Ein Aufsteller weist Gäste am Eingang eines Restaurants auf die neue 2G Plus Regel hin. | dpa

2G+-Regel Corona-Test für eine Tasse Kaffee

Stand: 08.12.2021 16:29 Uhr

In manchen Bundesländern gilt an vielen Orten 2G+: Geimpft oder genesen - plus Test. Gastronomen oder Fitnessstudio-Betreiber brauchen für die Umsetzung starke Nerven.

Von Christian Kretschmer und Marion Mühlenkamp, SWR  

Die Tortenauslage in der Konditorei von Frank Kaiser im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach ist prall gefüllt. Aber in dem weitläufigen Traditionscafé sind gerade einmal zwei Tische besetzt. "Wir haben viel Laufkundschaft", sagt Kaiser. "Einige gehen hier im Kurgebiet spazieren und kommen dann spontan auf eine Tasse Kaffee vorbei." Aber nur für einen Kaffee extra testen lassen? Das sei für die meisten ein zu großer Aufwand, meint der Konditormeister. "Diese Kunden fehlen uns natürlich."

Christian Kretschmer

"Man ist ständig auf der Hut"

Seit dem Wochenende müssen in Rheinland-Pfalz, wie etwa auch in Baden-Württemberg, strengere Corona-Regeln umgesetzt werden. In der Gastronomie und beim Sport in Innenräumen gilt 2G+: also überall dort, wo nicht dauerhaft eine Maske getragen werden kann. Rein darf nur noch, wer geimpft oder genesen ist und zudem einen aktuellen, negativen Corona-Test vorzeigen kann. Ausgenommen davon sind Menschen, die bereits ihre "Booster"-Impfung erhalten haben. Keine einfachen Vorgaben, für die, die sie überprüfen sollen. "Man ist ständig auf der Hut und versucht, aus dem Internet und aus der Zeitung die gültigen Regeln zu erfahren", sagt Konditor Kaiser.  

Stephanie Hilgert, Inhaberin eines Hotels mit Restaurant in Bad Kreuznach, hat deswegen extra vorgesorgt. Sie klappt eine weiße Kiste an der Rezeption auf - die sei "wie Gold". Darin: Schnelltests für die Gäste, die noch keinen gemacht haben. "Die zu bekommen, war sehr schwierig", sagt Hilgert. "Die Tests sind ja gerade überall ausverkauft." Trotz ihrer Bemühungen spürt die Hotelbetreiberin, dass der Andrang deutlich nachlässt: "Im Moment kommen hauptsächlich Stornierungen." Mehr als einhundert seien es allein in der vergangenen Woche gewesen. "Die Gäste haben Angst, trotz allem", berichtet Hilgert. Sie versuche, etwa auf die Testmöglichkeit vor Ort hinzuweisen, die dann doch ein Stück Sicherheit bringen sollen.  

Einige Kunden reagieren aggressiv

Auf Sicherheit hofft auch Hans Gerhard Merkelbach, Inhaber eines Fitnessstudios am Bad Kreuznacher Stadtrand. Wer dort Sport treiben will, bei dem wird sogar Fieber gemessen. Außerdem gilt auch hier 2G+. Die Kunden im Studio seien davon teils wenig begeistert. "Einige werden unseren Mitarbeitern gegenüber aggressiv", erzählt Merkelbach - aus Frust über die Zutrittsvoraussetzungen. "Wir wissen uns dann manchmal gar nicht mehr zu helfen."   

Zwar seien fast alle Kunden geimpft, deutlich weniger jedoch bereits zum dritten Mal. Auch Merkelbach befürchtet Umsatzeinbußen in nächster Zeit. "Viele werden nicht mehr ins Studio gehen, weil sie so schnell keinen Booster bekommen", sagt er. "Wenn die Leute zu Hause bleiben, werden wir auch die Mitgliedsbeiträge nicht mehr abbuchen. Das wäre nicht fair." Finanziell wäre das aber langfristig für ihn kaum tragbar. Denn schließen soll das Studio nicht - die Fixkosten bleiben damit jedoch hoch, beispielsweise für Strom und Personal. "Das ist das Problem", sagt Merkelbach.  

Stichprobenartige Kontrollen 

Kontrolliert werden die 2G+-Regeln stichprobenartig durch die Kommunen und Landkreise. Eine großflächige Kontrolle der Ordnungsämter sei allein personell gar nicht möglich, sagt die Landrätin des Kreises Bad Kreuznach, Bettina Dickes. "Ich habe das Vertrauen, dass die große Mehrzahl sich an die Regeln hält." Man gehe zwar allen Hinweisen und Beschwerden nach, fokussiere sich aber im Wesentlichen auf wenige Betriebe - nämlich die, die bereits in der Vergangenheit Corona-Vorschriften ignoriert hätten.  

Erleichterung erhoffen sich die Geschäftstreibenden in Bad Kreuznach von möglichst vielen Booster-Impfungen. Auch die Zahl der Teststationen hätte die Politik deutlich früher wieder ausbauen sollen, sagt Fitnessstudio-Betreiber Merkelbach. "Die meisten bleiben zu Hause, weil sie nicht eine Stunde in der Kälte stehen wollen, um dann für eine Stunde ins Restaurant oder Fitnessstudio zu gehen." Sein Studio habe noch rund 400 Tests für die Kunden vorrätig. "Aber irgendwann sind auch die aufgebraucht." 

Über dieses Thema berichtete die Landesschau Rheinland-Pfalz am 06. Dezember 2021 um 18:45 Uhr.