Strommast neben dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
Hintergrund

Die Kehrtwenden in der Atompolitik Wie lange bleibt welches AKW noch am Netz?

Stand: 30.05.2011 12:23 Uhr

2001 hatte Rot-Grün den Atomausstieg beschlossen. Seitdem gab es zwei radikale Wenden in der Atompolitik - vollzogen von Schwarz-Gelb: 2010 wurden die Laufzeiten massiv verlängert. 2011 kam Fukushima - nun soll der Ausstieg schnell gehen. tagesschau.de gibt einen Überblick, wie sich die Laufzeiten der einzelnen AKW jeweils verändert haben.

Der Atomausstieg von Rot-Grün

Im Rahmen des von Rot-Grün mit der Atomwirtschaft ausgehandelten Atomausstiegs waren 2001 für alle Meiler Reststrommengen festgelegt worden. Prinzipiell galt dabei: Sobald das einzelne Kraftwerk die zugeteilte Strommenge erzeugt hat, darf es nicht mehr weiter betrieben werden. Aus der regulären Leistung der Kraftwerke wurde die jeweilige Restlaufzeit errechnet, die in der Tabelle vermerkt ist. Für den genauen Termin war aber von Bedeutung, wieviel Strom ein Kraftwerk tatsächlich im Jahr produziert und ins Netz einspeist. Der Stillstand eines Kraftwerks - etwa nach einer Panne - hätte die Laufzeit verlängert. Zudem bestand die Möglichkeit, Reststrommengen eines Kraftwerks auf ein anderes zu übertragen.

Die Verlängerung durch Schwarz-Gelb

Mit der schwarz-gelben Novelle des Atomgesetzes vom Herbst 2010 wurden die Reststrommengen erhöht. Die Atomkraftwerke durften demnach zwischen acht (für die sieben älteren Reaktoren) und 14 Jahren länger am Netz bleiben.

Die Kehrtwende nach Fukushima

Als Reaktion auf den Super-GAU von Fukushima beschloss die schwarz-gelbe Bundesregierung im März 2011, die Verlängerung der Laufzeiten für drei Monate auszusetzen. Für den Zeitraum dieses Moratoriums sollten die sieben ältesten Reaktoren und der ohnehin abgeschaltete Pannen-Reaktor Krümmel vom Netz gehen bzw. bleiben. Rund zwei Monate später einigte sich die Koalition dann auf ein Datum für den endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft. Der Großteil der AKW soll demnach bis 2021 vom Netz gehen, die drei neuesten Meiler sollen bis 2022 laufen dürfen. Die acht im März vom Netz genommenen Reaktoren sollen vom Netz bleiben.

Restlaufzeiten der deutschen AKW (Stand: 30.05.2011)
Atomkraftwerk Nennleistung in Megawatt* Abschaltung laut Rot-Grün** Verlängerte Laufzeit durch Schwarz-Gelb Neue Pläne nach Fukushima-GAU***
BADEN-WÜRTTEMBERG
Neckarwestheim I 840 2011 bis 2019 bereits vom Netz
Neckarwestheim II 1395 2022 bis 2036 bis 2022
Philippsburg I 926 2012 bis 2020 bereits vom Netz
Philippsburg II 1458 2018 bis 2032 bis 2021
BAYERN
Isar I, Essenbach 912 2011 bis 2019 bereits vom Netz
Isar II 1475 2020 bis 2034 bis 2022
Grafenrheinfeld 1345 2014 bis 2028 bis 2021
Gundremmingen B 1344 2015 bis 2030 bis 2021
Gundremmingen C 1344 2016 bis 2030 bis 2021
HESSEN
Biblis A 1225 2011 bis 2020 bereits vom Netz
Biblis B 1300 2012 bis 2020 bereits vom Netz
NIEDERSACHSEN
Unterweser, Esensham 1410 2012 bis 2020 bereits vom Netz
Grohnde 1430 2018 bis 2032 bis 2021
Emsland, Lingen 1400 2020 bis 2034 bis 2022
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Brunsbüttel 806 2012 bis 2020 bereits vom Netz
Krümmel, Geesthacht 1402 2019 bis 2033 bereits vom Netz
Brokdorf 1440 2019 bis 2033 bis 2021

*Quelle: Deutsches Atomforum

** Quelle: Bundesumweltministerium; aktualisiert März 2011

*** Quelle: Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium

Bruttostromerzeugung  Deutschland 2009

Stromerzeugung in Deutschland: Die Kernenergie machte im Jahr 2009 rund 22,6 Prozent aus.