Spanische Euro-Münze

Rezession und hohe Zinsen für Anleihen Spanien ist "voll zurück im Krisenmodus"

Stand: 16.04.2012 14:41 Uhr

Die Alarmsignale für die Eurozone aus Madrid häufen sich. Das Vertrauen an den Märkten, dass die Regierung in Madrid das Ruder noch herumreißen kann, schwindet weiter. Zumal die Regierung selbst negative Entwicklungen einräumen muss. So ist die spanische Wirtschaft nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Luis de Guindos zu Jahresbeginn erneut geschrumpft und steckt damit zum zweiten Mal seit 2009 in einer Rezession. "Das erste Quartal dürfte genauso ausgefallen sein wie das letzte Quartal des vergangenen Jahres", sagte de Guindos in einem Interview mit der Tageszeitung "El Mundo".

Im Schlussvierteljahr 2011 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent gesunken. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von einer Rezession gesprochen. Vor wenigen Wochen habe er aber mit einem noch viel deutlicheren Rückgang gerechnet, sagte der Minister. Um die Konjunktur anzukurbeln, will die Regierung mittelständischen Unternehmen einen besseren Zugang zu Krediten verschaffen.

Baustelle in Madrid

Schrumpfende Wirtschaft, Rezession: Die Konjunkturaussichten für Spanien sind trübe.

Hohes Misstrauen, hohe Zinsen

Doch auch für die Regierung wird es immer teurer, Kapital aufzunehmen. Das Misstrauen der Investoren ist angesichts der Probleme im spanischen Bankensektor und der schwachen Konjunktur weiter gestiegen. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen stiegen zum ersten Mal in diesem Jahr über die kritische Marke von sechs Prozent. Sie legten um 0,13 Punkte auf 6,12 Prozent zu.

Viele Experten halten ein Niveau von mehr als sechs Prozent für langfristig nicht tragbar. Griechenland, Irland und Portugal mussten bei einem Niveau von mehr als sieben Prozent in die Arme von EU und Internationalem Währungsfonds flüchten, weil sie nicht mehr genügend private Geldgeber fanden.

Die Kosten von Kreditausfallversicherungen für spanische Staatsanleihen kletterten sogar auf ein Rekordhoch: Um Bonds mit fünfjähriger Laufzeit im Wert von zehn Millionen Dollar vor einem Verlust zu schützen, wird eine jährliche Versicherungssumme von 520.000 Dollar verlangt.

Zuspruch aus Brüssel

"Wir sind voll zurück im Krisenmodus", sagte Rabobank-Analyst Ly Graham-Taylor. "Es sieht immer mehr danach aus, als ob Spanien irgendeine Art von Rettung braucht." Ausgelöst wurde der Zinsanstieg von anhaltenden Sorgen um die spanischen Banken. Sie liehen sich im März 316 Milliarden Euro von der Europäischen Zentralbank (EZB) - rund doppelt so viel wie im Februar. Viele Geldhäuser des Landes leiden unter den Folgen der in den vergangenen Jahren geplatzten Immobilienblase.

Spanische Euro-Münze

Für das angeschlagene Euroland wird es immer teurer, sich Geld zu leihen.

Psychologisch wichtigen Zuspruch bekam das angeschlagene Euroland aus Brüssel. Er vertraue in die Finanzkraft des Landes, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. "Ich bin absolut überzeugt davon, dass Spanien in der Lage sein wird, die Herausforderungen zu meistern".

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KOMMENTARE

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Jon Do 16.04.2012 • 22:29 Uhr

Der Sündenfall war Griechenland... jetzt ist Spanien dran...

... und Portugal, und Italien, und das war's dann endgültig. Denn nach der griech. Zwangsumschuldung wird kein Mensch mit gesundem Verstand noch Spanische (oder Portugiesische) Staatsanleien kaufen. Diese Länder gehen genau den gleichen Weg, mit dem gleichen Ende. Wer da noch Anleihen kauft, ist endweder blind oder Politiker. Wie sich am Beispiel Griechenland gezeigt hat, lohnt es sich dagegen, auf die Staatspleite zu wetten, und KreditAUSFALLVERSICHERUNGEN (CDS) zu kaufen. Die Auslösung derselben im Fall Griechenland bei der Zwangsumschuldung war der Sündenfall, und die größte Dummheit, da es vermeidbar war (86% der Gläubiger hatten sowieso schon freiwillig zugestimmt). Also wird es in Spanien und Portugal krachen. Ich bin gespannt, ob Merkel oder die EZB das Scheckbuch aufmachen, und den ganzen Ramsch aufkaufen. Auf Kosten der zukünftigen Generationen, und auf Kosten derjenigen, die sich etwas erspart haben, das dann durch Inflation verloren geht. Der Euro war ein Fehler.