Sanierungstarifvertrag angepasst Ver.di sagt Ja zu Berggruens Karstadt-Plänen

Stand: 09.07.2010 17:37 Uhr

Logo und Fahne des Karstadt-Konzerns
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Der nächste Schritt in Richtung Karstadt-Rettung ist getan.

Der Investor Nicolas Berggruen hat eine weitere Hürde auf dem Weg zur Karstadt-Übernahme genommen. Die Gewerkschaft ver.di passt ihren Sanierungstarifvertrag für Karstadt so an, dass er seine Pläne für die insolvente Warenhauskette mit 25.000 Beschäftigten umsetzen kann.

Demnach bleibt der Sanierungstarifvertrag mit Einsparungen beim Personal von 150 Millionen Euro bis Ende 2012 gültig, auch wenn Berggruen das Traditionsunternehmen künftig in vier Teilgesellschaften gliedert - Sporthäuser, Premium-Warenhäuser und die übrigen Filialen.

Der Beschluss verhindert aber eine Karstadt-Zerschlagung. Er sei an die Bedingung geknüpft, dass Karstadt als "wirtschaftliche Einheit" erhalten bleibe, unabhängig von einer Änderung der gesellschaftsrechtlichen Strukturen. "Beschäftigungs- und Standortsicherung bleiben definitiv erhalten", betonte ver.di-Vize Margret Mönig-Raane. Zudem soll mit dem Beschluss sichergestellt werden, dass die Mehrheit der Stimmrechte in einer Hand bleibt. Zugleich sollen Gewinne reinvestiert werden. Der Sanierungstarifvertrag, in dem die Beschäftigten zahlreiche Zugeständnisse gemacht hatten, läuft noch bis Ende August 2012.

Einigung mit Vermietern steht noch aus

Berggruen muss nun noch eine endgültige Einigung mit den Vermietern der Karstadt-Warenhäuser, dem Konsortium Highstreet um die Banken Goldman Sachs und Deutsche Bank erzielen. Diesem gehören 86 der 120 Filialen in Deutschland. Gelingt dies nicht, droht der Kette die Zerschlagung. Dann könnte Konkurrent Metro doch noch zum Zuge kommen, der Interesse an einzelnen Warenhäusern angemeldet hat, um sie in seine Kette Kaufhof zu integrieren.

Berggruen fordert Politiker zum Vermitteln auf

Nicolas Berggruen
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Nicolas Berggruen fordert mehr Engagement von der Bundespolitik.

Berggruen forderte unterdessen erneut von Seiten der Politik Vermittlung bei den ins Stocken geratenen Verhandlungen mit Highstreet. "Ich frage überhaupt nicht nach Geld. Wir brauchen kein Geld", sagte er dem "Tagesspiegel". Jedoch hätten die Politiker eine Verpflichtung "gegenüber dem Land und der Wirtschaft". Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen engagiere sich bereits, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte eine aktive  Vermittlerrolle jedoch vor einigen Tagen abgelehnt.

Auf die Frage, wann die Zeit für eine abschließende Einigung zur Rettung Karstadts endgültig ablaufe, sagte Berggruen: "Ende Juli. Danach ist Schluss." Dafür gebe es juristische Gründe, die nicht in seiner Macht lägen. Was dann folge, sei die "Liquidation", sagte der Investor.

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