Ein ausgestelltes Auto auf der IAA Mobility | dpa

PS-starke Autos auf der IAA Zwischen Urgewalt und Unvernunft

Stand: 11.09.2021 12:04 Uhr

Auf der IAA Mobility lautet die Devise "nachhaltig und elektrisch". Die PS-Protzerei früherer Automessen scheint vorbei zu sein. Doch es gibt sie noch: die schnellen Gefährte für Geschwindigkeitsfans.

Von Stephan Lina, BR

"Speakeasy": So hießen in den USA in Zeiten der Prohibition illegale Kneipen, in denen trotz Verbots Alkohol ausgeschenkt wurde - oft in dunklen Kellerräumen. Ein ähnliches Gefühl kam bei der Präsentation des Prototypen eines kleinen bayerischen Autobauers in München auf - auch wenn es nicht um Schnaps, sondern um PS ging. In einer Tiefgarage zeigte ELegend ein Fahrzeug, dessen Design stark an den ersten Audi Quattro angelehnt ist. Vom kommenden Jahr an sollen 30 Exemplare gebaut werden, zum Stückpreis von fast 900.000 Euro plus Mehrwertsteuer.

Firmenchef Marcus Holzinger verspricht angesichts eines Elektroantriebs mit rund 800 PS hohe Leistungswerte: "Wir haben die Design-Themen aus unserem Vorbild herausgeschält und in ein futuristisches Gewand gepackt. Die Fahrleistungen sind enorm. Wir haben eine Beschleunigung von neun Sekunden auf Tempo 200 und von Null auf 100 ist in 2,5 bis 2,6 Sekunden möglich."

Auf dem Sprung in die elektrische Zukunft

Was Holzinger mit Elektroantrieben erreichen will, das schaffen die Autos von Stephan Winkelmann mit herkömmlichen Motoren. Der Chef von Lamborghini lud Kunden zu einer Party in einer schicken Hinterhof-Location in München. Dort war die aktuelle Modellpalette der italienischen Audi-Tochter zu sehen, allesamt angetrieben von PS-starken Verbrennern.

Das aber soll sich in den kommenden Jahren ändern, kündigte Winkelmann an: "Zurzeit haben wir drei Produkte: den Aventador, den Huracan und den Urus. Wir planen auch für die zweite Hälfte dieser Dekade ein viertes Modell. Und das wird das erste voll elektrische Auto sein, das Lamborghini produziert."

Für eine Marke wie Lamborghini ist das ein Spagat. Immerhin steht die Marke neben radikalem Design für hemmungslose Urgewalt und einen brüllenden Motorsound. Für Winkelmann und seine Mannschaft könnte es deshalb eine Herausforderung sein, der Kundschaft einen Elektro-Lamborghini schmackhaft zu machen. "Auf alle Fälle muss er weiterhin ein tolles Design haben", weiß Winkelmann, und fügt hinzu: "Und er muss natürlich - was die Fahreigenschaften anbelangt - besser als die jetzige Generation sein. Und das ist auch unser Versprechen für die Zukunft."

PS und E-Antrieb schließen einander nicht aus

Auf dem Messegelände selbst muss man automobile Unvernunft schon suchen. Die Neuheiten der großen Hersteller sind in diesem Jahr Fahrzeuge, bei denen es um nachhaltige Herstellung und möglichst schonende Fortbewegung geht. Echte Fan-Begeisterung sieht man deshalb an den Ständen von VW, BMW und Mercedes-Benz eher selten. Anders als in Halle B4, bei den Oldtimern und Classic Cars. Dort steht Gereon Methner als Ansprechpartner am Stand eines renommierten Händlers zwischen einem historischen Lamborghini und einem alten Jaguar. Über mangelndes Interesse kann er sich nicht beklagen.

"Ich glaube, dass Interessenten, gerade aus dem Elektrobereich, auch mal wieder richtige Autos sehen möchten", sagt er. "Und ich hoffe, dass wir da auch einige infizieren können, sodass auch die Liebe zu diesen Autos erhalten bleibt." Zumindest als Wertanlage sind viele der alten Verbrenner geschätzt. Die Preise für zahlreiche Classic Cars und Oldtimer sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

Über dieses Thema berichtete der BR in der Sendung Abendschau am 07. September 2021 um 18:00 Uhr.