Einschätzung des IWH Halle Krise erfasst Ostdeutschland stärker als angenommen

Stand: 01.08.2009 14:06 Uhr

Die globale Finanzkrise hat Ostdeutschland nach Einschätzung von Konjunkturexperten wesentlich stärker erfasst als bislang angenommen. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagt nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" allein für die Industrie in den neuen Ländern einen Rückgang von mehr als 15 Prozent in diesem Jahr voraus. Insgesamt werde die Produktion 2009 um 4,5 Prozent sinken und damit unter den Stand von 2006 zurückfallen, heißt es dem Blatt zufolge in der jüngsten IWH-Einschätzung, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll.

Produktion im BMW-Werk Eisenach
galerie

Um 15 Prozent geht laut IWH die Industrieproduktion in den neuen Ländern dieses Jahr zurück.

Demnach setzt der weltweite Nachfrageeinbruch vor allem dem verarbeitenden Gewerbe als bisherigem Wachstumsführer immer stärker zu. Auch die ostdeutschen Ausfuhren stiegen dem Bericht zufolge 2008 mit sieben Prozent nur noch halb so stark wie in den vorangegangenen fünf Jahren. Der Abwärtstrend bei der Zahl der Erwerbstätigen, die im vierten Quartal 2008 um 13.000 Personen zurückgegangen sei, setzte sich laut IWH 2009 ebenfalls fort. Allein in den ersten drei Monaten diesen Jahres verloren demnach weitere 36.000 Beschäftigte ihren Job.

Insgesamt sei das Stellenangebot in der ostdeutschen Wirtschaft dramatisch eingebrochen, heißt es der Zeitung zufolge in dem IWH-Papier. Es habe im vergangenen Jahr rund 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Für die zweite Jahreshälfte drohe eine weitere deutliche Verschlechterung. Viele Unternehmen, die zur Kurzarbeit übergegangen seien, müssten nun ihren Personalbestand anpassen.

Mitte Juli hatte das IWH noch geschätzt, dass der Einbruch der Konjunktur in Ostdeutschland beendet und im dritten Quartal eine Stabilisierung der Produktion auf niedrigem Niveau zu erwarten ist.

Darstellung: