Boeing Transonic Truss-Braced Wing (Illustration von 2019)

Flugzeughersteller Wie Airbus und Boeing die Krise meistern

Stand: 28.10.2021 15:57 Uhr

Während sich Airbus langsam von den Folgen der Corona-Krise erholt, schreibt Boeing im dritten Quartal erneut rote Zahlen. Das liegt allerdings nicht nur an den Auswirkungen der Pandemie.

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

Nach den extremen Einbrüchen durch die Corona-Pandemie erholt sich die Luftfahrtbranche langsam. Vor allem ein Flugzeughersteller profitiert davon: Nach dem Milliardenverlust 2020 hob der der europäische Konzern Airbus nun abermals seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr an. Für 2021 rechnet der weltgrößte Flugzeugbauer mit einen operatives Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 4,5 Milliarden Euro - damit korrigierte das Management seine Erwartungen innerhalb von drei Monaten um weitere 500 Millionen Euro nach oben.

Lilli Hiltscher

Auftragslage erholt sich

Damit kommt Airbus besser aus der Krise als erwartet. Denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Luftverkehr hatten im vergangenen Jahr auch die beiden weltgrößten Flugzeugbauer schwer getroffen: Der Auftragseingang bei Airbus knickte im Krisenjahr 2020 um fast 60 Prozent ein. Die Fluggesellschaften bestellten lediglich 268 Verkehrsflugzeuge, 2019 waren es rund 500 mehr.

Seit dem Sommer fährt Airbus nun die Produktion seiner Mittelstreckenjets aus der A320-Modellfamilie wieder hoch, die zuvor stark gedrosselt worden war. "Vor allem im Bereich der Mittel- und Kurzstreckenflüge bestellen die Fluggesellschaften wieder mehr und nehmen die bestellten Flugzeuge auch ab", begründet Luftfahrtexperte Cord Schellenberg die positive Entwicklung. Die drei großen Märkte Nordamerika, Europa und China in Asien erholten sich vor allem bei den Inlandsflügen und bewegten sich wieder auf Vorkrisenniveau.

Asiatischer Markt macht Probleme

Airbus will in diesem Jahr insgesamt 600 Flugzeuge an Kunden ausliefern, bisher haben bereits 424 Maschinen die Werke verlassen. Ein Problem für den europäischen Flugzeugbauer könnte allerdings der asiatische Raum werden. Vor der Pandemie profitierte Airbus hier vom enormen Wachstum in der Luftfahrt, momentan sind dort allerdings noch viele Grenzen dicht und mehrere asiatische Fluggesellschaften baten bereits um eine Verschiebung der Auslieferung neuer Maschinen.

Für den Flugverkehr und damit auch für den Erfolg der größten Flugzeugbauer Airbus und Boeing müssten sich langfristig auch die Langstrecke und der asiatische Markt erholen: "Bei der Langstrecke ist schwer vorherzusagen, wie sich die Nachfrage nach Fliegern entwickelt, weil sie sehr stark von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und den Impfungen weltweit abhängt", so Schellenberg.

Boeing schreibt rote Zahlen

Trotz einer sich erholenden Auftragslage bei der Mittel- und Kurzstrecke schreibt der US-Konkurrent Boeing im dritten Quartal des laufenden Jahres erneut rote Zahlen, nämlich 132 Millionen Dollar Verlust. Grund dafür ist allerdings nicht mehr nur die Pandemie, sondern vor allem die Probleme bei den Langstreckenjets vom Typ 787 "Dreamliner" kommen Boeing teuer zu stehen. 183 Millionen Dollar Sonderkosten verursachten die Produktionsmängel beim "Dreamliner", dessen Auslieferung und Herstellung in diesem Jahr heruntergefahren werden musste. Derzeit werden bei Boeing gerade einmal zwei Maschinen des "Dreamliners" pro Monat gefertigt. "Boeing kämpft besonders mit hausgemachten Problemen", so Experte Schellenberg.

Und der Konzern hat noch zwei weitere Baustellen: Der Mittelstreckenflieger 737 MAX ist im wichtigen chinesischen Markt noch nicht wieder für den Flugverkehr zugelassen und die Produktion befindet sich nach wie vor auf niedrigem Niveau. Außerdem macht das "Starliner"-Raumschiff dem US-Konzern vor allem finanziell zu schaffen. Der nächste Testflug zur internationalen Raumstation ISS musste wegen technischer Probleme von diesem Sommer auf das kommende Jahr verschoben werden; Kostenpunkt im vergangenen Quartal waren 185 Millionen Dollar.

Lieferengpässe treffen auch die Flugzeugbauer

Die Auswirkungen der Pandemie dürften sich bei den beiden größten Flugzeugbauern allerdings bald in Form von die Lieferschwierigkeiten noch einmal niederschlagen: Denn bei den Airbus-Kunden sei die Nachfrage nach den Kurz-und Mittelstreckenmodellen A320/A321 zwar da. Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung besteht darin, dass neue, verbrauchsärmere Flugzeuge derzeit der größte Hebel beim Abbau von CO2-Emissionen in der Luftfahrt sind. Allerdings können die Zulieferer die Nachfrage von Airbus wohl nicht bedienen.

Das Wiederhochfahren der Produktion der A320-Baureihe verursache seit September "Spannungen" bei einigen Zulieferern, sagte Konzern-Chef Guillaume Faury. Es gehe etwa um die Wiedereinstellung von Arbeitern oder um Logistikprobleme. Es gebe genügend Nachfrage für 75 Kurz- und Mittelstrecken-Modelle pro Monat, sagte Faury. "Aber wir müssen auf die Situation in der Lieferkette schauen." Schon jetzt gebe es Verzögerungen bei einigen Lieferanten.

Airbus fährt die Produktion der A320-Baureihe gerade hoch, nachdem man sie in der Corona-Krise von 65 auf 40 Flugzeuge pro Monat gedrosselt hatte. Vor allem Triebwerksbauer haben Bedenken, ob sie mit der angestrebten Ausweitung der Produktion auf 75 Maschinen pro Monat Schritt halten können.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. Oktober 2021 um 10:40 Uhr.