Konjunktur Rezession Abschwung

Herbstgutachten: Institute senken ihre Prognosen deutlich Weniger Wachstum, mehr Arbeitslose

Stand: 14.10.2008 11:37 Uhr

Silhouette eines Bauarbeiters
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Trübe Wachstumsaussichten: Die Konjunkturforscher senkten ihre Prognosen für 2009.

Der Aufschwung in Deutschland ist nach Ansicht der führenden Institute für Wirtschaftsforschung vorbei. Für 2009 erwarten die acht Institute nur noch ein Wachstum in Höhe von 0,2 Prozent, nach 1,8 Prozent in diesem Jahr. Bisher waren sie von einem Plus in Höhe von 1,4 Prozent ausgegangen. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt dürfte langsam auslaufen, da sich die geringere Kapazitätsauslastung der Firmen zunehmend bemerkbar mache. Die Beschäftigung werde bis zur Jahreswende noch leicht steigen, dann aber zurückgehen. Bis Ende 2009 dürfte die Zahl der Arbeitslosen um 350.000 gegenüber dem Jahresanfang zunehmen, prognostizieren die Forscher. Ihr Gutachten im Auftrag der Bundesregierung nannten sie "Deutschland am Rande einer Rezession".

Als Gründe für ihre Prognose geben die Forscher eine Eintrübung der Konjunktur und die Zuspitzung der Finanzmarktkrise an. "Deutschland ist von der internationalen Konjunkturschwäche in besonderem Maße betroffen, weil vor allem die Nachfrage nach Investitionsgütern zurückgeht, die im deutschen Exportsortiment eine überragende Rolle spielen."

Führende Wirtschaftsinstitute senken Wachstumsprognose auf 0,2 Prozent
tagesthemen 22:15 Uhr, 14.10.2008, Thomas Bittner, RBB

"Risikoszenario": Wirtschaft schrumpft um 0,8 Prozent

Die Forscher haben zusätzlich ein "Risikoszenario" durchgerechnet, in dem sie eine Rezession der Weltwirtschaft unterstellen. Nach dieser Modellrechnung erhöhen sich die Finanzierungskosten wegen der Finanzmarktkrise deutlich und die verunsicherten Konsumenten halten sich mit ihren Ausgaben noch stärker zurück als ohnehin schon. "In diesem Fall geriete Deutschland in eine ausgeprägte Rezession, wie sie beispielsweise nach den Ölpreisschocks in den 70er-Jahren und zu Beginn der 80er-Jahre zu beobachten war", heißt es. Die gesamte Wirtschaftsleistung würde dann 2009 sogar um 0,8 Prozent schrumpfen und fast 400.000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Dieses Szenario sei zwar weniger wahrscheinlich. "Das Risiko, dass die ungünstigere Entwicklung eintritt, hat sich in den vergangenen Wochen aber deutlich vergrößert." Die Forscher hatten ihr Gutachten am Freitag abgeschlossen und damit noch vor Bekanntgabe der meisten staatlichen Rettungspakete, mit denen mehrere europäische Länder die Finanzmarktkrise bekämpfen wollen.

Zu den Instituten, die das Gutachten zweimal jährlich für die Bundesregierung erstellen, gehören das Kieler IfW, das Düsseldorfer IMK, das IWH aus Halle, das Essener RWI, das Münchner Ifo, das Züricher KOF und die beiden Wiener Institute Wifo und IHS.

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