Rezession und Rekordarbeitslosigkeit im Euro-Staat Spanier müssen sich auf weitere Einschnitte einstellen

Stand: 30.04.2012 21:28 Uhr

Die Krise und ihre Folgen setzen dem Euro-Sorgenkind Spanien trotz der drastischen Sparpolitik der Regierung unvermindert zu.

Arbeitslose stehen in Madrid in einer langen Schlange vor einem Jobcenter. (Archivbild 2011)
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Die anhaltende Wirtschaftskrise hat zu einer Rekordarbeitslosigkeit geführt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte in den ersten drei Monaten des Jahres zum Vorquartal um 0,3 Prozent, wie aus Daten des Statistikamtes hervorgeht. Experten hatten mit einem Minus von 0,4 Prozent gerechnet. Da Spaniens Wirtschaft nunmehr seit zwei Quartalen in Folge unter die Wachstumsschwelle gefallen ist, sprechen Ökonomen von einer technischen Rezession.

Die Arbeitslosigkeit liegt derzeit bei 24,4 Prozent - und damit so hoch wie noch nie seit dem Beginn der statistischen Aufzeichnungen in ihrer heutigen Form im Jahr 1996. Die Nachfrage im Inland ist daher entsprechend niedrig, die Exportwirtschaft kann dies nicht ausgleichen.

Rating von elf Banken herabgestuft

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte zudem die Kreditwürdigkeit von elf spanischen Banken herab. Darunter waren auch die Großbanken Santander und BBVA. S&P betonte, die Herabstufung spanischer Banken sei eine Folge der in der vergangenen Woche bekanntgegebenen skeptischeren Bewertung der Bonität Spaniens.

Regierung erwägt nun doch Einrichtung von "Bad Bank"

Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos bei einer Pressekonferenz
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Wirtschaftsminister de Guindos will Staatsleistungen privatisieren.

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos bestätigte Medienberichte, wonach die Regierung zur Sanierung der Banken über eine mögliche Auslagerung von Schrottpapieren des heimischen Finanzsektors diskutiert. Bis vor vurzem hatten Regierungsvertreter der Gründung einer "Bad Bank" noch eine Absage erteilt.

De Guindos kündigte zudem die Privatisierung einiger Dienstleistungen im öffentlichen Transportsektor an. Zugleich erklärte der Minister, Spanien habe nicht vor, für den Bankensektor internationale Hilfen anzufordern.

Spaniens Banken leiden unter dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts und gelten derzeit als einer der größten Problemfälle innerhalb der europäischen Schuldenkrise. Der Sektor ist geprägt von den beiden Großbanken sowie zahlreichen kleineren Instituten, die größtenteils regional tätig sind. Zudem hat das Land einen großen Sparkassensektor. Von den vielen Sparkassen mussten in der Schuldenkrise bereits einige Institute vom Staat gerettet werden.

Schäuble sieht Spanien auf einem guten Weg

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble appellierte an die Madrider Regierung, an ihrer Sparpolitik festzuhalten. Das Vertrauen der Märkte könne nicht von einem Tag auf den anderen zurückgewonnen werden, betonte der Minister auf einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Die Reformen, die die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy eingeleitet habe, seien beeindruckend.

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