Eine Szene aus "Star Trek" mit William Shatner als Captain Kirk. | picture-alliance / Mary Evans Pi

Mit Blue Origin Captain Kirk fliegt ins All

Stand: 13.10.2021 07:56 Uhr

Jeff Bezos' Firma Blue Origin schickt William Shatner ins All. Als Captain Kirk in "Star Trek" wurde er weltbekannt. Der 90-jährige Kanadier wird der älteste Mensch sein, der je in den Weltraum geflogen ist.

Von Ute Spangenberger, SWR

Es gibt Filmrollen, mit denen Schauspieler ein Leben lang identifiziert werden. Bei William Shatner ist das so. 90 Jahre ist der studierte Wirtschaftswissenschaftler inzwischen alt, hat sich auch als Produzent, Regisseur, Buchautor und Sänger einen Namen gemacht. Aber für die Öffentlichkeit ist er vor allem eins: "Captain James T. Kirk". Nun fliegt William Shatner tatsächlich in den Weltraum - die Realität holt die Fiktion ein.

Ute Spangenberger

PR-Coup mit einem "Weltraum-Hopser"

Mit der Verpflichtung des prominenten Passagiers ist Jeff Bezos, dem Chef des Weltraumunternehmens Blue Origin, ein riesiger PR-Coup gelungen. Diesem zweiten bemannten Weltraumflug von Blue Origin waren die Schlagzeilen sicher, als die Nachricht vergangene Woche bekannt wurde. Seit Monaten liefern sich die extrovertierten Unternehmer Jeff Bezos, Richard Branson und Elon Musk ein prestigeträchtiges Duell um das Geschäft mit Weltraumtouristen und überbieten sich bei der Auswahl illustrer Fluggäste.

William Shatner und seine Crew in Raumanzügen. | imago images/UPI Photo

William Shatner und seine Crew haben die Raumanzüge bereits anprobiert und sind bereit für den Ausflug ins Weltall. Bild: imago images/UPI Photo

"Ich werde ein Raketenmann", hatte Shatner getwittert, nachdem die PR-Bombe vergangene Woche geplatzt war. Viele fragen sich seitdem, wie ein 90 Jahre alter Mann den Flug an Bord einer Rakete in den Weltraum überstehen soll. Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter sieht das gelassen: "Wenn man sich etwa die Astronauten anschaut, die die Europäische Weltraumagentur aussucht, dann ist da kein einziger Leistungssportler dabei, die werden nämlich vorher aussortiert. Große Muskeln wollen betätigt sein und das braucht es in der Schwerelosigkeit nicht. Daher bekommen Leistungssportler im Weltraum grundsätzlich Herzrhythmusstörungen."

Außerdem unterscheidet Walter zwischen echten Astronauten und den sogenannten "space travellern", also Weltraumfahrern, die bei einem suborbitalen Flug für einige Minuten die Schwerelosigkeit erleben. "William Shatners suborbitaler Flug ist eigentlich nur ein Weltraumhopser. Natürlich wird er beim Start und bei der Landung das Dreifache der Erdbeschleunigung aushalten müssen, aber das ist nicht so wahnsinnig viel. Ein normaler Kreislauf kann das aushalten. Außerdem wird das vorher in einer Zentrifuge getestet."

Rekordträchtige Mission

Statt mit seinem Film-Raumschiff, der "USS Enterprise", wird Shatner von Texas aus mit einer "New Shepard"-Rakete starten. An Bord der Mission sind vier Passagiere, darunter auch die Vizepräsidentin von Blue Origin. Beim bemannten Premierenflug von Blue Origin im Juli war Bezos selbst an Bord der Raumkapsel, gemeinsam mit seinem Bruder, einem 18 Jahre alten Niederländer und einer 82 Jahre alten früheren US-Pilotin, die in den USA sehr populär ist.

Mit dem aktuellen Weltraumflug von Shatner wird Blue Origin einen neuen Altersrekord im All aufstellen. Die "unendlichen Weiten" des Weltraums, von denen bei "Star Trek" immer die Rede ist, wird Shatner allerdings nicht kennenlernen: Der Ausflug in die Schwerelosigkeit dauert wenige Minuten, die Besatzung überquert kurz die sogenannte Kármán-Linie. Das ist eine international definierte Grenzmarke in 100 Kilometer Höhe, die Luft- und Raumfahrt voneinander trennt.

Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter hat eine ganz klare Meinung, wie sinnvoll solche Missionen sind: "Das ist wichtig, weil damit gezeigt wird: Raumfahrt ist normaler, als man glaubt. Mein Wunsch ist es, dass so viele Menschen wie möglich in den Weltraum kommen. Natürlich bleibt der Unterschied zu einem Berufsastronauten groß. Der muss etwa Experimente auf der ISS machen, die Raumstation warten und den Funkverkehr beherrschen." Walter hofft, dass bei den Menschen das Bewusstsein "für das kleine Raumschiff Erde" wächst, wenn sie den Planeten einmal von außen aus dem Weltraum gesehen haben.

Hochbetrieb auch auf der ISS

Neben den suborbitalen Flügen sollen in den nächsten Monaten auch mehrere Raumkapseln mit Touristen an der ISS ankommen. Bereits vergangene Woche ist ein russisches Filmteam mit einer Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation gestartet, um dort einen Spielfilm zu drehen.

Auch der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer, der Ende Oktober mit SpaceX zur ISS fliegt, bekommt Besuch von Weltraumtouristen. Bei seiner letzten Pressekonferenz in Deutschland im September äußerte er sich ähnlich positiv wie Walter: "Es ist natürlich gut, wenn man mehr Menschen im Weltraum trifft. Die Menschen haben den gleichen Traum wie ich. Sie wollen den Weltraum von außen sehen." Gleichzeitig mahnte er aber auch, den Weltraum durch die Kommerzialisierung nicht weiter zu verschmutzen.

William Shatner bei der Besichtigung der Startturms der "New Shepard"-Rakete | via REUTERS

William Shatner - hier bei der Besichtigung der Startrampe - wird der bisher älteste Mensch im All sein. Bild: via REUTERS

Wie werden Bezos' Konkurrenten Branson und Musk auf den Captain-Kirk-Coup reagieren? Musk hatte bereits 2012 die Asche des verstorbenen Schauspielers James Doohan mit einer Falcon 9-Rakete ins All befördert. Doohan spielte in "Star Trek" an der Seite von Shatner die Kult-Figur "Scotty" - jenem Chefingenieur im Maschinenraum, der beamen konnte. Ohne allzu prophetisch zu sein: In den nächsten Jahren werden wohl weitere VIPs in den Weltraum fliegen, in schlagzeilenträchtigen Missionen. Das jetzt ist erst der Anfang.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 13. Oktober 2021 um 07:49 Uhr.