Frauenquote

EU-Kommissarin Reding bereitet Quotenregelung vor OECD und EU kritisieren Benachteiligung von Frauen

Stand: 05.03.2012 15:02 Uhr

In keinem anderen europäischen Land ist das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern so groß wie in Deutschland. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt bei 16 Prozent. In Norwegen etwa bekommen Frauen lediglich 8,4 Prozent und in Belgien 8,9 Prozent weniger.

Sitzung von Mitarbeitern
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Schlechtere Bezahlung, weniger Spitzenpositionen: Frauen werden nach Einschätzung von OECD und EU massiv im Job benachteiligt.

Die OECD stellt Deutschland wegen seiner Familienpolitik regelmäßig an den Pranger. Der Mangel an Kindertagesstätten hindere Mütter daran, in den Beruf zurückzukehren, kritisierte die Organisation bereits im Februar. Nur für 18 Prozent der Kinder bis zwei Jahre steht ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Der OECD-Schnitt liegt etwa doppelt so hoch. Das von der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld - das ab 2013 Eltern erhalten, die ihre Kinder nicht in eine Kita schicken - bezeichnet die OECD als kontraproduktiv. "Die Regierung sollte das Geld stattdessen dafür ausgeben, qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsplätze zu schaffen", raten die Experten.

"Auch was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen", beklagt die OECD.

Kommission zu Frauen in Entscheidungspositionen
C. Prössl, NDR Brüssel
05.03.2012 14:23 Uhr

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EU-Kommission kündigt konkrete Schritte an

Massive Kritik an der geringen Anzahl von Frauen in Führungspositionen kommt auch erneut aus Brüssel. EU-Justizkommissarin Viviane Reding will bis zum Sommer konkrete Vorschläge für europaweite Frauenquoten in Chefetagen vorlegen. "Das Fehlen der Frauen in den Spitzenpositionen der Geschäftswelt schadet Europas Wettbewerbsfähigkeit und behindert das Wirtschaftswachstum", erklärte Reding.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding
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EU-Justizkommissarin Viviane Reding will in Sachen Frauenquote nicht länger auf Freiwilligkeit setzen

In der Spitze großer Unternehmen sind Frauen bisher spärlich vertreten. "Von sieben Aufsichtsrat- oder Vorstandsmitgliedern führender europäischer Unternehmen ist nur eins weiblich", kritisierte Reding. Deutschland liegt den EU-Zahlen zufolge mit 15,6 Prozent leicht über dem Durchschnitt, Spitzenreiter ist Finnland mit 27,1 Prozent, Schlusslicht Malta mit 3,0 Prozent. In Großbritannien sind es 15,6 Prozent und in Frankreich 22,3 Prozent.

Frankreich ist Reding zufolge ein gutes Beispiel für den Erfolg gesetzlicher Quoten. Bevor diese dort im vergangenem Jahr eingeführt wurde, habe der Frauenanteil nur zwölf Prozent betragen. Zwar sei sie "kein Fan von Quoten. Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen", sagte Reding und schloss gesetzliche Vorgaben nicht aus, da die von ihr initiierten freiwilligen Maßnahmen bislang nicht gefruchtet hätten. Eine Selbstverpflichtung, bis 2015 den Frauenanteil in der Spitze auf 30 und bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen, unterschrieben in ganz Europa nur 24 Unternehmen.

Die Bundesregierung hat keine einheitliche Haltung zu einer gesetzlichen Quotenregelung. Während Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sie befürwortet, lehnt ihre Parteifreundin Familienministerin Kristina Schröder sie ab.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wiederholte seine Ablehnung gesetzlicher Quoten. Sie berücksichtigten nicht "die erheblichen Unterschiede zwischen den Unternehmen", erklärte der Verband. Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte hingegen in einer Mitteilung feste Vorgaben: "Nur wenige der Top-Führungskräfte in diesem Land sind Frauen. Darum brauchen wir, das womit andere Länder bereits gut leben: gesetzliche Regelungen."

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