Interview

Gewerkschaft gegen Grundgesetzänderung ''Privatisierung könnte weniger Sicherheit bedeuten''

Stand: 28.07.2010 22:59 Uhr

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will alle Mittel nutzen, um zu verhindern, dass das Grundgesetz geändert und die Flugsicherung doch noch privatisiert wird. Wie Mark Kluzniak, ein Sprecher der Gewerkschaft im Gespräch mit tagesschau.de sagte, geht es der Organisation dabei hauptsächlich um die Sicherheit der Passagiere und Besatzungsmitglieder.

tagesschau.de: Ihre Gewerkschaft spricht sich massiv gegen eine Privatisierung der Flugsicherung aus, mit der Begründung, es handele sich dabei um hoheitliche Aufgabe des Bundes. Sehen Sie denn auch Gefahren für die Sicherheit der Passagiere und Besatzungsmitglieder?

Marek Kluzniak: Ja, das ist unser Hauptanliegen. Wir sorgen uns um die Sicherheit. Das Ziel von privaten Investoren ist es, Geld zu verdienen. Flugsicherung ist ein hochkomplexes Geschäft. Im deutschen Luftraum gibt es täglich etwa 8000 Flugzeugbewegungen, die überwacht und kontrolliert werden müssen. Da müssen Vorgänge doppelt und dreifach gecheckt werden. Unsere Befürchtung ist, dass private Investoren, einfach weil sie profitabel sein müssen, die Standards abbauen könnten.

tagesschau.de: Die Lufthasa hofft auf eine Grundgesetzänderung, die die Privatisierung möglich macht. Begründung: Die Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraumes, zu dem auch eine privatisierte Flugsicherung gehöre, dürfe jetzt nicht verzögert werden.

Kluzniak: Die Begründung kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt dieses Projekt der Europäischen Union - es heißt "Single European Sky" - seit Jahren. Und es ist auch sinnvoll, weil es die Angleichung der Lufträume und die Angleichung der Standards zum Ziel hat. Aber ein einheitlicher europäischer Luftraum kann genauso gut geschaffen werden, wenn die Flugsicherungen der einzelnen Länder in staatlicher Hand sind.

tagesschau.de: Wo gibt es denn in Europa bereits privatisierte Luftsicherungen?

Kluzniak: Es gibt bisher drei Länder, die ihre Luftsicherung privatisiert haben, die Schweiz, Großbritannien und Norwegen. Und nach meinem Wissen gibt es in Norwegen und Großbritannien Überlegungen, die Privatisierung wieder rückgängig zu machen, weil sie sich nicht bewährt hat.

Die Fragen stellte Sabine Klein, tagesschau.de