Xiaomi Präsentation, auf dem Hintergrundbild Lei Jun und Elon Musk

Vom Smartphone zum E-Auto Wird Xiaomi zum chinesischen Tesla?

Stand: 01.04.2021 12:04 Uhr

Xiaomi will "smarte Elektroautos" bauen. Wenn der chinesische Konzern den E-Auto-Markt ähnlich erfolgreich aufrollt wie den Smartphone-Markt, müssen sich Tesla, VW & Co. warm anziehen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Seit Wochen schon pfiffen es die Spatzen von den Dächern, jetzt ist es offiziell: Im Rahmen eines großen Events hat Xiaomi-Chef Lei Jun die Gründung eines Tochterunternehmens angekündigt, das "smarte Elektroautos" bauen soll.

Dafür will er in den kommenden Jahren zehn Milliarden Dollar in die Hand nehmen. Die Führung des Tochterunternehmens möchte Lei Jun selbst übernehmen. Für den Xiaomi-Gründer ist es nach eigener Aussage das "letzte große unternehmerische Projekt seines Lebens".

Elon Musk als Vorbild

Details, wie das erste "Mi Car" aus dem Hause Xiaomi aussehen, wann es auf den Markt kommen und welches Preisschild es tragen soll, nannte Lei Jun nicht. Wer sein großes Vorbild ist, daran ließ er auf der Veranstaltung jedoch keinen Zweifel: Lei Jun präsentierte ein Foto von sich und Elon Musk, bei dem er vor einigen Jahren zu Gast war, um sich ein Tesla-Werk zeigen zu lassen.

Xiaomi Redmi Bestune T77 SUV

Beim SUV Redmi steuerte Xiaomi die Software bei.

Übrigens: Xiaomi ist gar kein richtiger Newcomer in der Autobranche. In einem Joint-Venture mit dem chinesischen Autohersteller Bestune hat Xiaomi den SUV "Redmi" auf den asiatischen Markt gebracht. Der Smartphone-Spezialist arbeitete vor allem an der Software mit.

Auch beim chinesischen Kleinstwagen Baojun E300 steuerte Xiaomi die Konnektivität bei. Das Auto kann sogar in das Xiaomi-Ökosystem "Mi Smart Home" integriert werden, sodass sich etwa das Licht zu Hause einschaltet, sobald sich das Auto nähert. 2020 brachte Xiaomi zudem gemeinsam mit Lamborghini einen Elektro-Gokart heraus.

Xiaomi-Lamborghini-Gokart

Natürlich in gelb: der Elektro-Gokart von Xiaomi in der Lamborghini Edition.

Profiteur der Huawei-Sanktionen

Dass Xiaomi mehr sein will als nur ein Smartphone-Hersteller, daran hatte Lei Jun nie einen Zweifel gelassen. Das von ihm vor elf Jahren gegründete Unternehmen wurde zwar als Smartphone-Anbieter groß, baut inzwischen aber alle möglichen Elektronik-Produkte - von vernetzten Luftreinigern, Smartwatches und Notebooks bis hin zu Elektro-Tretrollern, E-Bikes und Staubsaugerrobotern. In Deutschland ist allerdings nur ein Teil der Xiaomi-Produkte erhältlich.

Xiaomi | Xiaomi

E-Scooter von Xiaomi. Bild: Xiaomi

Im Smartphone-Markt konnte Xiaomi zuletzt vom Absturz des Konkurrenten Huawei mächtig profitieren. Die noch unter Ex-Präsident Donald Trump verhängten US-Sanktionen zwangen Huawei in die Knie, Absatz und Markanteil halbierten sich nahezu im vierten Quartal 2020. Im Gegenzug schnellten die Smartphone-Verkäufe von Xiaomi im Schlussquartal um 32 Prozent auf 43,3 Millionen Geräte in die Höhe.

Xiaomi sicherte sich damit Rang drei nach Apple und Samsung. Auch bei den Marktanteilen rangiert Xiaomi auf Platz drei mit 11,2 Prozent nach Apple (23,4 Prozent) und Samsung (19,1 Prozent).

Xiaomi Mi 10 Ultra | Unternehmen

Hierzulande verbindet man eher Smartphones mit dem Namen Xiaomi. Bild: Unternehmen

Huawei und Apple hegen auch Auto-Ambitionen

Apropos Smartphones: Xiaomi ist nicht der erste Smartphone-Hersteller, der ein Auto-Abenteuer wagt. Der chinesische Konkurrent Huawei stellte jüngst mit DriveOne einen eigenen Motor für Elektroautos vor, der enorm schnelle Ladezeiten erreichen soll. Zum Elektromotor lieferte Huawei die Software inklusive Anbindung an die Cloud durch ein integriertes 5G-Modem gleich mit.

Seit Jahren schon wird außerdem über die Pläne des iPhone-Konzerns Apple für ein eigenes Auto spekuliert ("Project Titan"). Auch das Apple Car soll natürlich elektrisch werden. Zuletzt hieß es, die Kalifornier peilten einen Marktstart für 2024 an.

Hilfreiches Smartphone-Know-how

Branchenkenner verweisen allerdings darauf, dass Apple das Know-how in der Fahrzeugproduktion fehlt. Zudem dürfte der Aufbau eines weltweiten Vertriebsnetzes Jahre in Anspruch nehmen und millionenschwere Investitionen erfordern. Vor allem der letzte Kritikpunkt dürfte auch auf Xiaomi und seine Autopläne zutreffen.

Fakt ist aber auch: Seine Kenntnisse in Sachen Smartphone und Internet of Things (IoT) sollten Xiaomi in der schönen neuen "smarten" Autowelt von großem Vorteil sein. Denn eine gute Smartphone-Integration wird für Autokäufer immer wichtiger.

Das Auto muss zum Smartphone passen

Ob das Smartphone zum Auto passt, ist selbst in Deutschland für manche sogar mittlerweile wichtiger als die Marke. Für 69 Prozent ist das laut einer Umfrage des IT-Verbandes Bitkom ein wichtiges Kaufkriterium. Die Marke des nächsten Autos spielt dagegen nur für 65 Prozent eine wichtige Rolle.

Apple CarPlay

Ein Auto ohne Smartphone-Konnektivität? Für viele Kunden undenkbar.

Noch ausgeprägter ist dieses Muster bei jüngeren Kunden: Bei den bis 29-Jährigen sind es 80 Prozent, bei den 30-bis 49-Jährigen 78 Prozent, die angeben, beim Auto-Kauf besonders auf die Smartphone-Kompatibilität zu achten.

In dieser Hinsicht könnten die "smarten" Elektroautobauer - ob sie nun Xiaomi oder Apple heißen - also durchaus einen Vorteil im Vergleich zu konkurrierenden Firmen wie Tesla oder Volkswagen haben.