Ioannis Stournaras soll neuer griechischer Finanzminister werden

Ioannis Stournaras soll Amt übernehmen Ökonomieprofessor neuer griechischer Finanzminister

Stand: 26.06.2012 15:49 Uhr

Der Ökonomieprofessor Ioannis Stournaras soll neuer Finanzminister in Griechenland werden. Das teilte das Büro von Ministerpräsident Antonis Samaras mit. Der 55-jährige Wirtschaftsexperte von der Universität Athen fordert seit Jahren Reformen und eine Verschlankung des Staates. Dies sei der einzige Ausweg aus der schlimmsten Krise in der jüngeren Geschichte des Landes. "Wir haben einen holprigen Weg vor uns. Wir müssen regelrecht Mauern von etablierten Kreisen und Denkweisen durchbrechen, die die Reformen nicht wollen", sagte Stournaras laut TV-Berichten.

Ioannis Stournaras soll neuer griechischer Finanzminister werden

Ioannis Stournaras soll neuer griechischer Finanzminister werden.

Stournaras war in den vergangenen Wochen Wirtschaftsminister der Interimsregierung, die Griechenland zu den Wahlen am 17. Juni führte. Er gilt als vehementer Verfechter eines Verbleibs Griechenlands in der Eurozone. Bereits vor seiner Ernennung sprach er sich für eine "teilweise Neuverhandlung" der mit den internationalen Geldgebern ausgehandelten Bedingungen für die Hilfen in Milliardenhöhe aus, die Athen vor dem Staatsbankrott retten sollen.

Schon bei den Beitrittsverhandlungen dabei

Schon bei den Verhandlungen über einen Beitritt Griechenlands in die Eurozone spielte Stournaras eine Rolle. Von 1994 bis 2000 war der Oxford-Absolvent Vorsitzender des Wirtschaftsberatergremiums im Finanzministerium, wo der 2001 vollzogene Beitritt vorbereitet wurde. Für diesen Beitritt zur Eurozone hatte Athen in Brüssel gefälschte Zahlen präsentiert. In den Jahren 2000 bis 2004 leitete Stournaras die Emporiki-Bank, bevor diese vom französischen Institut Crédit Agricole übernommen wurde. Während dieser Zeit war er auch Vizepräsident der Union griechischer Banken. Stournaras arbeitete außerdem für die Bank of Greece.

Heute ist der Experte für Makroökonomie und europäische Fragen Wirtschaftsprofessor an der Universität von Athen und Chef des Forschungsinstituts der griechischen Arbeitgeber. Das größte Problem der griechischen Wirtschaft ist seiner Ansicht nach das Liquiditätsproblem der Unternehmen. Durch eine teilweise Neuverhandlung der internationalen Bedingungen will er mehr Geld für Wachstumsanreize freisetzen.

Spekulationen über Rückzugsgründe von Kandidat Nummer Eins

Allerdings war Stournaras nur zweite Wahl: Der in der vergangenen Woche benannte Finanzminister Vassilis Rapanos zog sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. In griechischen Zeitungen wird allerdings auch darüber spekuliert, ob der Rückzug des 65-Jährigen auch andere Gründe gehabt haben könnte. Tatsächlich habe Rapanos aufgrund von Unstimmigkeiten mit Samaras das Amt nicht übernehmen wollen, heißt es in verschiedenen Berichten. So habe Rapanos die Besetzung anderer Ministerposten mit Vertretern der Nea Dimokratia kritisiert und stattdessen Technokraten verlangt. Zudem sei die Wahl seines Stellvertreters nicht genehmigt worden. Und nicht zuletzt sei Rapanos über die von der Regierung angestrebte radikale Neuverhandlung der Sparauflagen "alarmiert" gewesen. Doch damit muss sich Rapanos nicht mehr herumschlagen - dies übernimmt nun Stournaras.

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KOMMENTARE

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rex3 26.06.2012 • 23:58 Uhr

Wer kann denn mit Geld umgehen? Banker oder Politiker?

@Tiefstapler "2000 griechischen Familien gehört 80% des gesamten griechischen Vermögens. Diese bezahlen nicht einen Euro für die griechische Krise." Was heißt das, sind die auch von der Mehrwertsteuer und der Mineralölsteuer befreit? "Aber die Rentner und kleinen Angestellten dort sowie Arbeitslose sollen blechen!" In wie weit blechen die denn wirklich, oder bekommen die nur weniger vom Staat? @Tango_Korrupti "Bald regieren weltweit nur noch die Bankenchefs!" Vielleicht wäre das gar nicht schlecht. Jedenfalls solange bis die Staaten ihre Finanzen wieder im Griff haben. Die üblichen Politiker scheinen da wenig bis gar keine Ambitionen oder gar Fähigkeiten in dieser Richtung zu besitzen. Schließlich waren es ja nicht die Banken, auch wenn das gelegentlich mal einer behauptet, die den Staaten die Schulden aufgedrückt haben, sondern Politiker die permanent Wahlgeschenke an das immer mehr fordernde Volk verteilt haben.