Isar Aerospace Coast Phase | Isar Aerospace

Einstieg bei Isar Aerospace Was will Porsche im Weltall?

Stand: 28.07.2021 13:25 Uhr

Die Porsche Holding SE steigt ins Weltraumgeschäft ein. Die Volkswagen-Mutter beteiligt sich am Münchner Raketenbauer Isar Aerospace. Dahinter steckt strategisches Kalkül.

Von Detlev Landmesser, tagesschau.de

Die VW-Muttergesellschaft Porsche Automobil Holding SE ist bei dem Startup Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München eingestiegen. Die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft der Familien Porsche und Piech hat einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich an dem Raketenbauer erworben, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

"Als Investor mit Fokus auf Mobilitäts- und Industrietechnologien sind wir davon überzeugt, dass der kostengünstige und flexible Zugang zum Weltall für Innovationen in vielen Industriebereichen sorgen wird", sagte der für Beteiligungen zuständige Porsche-Manager Lutz Meschke.

Erster Testflug Mitte 2022

An der neuen Finanzierungsrunde von insgesamt 75 Millionen Dollar waren neben Porsche noch mehrere Wagniskapitalgeber wie HV Capital, Lombard Odier und Lakestar beteiligt. Insgesamt hat das junge Unternehmen bisher Gelder in Höhe von über 180 Millionen Dollar eingeworben. Das ist die bisher größte Finanzierungsrunde eines europäischen Raumfahrtunternehmens.

Die 2018 gegründete Isar Aerospace hat einen so genannten Microlauncher, eine Kleinrakete für Nutzlasten von über 1000 Kilogramm, entwickelt. Besonders ein hoher Automatisierungsgrad in der Herstellung soll das Fluggerät kostengünstiger als herkömmliche Trägerraketen machen. Der erste Testflug der "Spectrum" soll nun Mitte 2022 stattfinden.

Strategische Vision wie aus einem Guss

Solche Trägerraketen können kleine und mittelgroße Satelliten in den Orbit bringen - eine Technologie, die auch für die Autoindustrie von strategischem Interesse ist, besonders für den Zukunftsmarkt mit selbstfahrenden Autos.

Der Multimilliardär und Tesla-Chef Elon Musk ist auch hier ein bedeutender Taktgeber: Mit dem von seiner Firma SpaceX aufgebauten Satellitennetzwerk Starlink, das einen weltweiten Internetzugang bieten soll, könnten sich künftig autonom fahrende Teslas dirigieren lassen. Eine strategische Vision wie aus einem Guss, die die klassischen Autobauer erneut alt aussehen lässt.

Vor diesem Hintergrund wird das Engagement bei dem Start-up, dem Volkswagen-Chef Herbert Diess im vergangenen Dezember höchstpersönlich einen Besuch abstattete, verständlicher. Im Vergleich zu den Ambitionen Musks erscheint das Engagement des Autoriesen bisher aber bestenfalls halbherzig.

"Bedeutung für bahnbrechende Innovationen verstanden"

"Die Unterstützung von neuen und bestehenden Investoren ist ein starkes Signal für das Momentum der kommerziellen Raumfahrt", sagte Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler. Die Bedeutung der Raumfahrttechnologie als Wegbereiter für viele Geschäftsmodelle und bahnbrechende Innovationen sei verstanden worden.

Tatsächlich hat der gewaltige Bedarf an Satelliten für Kommunikations- und Mobilitätsnetzwerke in Deutschland eine ganze Branche mit über 100 Start-ups entstehen lassen, von denen etwa die Hälfte in der Raketenfertigung tätig sind. Experten schätzen, dass bis 2028 knapp 10.000 Satelliten ins All starten werden, die allermeisten (86 Prozent) davon Kleinsatelliten mit einem Gewicht von einem bis zehn Kilogramm.