Osterhasen aus Schokolade  | dpa

Bilanz des Ostergeschäfts Flaute in der Schoko-Branche

Stand: 11.04.2021 17:08 Uhr

In der Pandemie greifen die Deutschen gerne zu Süßem, so Ernährungsforscher. Doch die Schokoladenindustrie kann davon kaum profitieren. Auch das wichtige Ostergeschäft fiel ziemlich mau aus.

Von Klaus-Rainer Jackisch, HR

Schoko-Osterhasen sind in diesem Jahr seltener in den Osterkörbchen gelandet als sonst. Das Geschäft lief wegen der Coronavirus-Pandemie eher schleppend. Schon im Vorfeld hatte die Branche die Stückzahlen heruntergefahren, um nicht wie im Vorjahr auf Ladenhütern sitzen zu bleiben oder sie zu Dumping-Preisen zu verscherbeln. Doch insgesamt "war das Ostergeschäft sehr durchwachsen", zieht Solveig Schneider, Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie in Bonn, eine vorläufige Bilanz.

Klaus-Rainer Jackisch

Ostern wichtiger als Weihnachten

Gut 215 Millionen Schokohasen, verpackt in buntem Stanniol und immer ein Lächeln auf der Schnauze, produzierten die deutschen Hersteller in dieser Saison, davon gut die Hälfte für den Export. Das waren weit mehr als die rund 150 Millionen Weihnachtsmänner, die für den Winter von den Bändern rollten. Denn schon seit einigen Jahren ist das Ostergeschäft für die Branche wichtiger als die Weihnachtssaison. Obwohl in Corona-Zeiten mehr genascht wird und die Deutschen im Durchschnitt mindestens ein Kilogramm mehr auf den Rippen haben, läuft das komplizierte Schokoladen-Geschäft in vielen Bereichen derzeit nicht rund.

Sinkende Umsätze

Während der Lebensmittelhandel wenig Probleme hatte, Schoko-Osterartikel unter die Leute zu bringen und es teilweise sogar Engpässe gab - ausgelöst durch das Hickhack um die geplante und dann wieder abgesagte Osterruhe, die manche zu Hamsterkäufen veranlasste -, sah es beim Verkauf über die wichtigen Verkaufsflächen in Warenhäusern ganz anders aus. "Unsere Unternehmen sitzen auf der bestellten Ware und werden sie nicht los", klagte Süßwaren-Verbandspräsident Bastian Fassin schon vor dem Ostergeschäft.

Die Schoko-Flaute spiegelt sich auch in den Büchern der Hersteller wider. So konnte sich der erfolgsverwöhnte und seit Jahren wachsende Schweizer Traditions-Konzern Lindt & Sprüngli mit wichtigem Standbein in Deutschland im vergangenen Jahr zwar wacker durch die Krise schlagen. Doch die wegen der Pandemie erzwungene Schließung vieler Lindt-Stores hinterließ deutliche Spuren in der Bilanz. Auch bei Ritter Sport, deren quadratische Schokolade in Normalzeiten in fast jedem Land der Erde zu finden ist, ging der Umsatz wegen der Pandemie zum zweiten Mal in Folge zurück. Wesentlich schlimmer traf es die Fachhändler - etwa die Deutsche Confiserie Holding, hinter der sich die rund 300 Geschäfte von Hussel, Arko und Eilles verbergen. Wegen der Konsumenten-Flaute musste das Unternehmen mit rund 1600 Beschäftigten Anfang des Jahres Insolvenz anmelden. 

Verbraucher wenig experimentierfreudig

Sehr bitter für die Branche war auch der Ausfall der Internationalen Süßwarenmesse in Köln in diesem Jahr - bislang einmalig in der 50-jährigen Geschichte der weltweit größten Fachmesse ihrer Art. Denn die Schoko-Branche lebt von Innovationen. Gerade die deutschen Hersteller sind da überaus erfinderisch und spielen auch deshalb eine so wichtige Rolle auf dem Weltmarkt. "Neue Produkte müssen Sie aber auch mal anfassen und probieren - das geht digital nicht", so Branchen-Fachfrau Schneider. Marktforscher haben ermittelt, dass sich die Kundinnen und Kunden in Pandemie-Zeiten auf traditionelle Produkte konzentrieren, wenn sie im Corona-Stress abends durch den Discounter huschen, um schnell das Notwendigste einzukaufen. Lange vor dem Regal stehen und etwas ausprobieren fällt da eher flach. Zumal der Einzelhandel derzeit ohnehin lieber Klopapier und Nudeln als neue Schokoladen-Kreationen im Display hat.

Stark setzt der Branche auch die Schließung von Hotels und Gaststätten zu - die Nachfrage nach Kakao und Schoko-Leckerlies ist deutlich eingebrochen. Und dann sind da auch noch die Schoko-Riegel und Mini-Snacks, die man am Bahnhofskiosk oder kurz vor dem Abflug noch so mitgehen lässt. Auch hier ist der Umsatz wegen der Reise-Flaute deutlich rückläufig. Das spüren auch die Gebrüder Heinemann, Marktführer bei Deutschlands Duty-Free-Shops, und hierzulande auf fast jedem Flughafen vertreten. Man habe ja schon viele Krisen erlebt, so Vorstandsvorsitzender Max Heinemann im "Handelsblatt". Doch "die Ausmaße dieser Pandemie sind bisher unvergleichbar." Der Schokoladenumsatz des Hamburger Handelshauses in Deutschland brach im vergangenen Jahr um knapp 80 Prozent ein.

Chips und Nüsse eher gefragt

Fragt sich, wo die Pfunde herkommen, die die Bundesbürger mit sich herumschleppen. Von der Schokolade wohl eher nicht, sagt der Süßwaren-Verband - sondern von Chips, Flips, Salzstangen und anderem Knabber-Gebäck. Das verkauft sich in der Krise besonders gut, ebenso wie Nüsse und Studentenfutter, die im Home-Office begehrt sind. All diese Sparten verzeichnen deutliche Umsatz-Zuwächse.

Freud und Leid in der Süßwaren-Industrie liegen also dicht beieinander. Und was passiert mit den liegen gebliebenen Schoko-Osterhasen? Entgegen landläufiger Meinung werden sie nicht wieder eingeschmolzen, um zum Weihnachtsmann zu mutieren. Darauf legt die Branche größten Wert. Stattdessen würden sie an Hilfsorganisationen gespendet.