Euro-Münze vor Länder-Silhouette Spaniens

Nach der Bitte um EU-Kredite Spaniens Kredite werden immer teurer

Stand: 26.06.2012 15:07 Uhr

In der Schuldenkrise gerät Spanien kurz vor dem EU-Gipfel immer tiefer in Finanznöte. Das kriselnde Land musste den Investoren die höchsten Zinsen seit mehr als einem halben Jahr für seine Staatsanleihen bieten.

Bei der ersten Auktion nach dem Rettungsantrag Spaniens für den maroden Bankensektor verdreifachten sich die Renditen für Dreimonatspapiere nahezu im Vergleich zur Auktion im Mai, die für sechsmonatige Papiere verdoppelten sich fast. Die spanische Staatskasse nahm mit 3,1 Milliarden Euro etwas mehr ein als geplant - und die Nachfrage war groß. Die höheren Zinsen sind aber ein deutliches Zeichen dafür, dass die Investoren Angst haben, die Regierung in Madrid könnte sich trotz der internationalen Gelder mit der Unterstützung des Bankensektors überheben.

Spanien musste deshalb für die Kredite mit einer Laufzeit von drei Monaten 2,36 Prozent Zinsen anbieten. Die Kosten für sechsmonatige Anleihen lagen 3,24 Prozent.

Details des Rettungsantrags noch immer unklar

Spanien hatte den seit längerem erwarteten Rettungsantrag Anfang der Woche offiziell in Brüssel eingereicht, ohne allerdings eine genaue Summe zu nennen. Private Wirtschaftsprüfer hatten eine Kapitallücke von maximal 62 Milliarden Euro ermittelt. Rasche Klarheit ist jedoch nicht zu erwarten: Die Verhandlungen zum Rettungspaket werden nach den Worten von Wirtschaftsminister Luis de Guindos einige Zeit in Anspruch nehmen.

Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos

Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos rechnet mit längeren Verhandkungen.

Nach dem Hilfsantrag hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von 28 spanischen Banken teilweise drastisch herabgestuft. Moody's begründete den Schritt mit der gesunkenen Bonität Spaniens, die von der Agentur erst kürzlich ebenfalls kräftig heruntergestuft wurde. Zudem drohten den Banken höhere Verluste aus der schweren Immobilienkrise in dem Land.

Auch Italien muss tief in die Tasche greifen

Auch Italien tat sich bei einer Auktion von Anleihen schwer. Die zu zahlenden Renditen legten spürbar zu, allerdings nicht ganz so kräftig wie in Spanien. Italien gelang es, fast so viel Geld wie gewünscht einzusammeln. So brachte eine Anleihe, die keine festen Zinszahlungen vorsieht und 2014 fällig wird, knapp drei Milliarden Euro ein und rentierte mit 4,712 Prozent. Ende Mai hatte Italien mit 4,04 Prozent aber noch deutlich weniger Rendite bieten müssen. Zum Vergleich: Deutschland kann sich für zwei Jahre derzeit fast zum Nulltarif refinanzieren.

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KOMMENTARE

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Walter Meingott 26.06.2012 • 21:40 Uhr

Im Grunde genommen leidet

Im Grunde genommen leidet Spanien noch immer unter demselben Übel, welches Carl von Clausewitz einst feststellte: „Bei dem erstern ist es hauptsächlich die Schwäche, die gänzliche Abspannung der Regierung, welche seit vielen Jahren unaufhörlich auf die Nation einwirken, die Würde derselben, den edlen Stolz, als Repräsentanten ihrer ehemaligen Kraft, nicht vernichten, aber in Trägheit und des Lasters unnatürliche Verbindung fesseln konnten.“ Sollte die spanische Regierung jedoch ernsten inneren Wirren entgehen wollen, so muß sie die Verelendung des Volkes stoppen; indem die Räumungsklagen ausgesetzt, Obdachlose in ungenutzten Wohnungen unterbracht und natürlich die Armen hinreichend mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern versorgt werden; und anschließend muß sich das Land volkswirtschaftlich selbstständig machen und eine lange Durststrecke hinter sich bringen, da es im Außenhandel wenig zu gewinnen gibt. Andernfalls drohen schlimme Wirren bis hin zu einem erneuten Bürgerkrieg.