus-Chef - und das sah man ihm auch an. Als Reaktion auf eine hohe Schadenersatzforderung hatte Airbus einen Milliarden-Auftrag der Fluggesellschaft storniert. Über die Klage soll Ende April in London verhandelt werden.

Ein Thema, das der Airbus-Chef wiederholt selbst anspricht: die Aufstellung seines Konzerns im Militärbereich. "2021 haben wir auch an Projekten gearbeitet, die kritisch wichtig sind für die strategische Autonomie Europas", so Faury. "Beispielsweise das Eurodrohnen-Projekt. Alle Partnernationen haben die Finanzierung zugesagt, darunter Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Damit ist der Weg zur Vertragsunterzeichnung frei."

Verteidigung, so Faury, das hieße Frieden - und der wiederum ermögliche Innovation und Klimaschutz. Mit dem Auftrag für sechs neue Galileo-Satelliten und einem Wasserstoff-Flugzeug für 2035 am Horizont.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2022 um 14:00 Uhr.