Ein Mitarbeiter hält zwei Hummer in der Küche eines Sternerestaurants in der Hand. | dpa

"Guide Michelin" für Deutschland Viele Sterne - auch dank Corona-Auszeit

Stand: 09.03.2022 17:10 Uhr

Ob Hummer oder doch eher vegetarisch: Deutschland ist eines der wichtigsten Länder für Gourmets. Im neuen "Guide Michelin" finden sich 327 Sterne-Restaurants - mehr als je zuvor. Das hat auch mit der Pandemie zu tun.

Trotz - oder besser gesagt vermutlich gerade wegen der Corona-Krise haben sich im vergangenen Jahr so viele Spitzenköchinnen und -köche einen Michelin-Stern für ihr Restaurant erkocht wie nie zuvor. So sind im neuen Restaurantführer "Guide Michelin" erstmals 327 Restaurants mit den begehrten Sternen ausgezeichnet worden, wie Michelin nun bekannt gab. Im vergangenen Jahr lag die Zahl noch bei 310 Restaurants.

Ein Grund für vielen Sterne sei die Corona-Krise, sagte der Direktor des "Guide Michelin" für Deutschland und die Schweiz, Ralf Flinkenflügel, der Nachrichtenagentur dpa. Viele hätten sich in der Zeit hinterfragt und das habe der Kreativität in den Küchen gut getan.

Neun mal "Weltklasse"-Niveau

Neu in den Reigen der Drei-Sterne-Restaurants - die höchste Auszeichnung - hat es eine Gourmetküche aus Rheinland-Pfalz geschafft: Das "schanz.restaurant" im Weinort Piesport hat mit seiner Küche auf "Weltklasse"-Niveau einen weiteren Stern geholt und ist damit in die Spitze der deutschen Gastronomie geklettert. "Es ist unfassbar, muss ich sagen. Jetzt drei Sterne zu bekommen - das ist ein ganz großer Traum, der hier in Erfüllung geht. Das ist ganz groß", sagte Küchenchef Thomas Schanz nach der Verleihung.

Damit gibt es in Deutschland neun Drei-Sterne-Restaurants: Neben dem "schanz.restaurant" noch ein weiteres in Rheinland-Pfalz, eines im Saarland, eines am Tegernsee in Bayern, eines in Wolfsburg und je eines in Hamburg und Berlin. "Gourmet-Hochburg" in Deutschland bliebt der kleine Ort Baiersbronn im Schwarzwald mit gleich zwei Drei-Sterne-Lokalen.

Verschiedene Ausgaben des "Guide Michelin" | dpa

Den "Guide Michelin" gibt es jedes Jahr für verschiedene Länder. Die Touristikabteilung des Reifenherstellers Michelin hatte ihn Anfang des vergangenen Jahrhunderts ursprünglich als Werkstatt-Wegweiser herausgegeben. Mehr und mehr entwickelte er sich zu einem Restaurantführer. Bild: dpa

23 Restaurants haben Sterne verloren

Zudem sind fünf Restaurants aus Bayern und jeweils eins aus Baden-Württemberg, Hamburg und dem Saarland dank der Kochkünste ihrer Küchenchefs in die Riege der nun 46 Zwei-Sterne-Restaurants aufgenommen worden. Gleichzeitig gibt es nun 272 Restaurants mit jeweils einem Stern in dem Gourmetführer, 31 Restaurants sind 2022 neu dazugekommen. Für so manchen Koch kam mit der Veröffentlichung des "Guide Michelin" aber auch ein böses Erwachen: 23 Restaurants haben mindestens einen Stern verloren.

"Sehr bedeutende Rolle - hinter Frankreich"

Der "Guide Michelin" gilt als einer der wichtigsten Gourmet-Reiseführer. Um Restaurants zu bewerten, gehen die internationalen Inspektoren nach Angaben des Verlags anonym in die Restaurants. Ihre Bewertung bezieht sich alleine auf die Speisen, nicht auf das Ambiente eines Lokals.

Die ersten Michelin-Sterne in Deutschland wurden 1966 verliehen. Im internationalen Vergleich müsse sich die deutsche Spitzenküche weiterhin auf jeden Fall nicht verstecken, so Flinkenflügel. "Hinter Frankreich nimmt Deutschland schon eine sehr, sehr entscheidende Rolle ein."