Oldtimerfahrzeuge stehen in einer Ausstellung. | Museum für historische Maybach-

100 Jahre Maybach Erst Luftfahrt, dann Luxusautos

Stand: 23.09.2021 08:23 Uhr

Vor genau 100 Jahren stellte der Automobilbauer Maybach sein erstes Auto zum Verkauf vor. Dabei begann die Unternehmensgeschichte in einer ganz anderen Branche.

Von Georg Filser, SWR

Für viele ist er der Inbegriff von Luxus: der Maybach. Ein Auto, das nur selten auf unseren Straßen zu sehen ist. Und ein Auto, dessen wechselhafte Geschichte kaum jemand kennt. Die begann bereits im März 1909, als Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin in Bissingen an der Enz die Firma Luftfahrzeug-Motorenbau gründen.

Ihr Plan: Diesel- und Gasmotoren für Luftschiffe zu bauen. Kurze Zeit später zog das Unternehmen nach Friedrichshafen, wo es Motoren baute, die so weitentwickelt wurden, dass sich das Militär für sie interessierte. Sie wurden für den Ersten Weltkrieg in Luftschiffe und Jagdflugzeuge eingebaut.

Kriegsniederlage zwingt Maybach zum Wandel

Nachdem das Deutsche Kaiserreich den Ersten Weltkrieg verloren hatte, verbot es der Versailler Friedensvertrag, Flugzeuge und Luftschiffe zu bauen. Wilhelm Maybach war gezwungen umzudenken. Die Firma benannte er mit Sohn Karl in Maybach-Motorenbau um. Zwar wurden noch Dieselmotoren für Lokomotiven gebaut - wie für den Fliegenden Hamburger, den ersten Hochgeschwindigkeitszug der Welt. Maybach ging es ab jetzt allerdings hauptsächlich um den Bau von Autos.

Nachdem 1919 der Versuchswagen W 1 entwickelt wurde, stellte er auf der Berliner Automobilausstellung am 23. September 1921 den verkaufsfertigen W 3 vor - der Beginn einer Ära.

Die Motoren von Maybach zeichnete aus, dass sie nicht nur leistungsstark, sondern auch technisch weltweite Spitze waren. Der Anspruch des Sohnes des Firmengründers Karl Maybach: "Das Beste vom Besten zu präsentieren". Die Innenausstattungen und Karosserien wurden von führenden Produzenten ganz nach Kundenwunsch gebaut.

Ein Oldtimerfahrzeug Maybach SW38 steht in einer Ausstellung. | Museum für historische Maybach-

Jeder Kundenwunsch wurde erfüllt: Ein SW38 im Museum für historische Maybach-Fahrzeuge in Neumarkt. Bild: Museum für historische Maybach-

Erfolg - bis zum Zweiten Weltkrieg

"Da waren Bestellakten auch mal 50 oder 60 Seiten lang, bis der Kunde gesagt hat: 'So, jetzt passt es'. Da sind Summen rausgekommen, von denen hätte man am Stuttgarter Killesberg eine Villa kaufen können", sagt Helmut Hofmann, Betreiber des Museums für historische Maybach-Fahrzeuge in Neumarkt.

Der Kundenkreis war erlesen: der äthiopische Kaiser Haile Selassie, das niederländische Königspaar, indische Maharadschas und der deutsche Boxweltmeister Max Schmeling gehörten dazu. Bis 1941 wurden rund 1800 Limousinen, Tourenwagen und Sportcabriolets mit dem berühmten Emblem aus dem doppeltem M gebaut.

Während des Krieges wurden die Motoren dann für die Fahrzeuge der Wehrmacht benötigt. Nach dem Krieg brauchte niemand Luxusautos. Hinzu kam, dass das Werk in Friedrichshafen zerstört worden war und später nur noch für Reparaturarbeiten an den Autos genutzt wurde. Um die Automarke Maybach wurde es still.

Maybachs Nebenrolle bei Mercedes

Es dauerte fast zwanzig Jahre, bis Maybach wieder eine Rolle spielen sollte: 1960 kaufte Daimler-Benz die Firma Maybach-Motorenbau. Seit 1969 heißt das Unternehmen Motoren und Turbinenunion Friedrichshafen, kurz MTU Friedrichshafen. Dort werden seitdem Dieselmotoren gebaut.  

Bis wieder Autos mit dem Maybach-Emblem vom Band liefen, sollten Jahrzehnte vergehen: Erst 2002 entdeckte die DaimlerChrysler AG Maybach wieder für sich. "Andere Autobauer wie VW und BMW hatten sich Luxusmarken gekauft. Beim Daimler dachte man sich: Wir haben doch noch die Markenrechte von Maybach. Da hat man dann viel Werbung gemacht. Das hat zu einem kleinen Hype geführt", erzählt Museumsbetreiber Hofmann.

Gerechnet hat sich die Reaktivierung der Marke für Daimler allerdings nicht. Die Modelle 57 und 62 basierten auf älteren S-Klasse-Modellen - und erschienen vielen Kunden veraltet. "Außerdem konnten sie mit dem Namen Maybach weniger anfangen als beispielsweise mit Rolls Royce," so Hofmann. Aufwand und Ertrag rechneten sich nicht; Ende 2011 beschloss man, die Marke Maybach wieder einzustampfen. 2013 rollte der vermeintlich letzte Wagen vom Band.

Maybachs Zukunft auf wackeligen Beinen?

Gerade einmal ein Jahr später wieder eine Kehrtwende: Nun beschloss man bei Mercedes, den Maybach als Mercedes-Maybach für Premiumversionen der S-Klasse und andere Modelle wieder einzuführen. Zuletzt wurde der Concept EQS vorgestellt. Das erste Elektroauto der Premiumklasse - 100 Jahre nach dem W 3.

Für den Maybach-Museumsbetreiber Hofmann ist aber klar: "Ich glaube, die gute alte Zeit von Maybach ist vorbei, in der man diesen riesigen Aufwand für einzelne Kunden betrieben hat." Er kann sich aber vorstellen, dass der Name Maybach im Premiumsegment der Automobile weiterlebt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2021 um 09:05 Uhr.