Adler Group Projekt: Hochhaus am Steglitzer Kreisel in Berlin | imago images/Dirk Sattler

Turbulenzen nach Vorwürfen Adler Group unter Druck

Stand: 27.05.2022 13:57 Uhr

Seit Monaten sorgt der Vorwurf aufgeblähter Bilanzen bei der Adler Group für Aufsehen. Der Aktienkurs brach ein. Einen Medienbericht über die Aufnahmen von Ermittlungen bestätigte die Staatsanwaltschaft bisher nicht.

Von Sebastian Schreiber, ARD-Börsenstudio

Betrug, Manipulation, Täuschung: Diese Vorwürfe gegen die Adler Group wiegen schwer. Ihren Ursprung haben sie in einem Bericht der Investment-Firma Viceroy Research, veröffentlicht im vergangenen Oktober. Dahinter steckt ein bekannter Mann in der Finanzszene: der Brite Fraser Perring. Sein Geschäftsmodell: das Aufdecken unsauberer Bilanzen. Auf dubiose Geschäfte hatte der Investor auch im Fall des Finanzdienstleisters Wirecard aufmerksam gemacht - lange vor dessen Insolvenz.

Sebastian Schreiber

Wetten auf sinkende Kurse - Adler dementiert

Perring verfolgt dabei auch ein finanzielles Interesse: Er setzt auf sinkende Kurse. So ging Perring auch im Fall der Adler Group vor. Der Konzern hat sich von Beginn an gegen die Vorwürfe gewehrt. Die Adler Group teilte mit:

Ein zentraler Vorwurf lautet, dass die von ADLER in ihren Bilanzen angesetzten Immobilienwerte überhöht seien. Dies ist nachweislich falsch. Die angesetzten Immobilienwerte wurden von unabhängigen, marktführenden Immobilienbewertern ermittelt und von finanzierenden Banken selbständig überprüft.

Zunächst Entlastung durch KPMG

An der Börse sorgten die Vorwürfe gegen Adler für Turbulenzen. Die Aktie des Immobilienkonzerns brach ein. Der Konzern reagierte und beauftragte die Wirtschaftsprüfer von KPMG mit einer Sonderprüfung. Der Bericht erschien Mitte April. KMPG fand Mängel in den Bilanzen, aber keinen systematischen Betrug - und so sah sich Adler insgesamt entlastet.

Fraser Perring, der die Vorwürfe erhoben hatte, sieht das anders. Im Video-Interview mit der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger in Deutschland, SdK, zweifelt der Investor etwa an Angaben des Konzerns: "Ich habe noch nie so einen Unsinn gehört, den der Vorsitzende des Verwaltungsrates gesagt hat - und das ist noch freundlich ausgedrückt", so Perrings deutliche Worte. "Es war identisch zu Wirecard in Bezug auf die Statements, die sie genutzt haben, um eine Entlastung zu rechtfertigen."

Testat für Jahresbilanz verweigert

Nur wenige Tage später, Ende April, spitzte sich die Lage dann erneut zu. Dieses Mal, weil die Wirtschaftsprüfer von KPMG sich - unabhängig von der Sonderprüfung - weigerten, die Jahresbilanz der Adler Group zu bestätigen. Das Testat blieb aus. In der Folge traten einige Mitglieder des Verwaltungsrates zurück. Die Aktie brach erneut ein - dieses Mal noch heftiger - und stand Anfang Mai im Fokus der Börsenberichterstattung.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht bestätigt

Auch die deutsche Finanzaufsicht, die BaFin, ist im Fall Adler aktiv und prüft die Bücher des Konzerns. Mark Branson, der Chef der Bafin, soll sich dazu auch im Finanzausschuss des Bundestages geäußert haben - in einer nichtöffentlichen Sitzung. Das "Handelsblatt" berichtete daraufhin von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen die Adler Group. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht - die Behörde verweigert auf Nachfrage dazu jeden Kommentar.

All das zeigt: Es steht eine Menge auf dem Spiel für die Adler Group. Für den Konzern geht es jetzt darum, irgendwie Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen - bestenfalls mit Bilanzen, die keine Zweifel aufkommen lassen. Fest steht jedoch: Für das laufende Jahr muss sich Adler dazu eine neue Prüfungsgesellschaft suchen. Nach Angaben des Immobilienkonzerns steht KPMG als Abschlussprüfer nicht mehr zur Verfügung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Mai 2022 um 15:41 Uhr.