Fragen und Antworten

Banca Popolare di Milano

Fragen und Antworten Was kommt nach dem Stresstest?

Stand: 26.10.2014 13:24 Uhr

25 europäische Banken sind durch den EZB-Stresstest gerasselt - 13 von ihnen gelten sogar als gefährdet. Was kommt nun auf die Durchfaller zu? Müssen Banken abgewickelt werden? Und ist das Finanzsystem nun sicherer als zuvor?

Alles ausklappen

Von Heinz-Roger Dohms, tagesschau.de

Welche Banken sind durchgefallen?

Insgesamt sind zwar 25 Banken durchgefallen - allerdings hatten zwölf davon (darunter die Münchener Hypothekenbank) ihr Eigenkapital schon ausreichend gestärkt, während der Test noch lief. Bei den 13 Durchfallern im engeren Sinne handelt es sich um die Eurobank und die National Bank aus Griechenland, die Hellenic Bank aus Zypern, die französisch-belgische Dexia, die östereichische ÖVAG, die irische Permanent TSB, die Banco Comercial aus Portugal, die Nova Ljubljanska Banka und Nova Kreditna Bank Maribor aus Slowenien sowie die vier italienischen Banken Monte dei Paschi di Siena, Banca Carige, Banca Popolare di Milano und Banco Popolare di Vicenza.

Die Zentrale der ältesten Bank der Welt,  Monte dei Paschi di Siena
galerie

Die Monte dei Paschi di Siena gilt als älteste Bank der Welt. Das schützte sie allerdings nicht davor, beim Stresstest durchzufallen.

Wie haben die deutschen Banken abgeschnitten?

Logo der HSH Nordbank
galerie

Die HSH hat den Test bestanden, wenn auch nur knapp.

Die deutschen Institute haben sich als vergleichsweise widerstandsfähig entpuppt. Nur die eher unbedeutende Münchener Hypothekenbank fiel durch. Allerdings hatte sie ihr Eigenkapital zwischenzeitlich bereits aufgebessert. Die Deutsche Bank bestand den Test locker - und das, obwohl die im Juni durchgeführte Kapitalerhöhung noch gar nicht berücksichtigt wurde, weil die Resultate auf den Bilanzen von Ende 2013 beruhen. Selbst im Krisenfall käme die Deutsche Bank noch auf eine Kernkapitalquote von 8,8 Prozent. Gefordert hatte die EZB lediglich 5,5 Prozent (die Kernkapitalquote bemisst, wie viel eigenes Geld eine Bank in Relation zu ihren Risiken besitzt). Ähnlich deutlich bestand die Commerzbank den Check. Deutlich knapper war es zum Beispiel bei der HSH Nordbank oder der genossenschaftlichen DZ Bank.

Was sind die nächsten Schritte?

Am 4. November übernimmt die Europäische Zentralbank die Aufsicht über die europäischen Großbanken. Bis zum 9. November müssen die 13 Banken, die den Stresstest nicht bestanden haben, der EZB einen Plan vorlegen, wie sie sich krisenfest machen wollen.

Was kommt auf die Durchfaller zu?

Akzeptiert die EZB die Sanierungspläne, bekommen die 13 gescheiterten Banken sechs bis neun Monate Zeit, die Pläne abzuarbeiten. Dabei geht es im wesentlichen darum, die sogenannte Eigenkapitalquote aufzubessern - also die Risiken, die durch faule Kredite und Wertpapiere entstehen, mit einer größeren Menge eigenem Kapital zu unterlegen. Prinzipiell gibt es dazu vier Möglichkeiten.

  • Die Banken können können Kredite und Wertpapiere verkaufen, um mit derselben Menge Eigenkapital künftig weniger Risiken abzusichern.

  • Sie können versuchen, sich von ihren Investoren im Zuge einer Kapitalerhöhung frisches Geld zu besorgen.

  • Sofern die Banken Gewinne machen, können sie das Geld einbehalten, statt es an die Anteilseigner auszuschütten.

  • Die jeweiligen Regierungen springen einer Bank mit neuem Kapital bei - was aber eigentlich vermieden werden soll.

Können die Durchfaller das schaffen?

Prinzipiell ja. Allerdings ist die Frage, wie deutlich die Banken die Ziele verfehlt haben. Die EZB stellte im Stresstest zwei Szenarien auf - einmal den eines positiven Konjunkturverlaufs, zweitens den eines Wirtschaftsschocks. Für jene Institute, die selbst im Falle eines Aufschwungs Probleme mit ihrem Eigenkapital bekommen, dürfte es schwer werden, Investoren zu überzeugen, weiteres Geld in die Bank zu schießen. Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht für jene Durchfaller, die nicht an der Börse notiert sind. Denn sie können sich ihr frisches Kapital nicht einfach über die Emission neuer Aktien besorgen.

Was passiert im Extremfall?

Gelingt es den gescheiterten Banken nicht, ihr Eigenkapital aus eigener Kraft aufzupolstern, bleiben nur zwei Auswege. Entweder der Staat springt mit Steuermitteln ein - oder die Institute werden abgewickelt, so wie es zuletzt in Deutschland mit der WestLB geschah.

Monopolkommission: Bund soll Anteile an Commerzbank verkaufen
galerie

Auch sie galt ursprünglich als Wackelkandidat, hat den Test aber bestanden: die Commerzbank.

Wird der Stresstest das Finanzsystem sicherer machen?

Vermutlich schon. Denn wenn die Banken mehr Eigenkapital halten, können sie Verluste leichter abfedern. Übrigens zwingt der Stresstest nicht nur die Durchfaller, ihre Kapitalbasis stärken. Aus Angst, den Test nicht zu bestehen, hatten viele Banken ihre Kapital zuletzt bereits erhöht - gewissermaßen in vorauseilendem Gehorsam. Die US-Bank Morgan Stanley schätzt, dass allein dadurch zusätzliche 47 Milliarden Euro in den Bankensektor der Eurozone geflossen sind.

Dass die Banken künftig sicherer sein dürften, heißt freilich nicht, das sie auch sicher sind. Manche Experten finden die Kriterien, die die EZB anlegte, viel zu lasch. Und ungute Erinnerungen weckt auch ein ähnlicher Stresstest, den die Europäische Bankenaufsicht EBA 2010 durchführte. Den bestanden nämlich auch jene irischen Banken, die nur wenige Monate später in Schieflage gerieten.

Wie werden die Börsen auf das Testergebnis reagieren?

Schwer zu sagen. Auf der einen Seite kommt das Ergebnis nicht überraschend. Denn schon Ende vergangener Woche hatten Wirtschaftsmedien berichtet, dass vermutlich 25 Banken durchgefallen seien. Auf der anderen Seite werden die Investoren aber nicht nur darauf achten, wie viele Banken durchgefallen sind. Es könnte zum Beispiel sein, dass Banken den Test weniger deutlich bestanden haben als erwartet - auch weil sich die EZB an den Bilanzierungsmethoden einiger Institute stört und Änderungen verlangt.

Darstellung: