Vakzin-Fläschen-Herstellung bei Gerresheimer

Gerresheimer macht Gewinn Im Fahrwasser von BioNTech & Co.

Stand: 13.07.2021 17:23 Uhr

BioNTech und AstraZeneca wurden in der Corona-Krise weltbekannt. Aber es gibt deutlich mehr Unternehmen, die von der Impfwelle profitieren: Die Zuliefer-Firma Gerresheimer ist ein Erfolgsbeispiel.

Von Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Die Corona-Impfung geht schnell vorbei, die meisten fragen sich in dem Moment vermutlich: "Wird der Piekser wohl wehtun?" Der Ampulle, in dem der Impfstoff steckt, dürfte kaum jemand Beachtung schenken - dabei ist es wichtig. Einer der Hersteller ist die Firma Gerresheimer aus Düsseldorf. Konzernchef Dietmar Siemssen beschreibt, dass in seinem Unternehmen in letzter Zeit Hochbetrieb herrschte: "Wir haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres schon über 300 Millionen Flaschen ausgeliefert, und wir haben schon Bestellungen im größeren Ausmaße für das Jahr 2023 erhalten. Für unsere Kunden ist dieses Thema noch nicht ganz vorbei."

Heute hat Gerresheimer Geschäftszahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, auch wenn die Covid-19-Impffläschchen davon eher einen kleinen Teil ausmachen. Der Konzern, benannt nach dem Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim, liefert weltweit der Kosmetik- und Pharmaindustrie zu. Unter den Herstellern von Impfflaschen gehört Gerresheimer zu den drei Großen. Ein anderer ist das Mainzer Unternehmen Schott, das sonst etwa noch Glasteile für Kochfelder oder Teleskope herstellt.

Bedarf an Impfstofffläschchen ungebrochen

Fast sieben Milliarden Fläschchen für die Corona-Impfungen werden nach Schätzungen der DZ Bank allein in diesem Jahr benötigt. Und die Nachfrage im nächsten Jahr werde wachsen, sagt Christian Kahler, Chef-Anlagestratege der DZ Bank. "Wir gehen davon aus, dass der Markt von Covid-19-Impfstoffen von aktuell 93 Milliarden US-Dollar Marktvolumen sich auf Sicht der nächsten ein bis zwei Jahre auf 200 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln wird." Bezogen auf die Impfstoffdosen werde das Wachstum bei 50 bis 60 Prozent liegen. "Die Zulieferer müssen eher Erweitungsinvestitionen tätigen, weil man gleichzeitig davon ausgehen muss, dass andere Marktbereiche vielleicht langsamer wachsen als das Impfstoffgeschäft. Das alles wird weiter an Bedeutung gewinnen", prognostiziert Kahler.

Gefragte Güter: Lipidhüllen und Labortechnik

Davon wollen nicht nur Gerresheimer und Schott profitieren, sondern auch andere Zulieferer. Zum Beispiel der Essener Konzern Evonik. Dieser liefert Lipide. Sie werden gebraucht, um die empfindliche mRNA in den entsprechenden Impfstoffen zu schützen. In kleinen Lipidhüllen gelangt die mRNA sicher in unsere Zellen, erst dort wird sie freigesetzt.

Ebenfalls wichtig für die Produktion: Labore. Die passende Ausrüstung liefert unter anderem Sartorius aus Göttingen. Dass so viele deutsche Firmen mit weltweiten Produktionsstandorte mitmischen, sei kein Zufall, sagt Alexander Nuyken, Pharmaexperte bei der Beratungsgesellschaft EY. "Die mRNA-Technologie ist in Deutschland entstanden - und so haben die Entwickler natürlich ein Ökosystem um sich herum erschaffen."

Eines fällt dennoch auf: Im Vergleich zu den Impfproduzenten wie BioNTech und Co. haben die Aktienkurse der meisten Zulieferer zwar zugelegt - aber nicht so stark wie die der Hersteller. "Die Impfzulieferer sind nicht nur Impfzulieferer, sondern sie beliefern die ganze Pharmabranche", erklärt EY-Experte Nuyken. "Andere Krankheiten sind zurück gegangen, wie Lungenkrankheiten, weil wir einfach Masken tragen und Abstand halten." Ein Aufschwung auf der einen bedeute in vielen Fällen einen Rückgang auf der anderen Seite.

Doch selbst wenn die Pandemie endet - das Coronavirus ist gekommen, um zu bleiben und wird damit auch die Zulieferer aus der Pharmabranche weiter beschäftigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2021 um 17:22 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft".