Eine junge Frau steht am Hauptbahnhof an einem Fahrkartenautomaten, auf dem Werbung für das 9-Euro-Ticket zu sehen ist.  | dpa

Bilanz der Verkehrsbetriebe 52 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft

Stand: 29.08.2022 15:02 Uhr

Die Verband der Verkehrsunternehmen spricht beim 9-Euro-Ticket von einem "vollen Erfolg". 52 Millionen Tickets wurden demnach verkauft. Weil dadurch viele Autofahrten vermieden wurden, seien rund 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat eine positive Bilanz des 9-Euro-Tickets gezogen. Die dreimonatige Sonderfahrkarten-Aktion habe einen deutlichen Effekt auf die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs gehabt. Rund 52 Millionen Tickets seien über den gesamten Zeitraum bundesweit verkauft worden, teilte der Verband bei einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz mit der Verkehrsministerkonferenz der Länder (VMK) mit. "Hinzu kommen mehr als zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket jeweils monatlich über den Aktionszeitraum automatisch erhalten haben", hieß es.

Eine wesentliche Erkenntnis sei, "dass wir viele Umsteiger haben", sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Es habe schätzungsweise eine Milliarde Fahrten pro Monat im Zeitraum Juni bis August durch die Sondermaßnahme gegeben, so der VDV. Zehn Prozent der Fahrten mit dem Neun-Euro-Ticket seien für eine Strecke genutzt worden, die sonst mit dem Auto gefahren worden wäre. Insgesamt liege der Anteil der aus anderen Verkehrsmitteln verlagerten Fahrten bei 17 Prozent. Die Menge an eingespartem Treibhausgas schätzt der VDV auf 1,8 Millionen Tonnen CO2. Das sei in etwa der gleiche Effekt, als hätte es ein Jahr lang ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gegeben.

Forderungen nach Nachfolgeangebot

"Die Ergebnisse der Marktforschung belegen deutlich: Die Menschen wollen den öffentlichen Nahverkehr, wenn das Ticket einfach und verständlich sowie überall flexibel nutzbar ist", sagte die Bremer Mobilitätssenatorin Maike Schaefer, die auch Vorsitzende der VMK ist.

Wenn ein derartiges Angebot nicht nur über den überschaubaren Zeitraum von drei Monaten bestehe, seien die Menschen bereit, ihr Auto dafür stehenzulassen. Schaefer forderte vom Bund konkrete Vorschläge, wie eine Anschlusslösung an das 9-Euro-Ticket ausgestaltet und finanziert werden könne.

Auch der VDV spricht sich für eine zügige Anschlusslösung für das Ticket aus. "Wenn wir Verkehrswende und Klimawandel ernst nehmen, dann müssen wir jetzt handeln", so Wolff. "Das Ticket war sehr erfolgreich und es lohnt, sich über die Fortsetzung Gedanken zu machen", sagte er. Er forderte ebenso wie mehrere Landesverkehrsminister und -ministerinnen zugleich mehr Investitionen, um das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu verbessern.

78.000 Menschen befragt

Der Verband führt zusammen mit der Deutschen Bahn die umfangreichste Umfrage zur Nutzung des 9-Euro-Tickets durch, 6000 Menschen werden jede Woche befragt, insgesamt 78.000.

Dabei zeigte sich, dass der günstige Anschaffungspreis für 56 Prozent der Befragten das Hauptargument für den Kauf war. Immerhin 43 Prozent nannten den Verzicht auf Autofahrten als Kaufgrund. Auch die Flexibilität sowie die bundesweite Gültigkeit wurden als wichtige Kaufargumente genannt.

Das 9-Euro-Ticket hatte für Juni, Juli und August für jeweils neun Euro Monatsgebühr die Fahrt in allen öffentlichen Nahverkehrsmitteln in Deutschland ermöglicht. Der Fahrschein war eine von mehreren Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der hohen Energiepreise. Das Angebot Ende am 30. August. Seit Wochen wird über mögliche Folgeangebote diskutiert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. August 2022 um 15:00 Uhr.