Mehrere Neuwagen stehen in Reihen. | dpa

Neuzulassungen im März Engpässe lassen Automarkt einbrechen

Stand: 05.04.2022 16:22 Uhr

Die Neuzulassungen auf dem Automarkt in Deutschland sind im März wieder stark zurückgegangen. Auch die Produktion sank deutlich. Grund ist der Engpass bei Elektrochips und Halbleitern.

Der Engpass bei Elektrochips und Halbleitern hat den Automarkt in Deutschland im vergangenen Monat einbrechen lassen. 241.330 Pkw seien im März neu auf die Straßen gekommen und damit rund 17,5 Prozent weniger als im März 2021, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mit. Besonders stark abwärts ging es demnach bei den gewerblichen Neuzulassungen mit mehr als einem Fünftel, während Privatkunden zehn Prozent weniger Autos anmeldeten.

Auch mit Blick auf das gesamte erste Quartal dieses Jahres ist die Zahl der Neuzulassungen rückläufig: 625.954 Pkw wurden in den ersten drei Monaten neu in Deutschland zugelassen. Das waren 4,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Auch deutlich weniger Plugin-Hybride

Gegenüber März 2021 verzeichneten alle deutschen Marken Rückgänge bei den Neuzulassungen: Bei Opel (minus 37,8 Prozent), Mini (minus 35 Prozent), VW (minus 31,8 Prozent) und Smart (minus 30,8 Prozent) fielen die Verluste besonders hoch aus. Die Absätze von Mercedes mit minus 26 Prozent und BMW mit minus 15,5 Prozent sanken ebenfalls zweistellig. Mit 16 Prozent aller Neuzulassungen im März war VW die anteilsstärkste Marke.

Erstmals seit langer Zeit waren im März auch manche der sogenannten alternativen Antriebe vom Rückgang betroffen. Zwar stieg die Zahl der reinen Elektroautos weiter um 14,5 Prozent auf knapp 34.500 Einheiten. Bei den Plug-in-Hybriden wurden jedoch mit knapp 27.300 deutlich weniger Fahrzeuge als noch im Vorjahresmonat (35.600 Plug-in-Hybride) neu zugelassen.

In den ersten zwei Monaten 2022 hatte sich der Absatz der deutschen Autobauer noch leicht erholt. Etwa im Februar waren 200.512 Pkw neu zugelassen worden - das waren 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Autobranche rechnet mit weniger Produktion

Grund für den Rückgang im März ist dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge nach wie vor der Engpass bei Elektrochips und Halbleitern. Im März sei die Produktion in Deutschland um 29 Prozent auf 267.600 Fahrzeuge eingebrochen. Seit Jahresbeginn liegt das Minus in der Produktion demnach bei zwölf Prozent.

Wegen des Ukraine-Kriegs schraubt der VDA seine Prognose zudem drastisch nach unten und rechnet für das Gesamtjahr nur noch mit einem Produktionsplus von sieben Prozent auf 3,3 Millionen Autos. Bislang hatte er 13 Prozent Zuwachs vorausgesagt. Auch die Auslandsproduktion werde mit zwei Prozent auf 9,6 Millionen Fahrzeuge nur noch halb so stark steigen wie zuletzt angenommen, teilte der Branchenverband mit.

Die Anpassungen seien eine erste Reaktion auf den Krieg in der Ukraine und seine Folgen für die Lieferketten und die Weltkonjunktur, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Die äußerst dynamischen Umstände, insbesondere die mögliche Ausweitung der Sanktionen gegenüber Russland und zusätzliche Unsicherheitsfaktoren, wie mögliche Produktionsausfälle in China infolge der Null-Covid-Strategie, könnten weitere Anpassungen der Prognosen in den kommenden Monaten erforderlich machen."

Ende der Krise "nicht abzusehen"

Die Unternehmensberatung EY erklärte derweil, dass zuletzt auch die Neuzulassungszahlen in anderen europäischen Ländern rückläufig waren. In Frankreich sanken sie um 19 Prozent, in Italien um 29 Prozent, in Österreich um 30 Prozent und in Spanien um 32 Prozent.

Das Vorkrisenniveau sei somit "in noch weitere Ferne gerückt", hieß es von EY. "Die Produktionskrise in der Automobilindustrie hat sich in den letzten Wochen nochmal deutlich verschärft", kommentierte Automobilmarktexperte Peter Fuß.

Lieferengpässe bei Mikrochips und anderen Vorprodukten seien bereits länger ein Problem, "nun kommen aber massive Lieferengpässe bei etlichen Rohstoffen und weiteren Zwischengütern hinzu", so Fuß. "Wir sehen derzeit weitere Preissteigerungen und noch längere Lieferzeiten". Ein Ende der Krise sei "nicht abzusehen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2022 um 18:26 Uhr.