Währungskrieg Yuan Dollar

G20-Gipfel im Schatten des Währungsstreits "Unwahrscheinlich, dass China sich beugt"

Stand: 09.11.2010 16:00 Uhr

Der G20-Gipfel in Seoul wird überschattet vom Währungsstreit zwischen China und den USA. Washington wirft Peking seit Jahren vor, die Landeswährung Yuan künstlich zu verbilligen, was China vehement zurückweist. Die koreanischen Organisatoren des Gipfels glauben dennoch an einen Erfolg.

Von Astrid Freyeisen, ARD-Hörfunkstudio Schanghai

G-20-Gipfel in Seoul
galerie

Der Währungsstreit zwischen China und den USA wird eines der zentralen Gipfelthemen sein.

Schwerpunktthema beim G20-Gipfel in Seoul wird das Ungleichgewicht im weltweiten Handel sein - und was dagegen getan werden kann. Vermutlich wird es wieder zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen China und dem Westen kommen, vor allem den USA. Washington wirft Peking seit Jahren vor, die staatlich gesteuerte Landeswährung Yuan künstlich niedrig zu halten, was chinesischen Exporteuren einen unfairen Vorteil verschaffe und letztlich Arbeitsplätze in den USA koste. Dagegen wehrt sich Peking, wie es auch andere wirtschaftliche Vorwürfe des Westens von sich weist. Die koreanischen Organisatoren des G20-Gipfels glauben dennoch, dass in Seoul Kompromisse gefunden werden könnten. Eine möglicherweise zu kühne Prognose.

Zwei Beispiele zeigen, warum in der globalisierten Wirtschaftswelt im Alltag solche Fronten schwer zu ziehen sind. Beispiel eins: Li Jianyi aus Changzhou, der Gehäusen für Windturbinen herstellt. "Alle meine Maschinen kaufe ich in Deutschland", erklärt Li. "Solche aus chinesischer Produktion würden mich nur zwei Millionen Yuan kosten, während die deutschen zehnmal teurer sind. Aber: Das Niveau der chinesischen Industrie ist noch 50 Jahre hinter Deutschland zurück."

Chinas Standpunkte beim G20-Gipfel in Seoul
A. Freyeisen, ARD Schanghai
09.11.2010 15:10 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Chinesische Kunden schauen nicht nur auf den Einkaufspreis"

Beispiel zwei: Bernhard Franger von der Firma Internormen aus dem badischen Altlussheim. Er sagt: "Die chinesischen Kunden schauen nicht mehr nur auf den Einkaufspreis, sondern auch, wie lange die Standzeit der Produkte ist" - also wie lange sie halten. Der chinesische Markt sei sehr wichtig für das Unternehmen und mache inzwischen ein Viertel des Umsatzes aus. Unter anderem beleifere Internormen auch Sany. Der chinesische Konzern ist einer der größten Baumaschinenhersteller der Welt - und will in Bedburg bei Köln seine Europazentrale errichten.

G20-Gipfel in Seoul
galerie

Ein Nachgeben Chinas beim G-20-Gipfel gilt als unwahrscheinlich.

Der Handel zwischen China und der EU legte im ersten Halbjahr um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Das gab der Diskussion um die chinesische Währungspolitik neue Nahrung. Vor dem G20-Gipfel sind keine Signale in Sicht, dass Peking sich von vor allem amerikanischen Drohgebärden wie Strafzöllen beeindrucken lässt. Pan Yingli, Ökonomin an der Schanghaier Jiaotong Universität, sagt: "Egal wie stark der Yuan steigt, es ist unwahrscheinlich, dass dies auch nur einen amerikanischen Arbeitsplatz zurückbringt. Amerikanische Produkte aus der Landwirtschaft oder der Waffentechnik bringen zwar hohe Profite, aber keine Arbeitsplätze."

"Druck auf den Yuan hat ausschließlich politische Gründe"

Die USA seien nicht kompetent in jenen Industrien, die neue Jobs erzeugen, meint Pan. "Selbst wenn China seinen ganzen Export nach Amerika einstellen würde, dann würden die Waren aus anderen Ländern kommen. Ich finde, der Druck auf den Yuan hat ausschließlich politische Gründe. Der nächste Schritt wird ein Handelskrieg sein." Peking dürfe den staatlich gesteuerten Yuan keinesfalls aufwerten, warnt Pan: Zu eng sei die Marge der unzähligen kleinen chinesischen Exporteure, zu groß die Gefahr von massenhaften Pleiten und sozialen Unruhen.

Der Chef der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, hält die klassische Handelsstatistik ohnehin für ein Erbe aus dem 19. Jahrhundert. Den Handelswert eines Produktes seinem letzten Ursprungsland zuzuordnen, verzerre die Realität der globalisierten Welt, schrieb Lamy kürzlich im "Handelsblatt". In Schanghai sagte er: "Aus meiner Sicht hält sich China an seine Verpflichtungen. Die Welthandelsorganisation regelt nicht jedes Detail. Im Rahmen unseres Netzwerks bewegt sich China wie die EU, die USA, Australien oder Brasilien."

"Unwahrscheinlich, dass China sich westlichen Forderungen beugt"

Chinesische Yuan-Scheine
galerie

Um den Wechselkurs des Yuan gibt es seit langem Streit.

China bewegt sich auf der internationalen Bühne immer selbstbewusster. So tobt Pekings Chefunterhändler Cui Tiankai bereits vor dem G20-Gipfel: Es sei ein Akt der Planwirtschaft, dass die US-Notenbank Staatsanleihen für 600 Milliarden US-Dollar kaufen wolle. Ben Simpfendorfer, China-Experte der Royal Bank of Scotland, sagt: "China sieht sich als Anführer des Ostens, als Verteidiger gegen westliche Interessen. Hier kommen Demütigungen aus der Kolonialzeit hoch. Deshalb ist es nicht wahrscheinlich, dass China sich westlichen Forderungen beugt. Vielleicht würden sie ernster zuhören, wenn Beschwerden aus Entwicklungsländern kämen. Ernster jedenfalls als bei solchen aus Washington."

Taktisch geschickt unterzeichnete Präsident Hu Jintao in Frankreich vor dem Gipfel Kaufverträge über 16 Milliarden Euro. Schuldenhilfe für Griechenland haben die Chinesen schon angeboten. Nun tun sie es auch für Portugal.

G20-Gipfel vom Währungsstreit überschattet
tagesschau, 20:00 Uhr, 11.11.2010, Verena Bünten, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Darstellung: