Prognosen weiter nach unten korrigiert Wirtschaftsinstitute geben düsteren Ausblick für 2009

Stand: 12.03.2009 14:55 Uhr

Börsenhändler vor Kurstafel
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Die Rezession trifft Deutschland nach Ansicht der Experten noch härter als erwartet.

Die deutsche Wirtschaft bricht nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) deutlich stärker ein als befürchtet. Vor allem wegen des deutlichen Rückgangs der Exporte werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 3,7 Prozent schrumpfen. Damit senkten die Forscher ihre Prognose vom Dezember um einen Prozentpunkt. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem langsameren Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, schrieben die Experten. Eine Stabilisierung der Konjunktur erwarten sie im kommenden Jahr, ein spürbares Wachstum sogar erst zum Jahresende 2010.

Deutsche Exportabhängigkeit als Handicap

Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr wegen ihrer stärkeren Export-Abhängigkeit mehr schrumpfen als der Euro-Raum; hier sagte das IfW einen Rückgang um 3,3 Prozent voraus.  Für den Arbeitsmarkt in Deutschland seien die Aussichten deswegen stark eingetrübt. Im Herbst 2009 dürften weit über eine dreiviertel Million mehr Menschen ohne Stelle sein zu Jahresanfang, sagten sie voraus. Im Jahresschnitt bedeute das einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 400.000 auf knapp 3,7 Millionen. Im kommenden Jahr werde sich der Jobabbau fortsetzen, im Schnitt dürfte die Erwerbslosenzahl um 600.000 auf 4,3 Millionen steigen. Die Arbeitslosenquote werde auf 10,2 Prozent klettern und damit den höchsten Stand seit 2006 erreichen.

Wenig Hoffnung auf Konjunkturpaket

Containerterminal im Hamburger Hafen
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Durch die hohe Abhängigkeit von Exporten ist Deutschland von der Weltwirtschaftskrise besonders betroffen.

Das milliardenschwere Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte nach Einschätzung der Forscher in der zweiten Jahreshälfte 2009 erste Wirkungen zeigen, vor allem in der Bauwirtschaft. "Allerdings wird der Impuls, der dadurch auf die Konjunktur ausgehen wird, geringer sein als vielfach erwartet", schrieben sie. Einerseits sei es unrealistisch, dass die staatlichen Bauinvestitionen so schnell aufgestockt werden könnten wie geplant. Andererseits reichten die Kapazitäten bei den Baufirmen nicht aus, so dass mit einem deutlichen Anstieg der Baupreise zu rechnen sei. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung mit dem Konjunkturpaket um etwa 0,75 Prozent höher ausfallen als ohne.

HWWI verliert seinen Optimismus

Das HWWI senkte seine Prognose für die Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts ebenfalls drastisch. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 voraussichtlich um 3,8 Prozent einbrechen, teilte das Institut mit. Noch im Dezember hatte es ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,2 Prozent prognostiziert. Damit hatte das HWWI von allen Forschungsinstituten das mit Abstand optimistischste Konjunkturszenario. Das Institut geht davon, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf um eine Dreiviertelmillion zunimmt. Im nächsten Jahr werde dann die Marke von vier Millionen überschritten.

Neue Negativ-Effekte befürchtet

Zudem habe der bisherige Verlauf gezeigt, dass neue Schocks nicht auszuschließen seien. Die inzwischen von den meisten Ländern ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, um der Krise entgegenzusteuern, sollten im späteren Jahresverlauf allmählich wirken. In den kommenden Monaten werden dem Institut zufolge allerdings noch die rezessiven Einflüsse überwiegen. Die Experten gehen davon aus, dass die konjunkturelle Talfahrt etwa zur Jahresmitte ausläuft und sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr stabilisiert. Für 2010 erwartet das HWWI ein BIP-Wachstum von 1,0 Prozent.

BA-Institut erwartet ebenfalls mehr Arbeitslose

Auch das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)  befürchtet, dass die weltweite Rezession den deutschen Stellenmarkt weitaus härter treffen wird als erwartet. Im Jahresdurchschnitt 2009 sei mit 3,6 bis 3,7 Millionen Erwerbslosen zu rechnen, geht aus einer Prognose des Forschungszentrum der Bundesagentur für Arbeit  (BA) hervor. Bisher war es von einer Durchschnitts-Arbeitslosigkeit von 3,3 bis 3,4 Millionen ausgegangen. Bei ihrer Berechnung unterstellen die Wissenschaftler eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts von 2,75 bis 3,5 Prozent. 2008 waren im Schnitt 3,268 Millionen Menschen arbeitslos.

Deutsche Produktion im Januar eingebrochen

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben deutsche Unternehmen die Produktion wegen rapide schmelzender Auftragspolster so stark gekürzt wie seit 1991 nicht mehr. Industrie-, Bau- und Energiefirmen stellten im Januar zusammen 7,5 Prozent weniger her als im Vormonat, teilte das Ministerium mit. Das ist der größte Rückgang seit der Wiedervereinigung und bereits der fünfte in Folge.

Besonders deutlich waren die Rückgänge in der exportorientierten Industrie: Sie fuhr ihre Leistung um 8,4 Prozent zurück, nachdem die Neuaufträge in 13 der vergangenen 14 Monate gesunken waren - zuletzt in Rekordgeschwindigkeit. Viele Firmen reagieren mit verlängerten Werksferien und Kurzarbeit.

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