Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker

Juncker schließt Schuldenschnitt für Griechenland nicht aus "Wir reden über mehr als 50 bis 60 Prozent"

Stand: 11.10.2011 11:47 Uhr

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, hat in einem Interview mit dem österreichischen Sender ORF einen Schuldenschnitt für Griechenland nicht ausgeschlossen. Über den Umfang eines Schuldenschnitts wollte der luxemburgische Ministerpräsident nicht spekulieren. Auf die Frage, ob in der EU über einen Schuldenschnitt in Höhe von 50 bis 60 Prozent diskutiert werde, sagte er aber: "Wir reden über mehr."

Gleichzeitig wies er auf die Gefahren eines solchen Schritts hin. Man dürfe nicht glauben, dass ein Schuldenschnitt genüge, warnte der luxemburgische Ministerpräsident: "Man muss dafür Sorge tragen, dass dies nicht zu Ansteckungsgefahren in der Eurozone führt." Er plädierte dafür, eine Staatspleite in der Eurozone "mit aller Gewalt" zu verhindern.

Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker

Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker schließt einen Schuldenschnitt nicht mehr aus.

Auch das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Marko Kranjec, rechnet mit einer Schuldenrestrukturierung Griechenlands. "Ich bin mir sicher, dass Griechenland nicht bankrott gehen wird, zumindest nicht in dem Sinne, dass es andere Länder mit in den Abgrund zieht. Eine Umstrukturierung ist jedoch höchstwahrscheinlich und wird bereits diskutiert", sagte Kranjec in einem Interview im slowenischen Fernsehen.

Griechischer Finanzminister will weitere Reformen

Derweil bemüht sich Griechenland die Vorgaben von EZB, Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europäischer Union zu erfüllen. Das Parlament müsse einem neuen Sparpaket zustimmen, bevor das Land die nächste Tranche in Höhe von acht Milliarden Euro aus dem Rettungspaket der EU und IWF erhalte, sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos. Die neuen Sparmaßnahmen seien hart aber notwendig, um eine chaotische Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Die sogenannte Troika - Experten von EZB, IWF und EU, die die griechischen Sparbemühungen überwachen - hatten in den vergangenen Tagen die Bücher in Athen geprüft und wollen heute erste Ergebnisse vorstellen. Nach griechischen Medienberichten wird das Land von den Prüfern "viele gelbe Karten" erhalten - so formulierte es die regierungsnahe Tageszeitung "Ta Nea".

Ohne weitere Kreditauszahlungen geht der griechischen Regierung nach eigenen Angaben Mitte November das Geld aus.

Barroso will Nicht-Euro-Staaten an Rettung beteiligen

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte erneut vor einem Scheitern des Euro - selbst wenn ausgesprochene Bürgschaften für Rettungspakete tatsächlich in Anspruch genommen würden und dadurch Zahlungen fällig würden. "Aber das ist verkraftbar im Vergleich zu dem, was uns blühen würde, wenn der Euro auseinanderbricht", sagte Barroso der "Bild"-Zeitung. Deutschland müsse dann als größte Wirtschaft Europas auch im eigenen Interesse für den Erhalt des Euro, der Wirtschaftskraft und der Arbeitsplätze Solidarität üben. Barroso sprach sich auch dafür aus, EU-Staaten, die nicht in der Euro-Zone sind, an der Rettung Griechenlands zu beteiligen. Dies läge auch in ihrem eigenen Interesse. "Wenn der Euro wankt, bringt das alle Länder in Schwierigkeiten - auch die mit eigener Währung."

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso

EU-Kommissionspräsident Barroso will auch Nicht-Euro-Staaten an der Rettung Griechenlands beteiligen.

Nobelpreisträger für gemeinsames Budget der Euro-Zone

Die Lösung der Eurokrise hängt nach Auffassung der neuen Nobelpreisträger für Wirtschaft vor allem von der Politik ab. "Europa und der Euro stellen die Wirtschaftstheorie nicht vor neue Fragen, das Problem ist die Politik", sagte in Princeton US-Ökonom Thomas Sargent, der sich den Nobelpreis mit seinem Kollegen Christopher Sims teilt. Es gebe historische Beispiele dafür, dass eine gemeinsame Budgetpolitik eine Lösung sein könne. Auch Sargents Kollege Sims plädierte für eine gemeinsame Budgetpolitik der Euro-Zone. Der Ausschluss schwacher Euro-Staaten sei keine Lösung des Euro-Problems, betonte der 68-jährige US-Ökonom.