Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos, r-l), Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, und Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, stehen in der Fraunhofer Forschungsfertigung Batteriezelle FFB Münster | picture alliance/dpa

Leistungsfähigere Akkus Batteriezentrum in Münster gestartet

Stand: 19.11.2021 14:13 Uhr

Um Akkus leistungsfähiger und umweltfreundlicher zu machen, ist im westfälischen Münster ein Forschungszentrum für Batteriefertigung in Betrieb gegangen. Für Bund und Länder ein Prestigeprojekt.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat in Münster ein an diesem Standort lange Zeit umstrittenes Forschungszentrum für effiziente und umweltfreundliche Akkus, etwa für E-Autos, in Betrieb genommen. Sie nannte die mit 680 Millionen Euro geförderte Anlage ein "Leuchtturmprojekt", das für "technologische Souveränität in einem wesentlichen Technologiefeld sorgen" könne.

An vielen Orten der Welt werde intensiv an leistungsfähigen Batterien etwa für Elektromobilität, Handys, Tablets und Herzschrittmacher gearbeitet. Es gehe um Knowhow und die zügige Weiterentwicklung von Prototypen, damit die deutsche und europäische Industrie mit der Konkurrenz mithalte und nicht hinterherlaufen müsse, so die Ministerin weiter. Ende 2022 soll das erste Forschungsgebäude an die Fraunhofergesellschaft übergeben werden, die die Leitung übernimmt. Nach zwei Jahren soll das Zentrum zu einem eigenen Fraunhofer-Institut werden.

Karliczek mahnt zu Tempo

Zum zurückliegenden Streit über die Vergabe des Forschungszentrums nach Münster äußerte die Ministerin sich nur indirekt. "Wenn wir in der Welt im Wettbewerb weiter mitspielen wollen, dann ist das keine Frage, wer macht das, sondern wie schnell sind wir in der Lage, diese ganzen Technologien weiterzuentwickeln", sagte sie. 2020 hatte es gegen die Vergabe nach Münster Proteste aus Bayern und Baden-Württemberg gegeben. Die Länder hatten eigene Standorte benachteiligt gesehen.

Experten zufolge ist es einfacher und effizienter, die Batterien in der Nähe von Autofabriken herzustellen. So baut Tesla neben seiner Autofabrik bei Berlin auch ein Batteriewerk. Das spart den Transport der schweren Lithium-Ionen-Batterien. Doch der Bund entschied sich für Münster. Nach Angaben der Fraunhofer Gesellschaft soll die neue Anlage zum Zentrum der Entwicklung einer modernen und skalierbaren Batteriezellproduktion für Deutschland und Europa werden. Hier werde die Infrastruktur zur Verfügung gestellt, mit der kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Großunternehmen und Forschungseinrichtungen die seriennahe Produktion neuer Batterien "erproben, umsetzen und optimieren können", heißt es in einer Mitteilung.

Mehrere Batteriefabriken in Deutschland geplant

Dank des neuen Forschungszentrums werde eine Lücke in der Wertschöpfungskette von Batterien und Akkus geschlossen. Auch trage das Projekt dazu bei, Abhängigkeiten von anderen Ländern zu vermeiden. Tatsächlich sind die meisten Fertigungsstätten von Batterien für E-Autos derzeit in Deutschland geplant. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) im Auftrag des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) könnte von den 300 bis 400 Gigawattstunden Produktionskapazität in Europa bis 2025 immerhin fast die Hälfte in Deutschland liegen. 

Unklar bleibt allerdings woher die Energie für die "Gigafabriken" in Deutschland kommen soll. Laut dem Essener Versorger e.on, der die Gigafabrik von Tesla in Grünheide ans Netz bringen soll, hat allein diese Anlage einen Energiebedarf von 100 Megawatt. Das entspricht etwa dem Bedarf einer Großstadt wie Chemnitz.

Über dieses Thema berichtete der WDR in Lokalzeit Münster am 19. November 2021 um 19:30 Uhr.

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Moderation 19.11.2021 • 23:01 Uhr

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