Hintergrund

Undatierte Satellitenaufnahme des Suezkanals

Suezkanal Das Nadelöhr der Weltwirtschaft

Stand: 16.08.2013 19:47 Uhr

Knapp 163 Kilometer lange Suezkanal ist einer der wichtigsten Wasserwege zwischen Europa und Asien. Er verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer und ist der entscheidende Korridor für Rohöl und Importwaren nach Europa. Im vergangenen Jahr brachte er Ägypten Einnahmen von 5,2 Milliarden Dollar.

Der Wasserweg gilt als eines von sieben Nadelöhren des weltweiten Seehandels, deren Blockade nach Einschätzung der US-Energiebehörde EIA eine drastische Erhöhung der Ölpreise auslösen kann. Die anderen neuralgischen Punkte sind der Panama-Kanal, die Straßen von Hormus und Malakka, der Bosporus, die Meerenge zwischen Ost- und Nordsee sowie das Bab al Mandab, das Tor der Tränen, an der Einfahrt vom Golf von Aden ins Rote Meer.

Mehr als 17.200 Schiffe im vergangenen Jahr

Allein im vergangenen Jahr passierten nach Angaben der ägyptischen Suez-Kanal-Behörde mehr als 17.200 Schiffe den Kanal. Sie transportierten Güter mit einem Gewicht von 739 Millionen Tonnen. Rohöl und raffinierte Ölprodukte machten 24 Prozent der Fracht aus. Fünf Prozent davon waren Flüssiggas.

Wegen der Unruhen in Ägypten wächst die Furcht, dass dieses Nadelöhr des Welthandels bedroht sein könnte. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent legte in den vergangenen Tagen bereits rund vier Prozent auf knapp 110 Dollar zu. Doch Experten geben zumindest für die nahe Zukunft Entwarnung. Sie schließen Anschläge auf den Suezkanal zwar nicht aus, erwarten aber, dass die Armee den Wasserweg bis auf weiteres schützen kann.

Zwei Containerschiffe verlassen den Suezkanal nahe der Stadt Suez (Archivfoto aus dem Jahr 2006).
galerie

Zwei Containerschiffe verlassen den Suezkanal - eine der wichtigsten Routen für Waren von Asien nach Europa.

"Unmittelbar sehe ich keine direkte Gefahr, denn die Machtmittel sind bislang konzentriert in der Hand des Militärs", sagt Josef Janning von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Dies könne sich allerdings ändern, wenn die Lage eskaliere. Wenn radikale Gruppen der Muslimbrüder anfingen, nach Punkten zu suchen, wo sie das Regime treffen könnten, sei der Suezkanal ein Angriffsziel. "Ich habe Zweifel, ob selbst die radikalen Fraktionen der Muslimbrüder die Mittel dazu haben", schränkt Janning ein. Ihnen fehlten schwere Waffen und das Know-How.

Verstaatlichung 1956 löst Suez-Krise aus

Der Kanal in seinem heutigen Verlauf zwischen den Hafenstädten Port Said am Mittelmeer und Suez wurde von dem Franzosen Ferdinand de Lesseps geplant. Nach Baubeginn im Jahr 1859 dauerte es zehn Jahre bis zur Eröffnung. 1956 verstaatlichte Ägypten die Wasserstraße, was die Suez-Krise auslöste. Britische, französische und israelische Truppen griffen Ägypten an. Die Auseinandersetzung endete erst, als Ägypten 40 Schiffe im Kanal versenkte und die USA, die Sowjetunion und die Vereinten Nationen einschritten.

Im Juni 1967 rückte Israel im Sechstagekrieg wieder bis zum Kanal vor. Bei den Kämpfen wurde dieser stark beschädigt und erst 1975 nach dem Jom-Kippur-Krieg wieder eröffnet.

Quelle: Reuters

Anm. d. Red.: Im Text war zunächst von 739.000 Tonnen Güter/Jahr die Rede. Die korrekte Zahl ist aber 739 Millionen Tonnen (Quelle: http://www.suezcanal.gov.eg). Vielen Dank für die Hinweise - wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Darstellung: