Hintergrund

Die Wirtschaft der Ukraine Abhängig vom Gas

Stand: 24.02.2014 17:27 Uhr

Politisch steckt die Ukraine im Umbruch, die wirtschaftliche Situation ist prekär. Wie ist es um die Wirtschaftskraft des Landes bestellt, welche Industriezweige sind wichtig und welche Länder sind die wichtigsten Handelspartner? Ein Überblick.

Wirtschaftskraft

Die Wirtschaftskraft ist gering. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 130 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In Deutschland sind es es mehr als 2700 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt etwa 2840 Euro im Jahr. Das Wirtschaftswachstum des Landes hat in den letzten Jahren an Schwung verloren. Wuchs es 2010 noch um 4,1 und 2011 um 5,2 Prozent, waren es 2012 lediglich 0,2 Prozent. 2013 dürfte es zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht haben.

Industrie, Landwirtschaft, Rohstoffe

Traditionell von großer Bedeutung ist die Landwirtschaft, die mehr zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt als Finanzindustrie und Bauwirtschaft zusammen. Etwa 30 Prozent der fruchtbaren Schwarzerdeböden der Welt befinden sich in der Ukraine, die zu den größten Weizenexporteuren gehört. In der Tierzucht spielt das Land ebenfalls eine führende Rolle.

Wichtigster Pfeiler der ukrainischen Wirtschaft ist die Schwerindustrie: vor allem die Stahlindustrie und der Lokomotiv- und Maschinenbau. Ein Grund dafür ist, dass die Sowjetunion einen Großteil der Rüstungsproduktion in ihrer Teilrepublik Ukraine angesiedelt hatte. Die Schwerindustrie ist im mehrheitlich russischsprachigen Osten angesiedelt. So gibt es um die Stadt Donezk herum viele Bergwerke, in denen Kohle und Eisenerz abgebaut wird. Viele der wirtschaftlichen Anlagen sind jedoch veraltet.

Die Ukraine, als flächenmäßig größtes europäisches Land nach Russland, ist reich an Rohstoffen. Es gibt Vorkommen an Eisenerz, Kohle, Mangan, Erdgas und Öl, aber auch Graphit, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber.

Wirtschaftsstandort

Laut Wirtschaftsexperten hat die Ukraine Potenzial, ein lohnendes Investitionsziel für Ausländer und zum Produktionsstandort für westliche Firmen zu werden. Gehemmt werden solche Investitionen allerdings durch die mangelnde Rechtssicherheit sowie die massive Korruption: Die Organisation Transparency International bewertet die Ukraine als eines der korruptesten Länder der Welt.

Ähnlich wie in Russland ist auch in der Ukraine eine kleine Gruppe von Menschen durch Privatisierungen von Staatsbetrieben zu Millionären und Milliardären aufgestiegen. Auch die ehemalige Regierungschefin und Oppositionsführerin Julia Timoschenko hat nach der Auflösung der Sowjetunion ein Vermögen mit Rohstoffgeschäften gemacht. Gleichzeitig sind wichtige Teile der Wirtschaft weiterhin in Staatshand.

Eine Gaspipeline aus Russland in der Nähe von Kiev.
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58 Prozent des in der Ukraine verbrauchten Erdgases importiert das Land aus Russland.

Außenhandel

Haupt-Exportgüter sind Eisen und Stahl, gefolgt von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und chemischen Produkten. Wegen der großen Bedeutung der energiehungrigen Schwerindustrie ist die Ukraine aber auch das Land von Gasimporten abhängig. 58 Prozent des in der Ukraine verbrauchten Erdgases importiert das Land aus Russland: Bis vor kurzem zahlte das Land mit mehr als 400 Dollar für 1000 Kubikmeter russisches Gas noch einen der höchsten Preise in Europa. Auch Erdöl muss eingeführt werden. Die Ukraine hat allerdings das Potenzial vom Energie-Importeur zum -Exporteur werden, weil sie große Schiefergasvorkommen besitzt.

Mit Abstand wichtigster Handelspartner der Ukraine ist Russland. Ein Drittel der Importe stammt aus dem Nachbarland, ein Viertel der Exporte gehen dorthin. Der Regierung in Moskau ist eine Orientierung der Ukraine nach Westen ein Dorn im Auge. Stattdessen drängt sie das Land zum Beitritt zur Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland. Streit flammt zwischen beiden Ländern immer wieder über Gaslieferungen auf. Die Ukraine importiert fast ihr gesamtes Gas aus Russland. Der Konflikt über Preise und Transitgebühren hat in der Vergangenheit zu Lieferunterbrechungen geführt, die auch die Gasversorgung Europas infrage stellten.

Auch die Handelsbeziehungen zur EU sind für die Ukraine von großer Bedeutung: Rund ein Drittel der Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem im November der inzwischen abgesetzte Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine für die Versorgung mit Erdgas von Bedeutung. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

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