Joaquin Almunia

Prognose nach unten korrigiert EU fürchtet Finanzkrise als Wachstumsbremse

Stand: 11.09.2007 15:02 Uhr

Der Aufschwung in der Europäischen Union hat nach Einschätzung von Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia seinen Höhepunkt bereits überschritten. Angesichts der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten und einer Abschwächung des Wachstums im zweiten Quartal korrigierte Almunia seine Konjunkturprognose für 2007 leicht nach unten. "Wenn wir uns diese Zahlen anschauen, können wir zu dem Schluss kommen, dass die Spitze des Zyklus vielleicht hinter uns liegt", sagte der EU-Kommissar.

Joaquin Almunia

Joaquín Almunia, EU-Währungskommissar

Wachstumserwartung leicht verringert

In seinem Zwischenbericht, der auf der Wirtschaftsentwicklung in den sieben größten EU-Staaten beruht, sagt Almunia nur noch ein Wachstum von 2,5 Prozent für die Eurozone und von 2,8 Prozent für die Europäische Union insgesamt voraus. Damit korrigierte er seine Vorhersage vom Frühjahr um jeweils 0,1 Prozentpunkte nach unten. Hauptgrund dafür seien neben den Problemen auf dem Finanzmarkt "negative Überraschungen" aus Frankreich, Italien und den Niederlanden, sagte der Wirtschaftskommissar.

Auch für Deutschland Prognose reduziert

Für Deutschland erwartet Almunia für das laufende Jahr ein Wachstum von 2,4 Prozent, das sind ebenfalls 0,1 Prozentpunkte weniger als er im Frühjahr vorhergesagt hatte. Im ersten Halbjahr 2007 habe sich die Konjunktur unter anderem wegen der Mehrwertsteuererhöhung etwas abgeschwächt, sagte der EU-Kommissar. Almunia bezeichnete dies aber als vorübergehenden Effekt: "Wir gehen davon aus, dass die dem deutschen Aufschwung zugrundeliegende Stärke fortbesteht." Die Finanzkrise habe die deutsche Wirtschaft nur leicht beeinflusst und führe zu einer schwächeren Einschätzung sowohl bei Verbrauchern als auch bei Firmen. Trotz der Probleme einzelner Institute sei keine "größere Bankenkrise" in Sicht. Die Risikoprämien bei Krediten hätten sich jedoch erhöht.

Inflation in Deutschland höher als angenommen

Allerdings hat sich die Inflation in Deutschland stärker verschärft als von der Kommission zunächst angenommen, Almunia korrigierte seine Prognose von 1,9 Prozent auf 2,1 Prozent nach oben. Damit dürfte die Teuerungsrate in der Bundesrepublik 2007 leicht über dem Durchschnitt der Eurozone liegen, für die eine Inflationsrate von zwei Prozent erwartet wird. Als Gründe dafür identifizierte die EU-Kommission neben der Mehrwertsteuererhöhung auch die Einführung von Studiengebühren in mehreren Bundesländern sowie die jüngste Erhöhung der Lebensmittelpreise.

Sorgenkind Frankreich

Am schärfsten wurde die Konjunkturprognose für Frankreich korrigiert: Während die Kommission hier im Mai noch ein Wachstum von 2,4 Prozent für 2007 erwartete, geht sie jetzt nur noch von 1,9 Prozent aus. Almunia sprach von einem "negativen Schock", in Anspielung auf den vom neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy angestrebten "Wachstums-Schock". Nach Darstellung Almunias hat die französische Wirtschaft von der gestiegenen Verbrauchernachfrage nur geringfügig profitiert: "Die gestiegene Nachfrage wurde teilweise durch Importe gesättigt." Zugleich exportierten französische Unternehmen vergleichsweise wenig ins Ausland, heißt es in der Kommissionsanalyse.