Konjunkturaussichten negativ eingestuft Ratingagenturen sehen Japans Zukunft skeptischer

Stand: 22.02.2011 14:39 Uhr

Die Ratingagentur Moody's hat erstmals seit fast neun Jahren ihre Prognose zur Kreditwürdigkeit Japans nach unten korrigiert. Die Aussichten für das Rating "Aa2" wurden von "stabil" auf "negativ" herabgestuft, wie Moody's mitteilte.

Erst Ende Januar hatte die Ratingagentur Standard & Poor's ihre Note für japanische Staatsanleihen auf "AA-" gesenkt - erstmals seit etwa neun Jahren. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnte einen Sparkurs an und warnte vor einem Übergreifen der europäischen Schuldenkrise auf das asiatische Land.

Sollte es Japan nicht gelingen, den riesigen Schuldenberg abzubauen und das ausufernde Defizit in den Griff zu bekommen, sei die aktuelle Bonitätsnote "Aa2" von Moody's für das Land langfristig nicht zu halten, erklärten die Rating-Experten. Japan, das derzeit vom fünften Ministerpräsidenten seit 2006 regiert wird, brauche derzeit vor allem politische Stabilität, um Reformen umsetzen zu können. "Eine effektive Haushaltsreform erfordert aber Stabilität an der Regierungsspitze", sagte Moody's-Experte Tom Byrne.

Größter Schuldenberg der Industrieländer

Moody's-Experten rechnen aber nicht damit, dass Japan mittelfristig in finanzielle Schwierigkeiten kommt, obwohl der Schuldenberg bei gut dem Doppelten der Wirtschaftsleistung liegt und damit so groß ist wie in keinem anderen Industriestaat der Welt. Doch ungefähr 95 Prozent der japanischen Staatsanleihen liegen in den Depots japanischer Anleger. Damit haben ausländische Investoren kaum Druckmittel zur Hand - anders als etwa im Fall Griechenlands. Die japanische Gesellschaft altert aber. Und wenn immer mehr Rentner ihre Ersparnisse angreifen, um ihren Ruhestand zu finanzieren, könnte es eng werden für die Staatsfinanzen. Gehe die Sparquote zurück, dürften die Zinsen steigen, sagte auch Byrne.

Politisch verfahren

Japans Premier Naoto Kan
galerie

Unter Druck und in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt: Japans Premierminister Kan.

Premierminister Naoto Kan, der seit Juni 2010 im Amt ist, will nun das Sozialsystem auf eine bessere Basis stellen und dazu die Mehrwertsteuer erhöhen. Derzeit liegt diese Steuer in Japan bei fünf Prozent und damit deutlich niedriger als in den meisten anderen Industriestaaten. Kan hat die Opposition um Mithilfe gebeten, um die Haushaltsreform auf den Weg zu bringen, doch seine politischen Gegner lehnen es ab, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Sie drohen damit, den Haushalt zu blockieren, und fordern Neuwahlen.

Chancen durch Abwertung

Analysten sehen in den zunehmend kritischen Äußerungen der Ratingagenturen aber auch Chancen: "Herabstufungen durch internationale Agenturen werden bei der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür schaffen, wie ernst es um die Finanzen bestellt ist", sagte Takuji Okubo, Japan-Chefvolkswirt bei Societé Générale. "Eine derartige Stimmung in der Bevölkerung könnte den japanischen Politikern dabei helfen, die Haushaltsreform auf den Weg zu bringen."

Darstellung: