Kuscheltiere | dpa

Warnung vor "Smart Toys" Wenn der Teddy mithört

Stand: 02.12.2020 15:30 Uhr

Vernetzte Roboter und Puppen mit Mikrofonen sprechen mit ihren kleinen Besitzern - oder horchen sie dabei aus. Die Bundesnetzagentur rät bei "smarten" Weihnachtsgeschenken zur Vorsicht.

Von Philipp Wundersee, WDR

Kleine Rennwagen, ein Holzpuzzle mit Tieren, ein bunter Stapelturm. Das kleine Reich von Lisa Berents ist ein Traum für jedes Kind. Gerade räumt die Kölnerin in ihrem Laden "Spielwerk" neue Spielwaren für das Weihnachtsgeschäft ein. Ob bunte Malstifte, Beißringe für Babys oder Dino-Skelette für die Großen - es brummt in ihrem Laden. "Die Leute beginnen, ihre Besorgungen für Weihnachten zu machen und wühlen sich durch unser Sortiment", sagt Berents. Neben einem Regal mit Babykleidung finden sich Vorlesebücher, Kuscheltiere und kleine Traktoren.

Philipp Wundersee

Nur smartes Spielzeug kommt nicht in ihren Laden. "Smart Toys finde ich unglücklich, weil die Kinder dabei verlernen, selbst zu denken, kreativ zu sein und sich Lösungen zu überlegen", so Berents. Puppen mit Mikrofonen, Bären mit Kameras und andere "intelligente" Spielzeuge seien zu riskant wegen eines eines möglichen Fremdzugriffs. "Das ist super gefährlich, denn die Kinder können bis zu einem gewissen Alter nicht einschätzen, wer da aus dem Spielzeug zu ihnen spricht. Auch die Vorstellung, dass da jemand noch mit reinguckt in das Kinderzimmer, die finde ich ganz gruselig."

Spielzeug verletzt Privatsphäre

Die Bundesnetzagentur warnt genau davor in der Vorweihnachtszeit: Intelligentes Spielzeug oder vernetzte Alltagsgegenstände seien mit Vorsicht zu genießen, da sie die Privatsphäre häufig verletzten. "Smarte Spielzeuge sehen oft harmlos aus. Sobald sie jedoch unbemerkt Ton oder Bild aufnehmen und diese Daten weitersenden können, sind sie verboten”, sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Es lohnt sich, Smart Toys auf dem Wunschzettel kritisch zu prüfen und die Produktbeschreibung genau zu lesen."

Außerdem sollten die Datenschutzbestimmungen der dazugehörigen Apps genau geprüft werden, bevor man den Weihnachtskauf tätigt. Spielwarenhändlerin Berents sieht da eine große Hürde für die Eltern: "Das müsste eigentlich viel deutlicher kommuniziert werden, was man da eingeht, wenn man sich so ein smartes Spielzeug anschafft", sagt die Ladenbesitzerin. Die Gefahr sei da, dass das Spielzeug von vielen Eltern unwissend verschenkt werde.

Warnung vor bestimmten Produkten

In Deutschland erlaubt ist Spielzeug, das zum Beispiel die Fragen eines Kindes beantwortet, ohne dafür eine Internetverbindung aufzubauen und Daten an den Hersteller zu schicken. Bundesnetzagentur-Präsident Homann rät: "Kaufen Sie Spielzeuge, bei denen Sie Mikrofon und Kamera aktiv anschalten und ausschalten können. Schalten Sie diese Funktionen nur ein, wenn Sie sie nutzen." Ansonsten könnten beim Hersteller im Zweifel Gesprächsaufzeichnungen landen, die dort nichts zu suchen hätten. Man sollte keine ungesicherte Bluetooth-Verbindung nutzen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten außerdem darauf achten, ob ein Gegenstand über eine funkfähige Kamera oder ein Mikrofon verfügt.

Aufzeichnungen für Werbezwecke

Sonst läuft man im Zweifel Gefahr, ein solches Spielzeug später zerstören zu müssen, um sich nicht strafbar in Deutschland zu machen. Dies ist schon passiert, zum Beispiel bei der Puppe "My Friend Cayla". Die Bundesnetzagentur hatte Eltern geraten, das vernetzte Spielzeug zu entsorgen und im Zweifel einen Vernichtungsnachweis an die Behörde zu schicken. Die Puppe verfügt nämlich über ein Mikrofon und einen Lautsprecher und kommuniziert über Bluetooth mit einer Smartphone-App. Die aufgezeichneten Sprachbefehle wurden auf externen Servern gespeichert und zu Werbezwecken genutzt, so die Behörde. Es sei denkbar, dass sich Unbefugte Zugriff auf die Mikrofone der Spielzeuge verschaffen.

Was bei rein analogen Spielzeugen nicht passieren kann. Manchmal seien einfachste Dinge wie Bauklötze das Tollste für die Kinder, sagt die Kölner Spielwarenhändlerin Berents. Das werde heute häufiger vergessen mit Blick auf die elektronischen und smarten Alleskönner in den Spielzeugregalen.