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Interview

Reeder-Verband im Interview Ausflaggen unter Liberia-Flagge überprüfen

Stand: 29.08.2007 00:43 Uhr

Die deutschen Reeder denken angesichts andauernder blutiger Unruhen in Liberia darüber nach, ihren Mitgliedern zu empfehlen nicht mehr unter der Flagge des afrikanischen Landes zu fahren. Im tagesschau.de-Interview sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder, Hans-Heinrich Nöll: "Sehen wir in Kürze, sagen wir innerhalb einer Woche keine Bewegung, die die Verhältnisse zum Besseren verändern, dann können wir auch nicht anders als zu sagen: Wir empfehlen nicht mehr unter liberianischer Flagge zu fahren."

Auf die Frage nach den Einbußen für Reeder bei einer Umflaggung sagte Nöll: "Die Reeder haben lediglich einen Kostenaufwand für das Umflaggen. Das sind vielleicht 20.000 bis 30.000 Euro pro Schiff." Sonst habe es keine Bedeutung für die deutschen Reeder.

Nöll gab zu Bedenken, dass man Schiffe "nicht mal so eben hin und her registrieren" könne. Zum einen sei der bürokratische Aufwand sehr hoch. Und zum anderen seien die Schiffe weg und somit auch die Einnahmen für Liberia. "Die Einkünfte wären dann auch für eine, nehmen wir einmal an, zukünftige ordentliche Regierung nicht mehr verfügbar."

Ein Viertel des Haushalts aus der Schifffahrt

Weltweit fahren 1500 Schiffe unter liberianischer Flagge, davon sind 437, rund ein Viertel, deutsche Schiffe. Die Gelder aus der Schifffahrt machen rund 25 Prozent des offziellen Haushaltsbudgets Liberias aus.

Anfang Juli hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Rainder Steenblock, die Reeder aufgefordert hatte, ihre Schiffe nicht mehr unter liberianischer Flagge fahren zu lassen. Mit dem Kauf der Flagge finanzierten sie Taylors Regierung, hatte der Grünen-Politiker erklärt. Der Verband hatte damls die Steenblock-Forderung abgelehnt.