Verhandlungen zwischen Griechenland und Troika "Diebe, Diebe, Kapitalisten!"

Stand: 07.07.2013 18:02 Uhr

Griechenland muss nach Einschätzung der Troika weiter sparen. Die Personalausgaben seien nicht ausreichend gesenkt worden, bemängelten die Prüfer. Die griechischen Angestellen fürchten nun um ihre Jobs - und gehen auf die Straße.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Wenn sich die Minister der griechischen Regierung und die Kontrolleure der Troika einig sind, dann ist das für viele Griechen eine schlechte Nachricht. "Diebe, Diebe, Kapitalisten", ruft der Mann durch sein Megaphon bei einer Protestkundgebung. Er ist Angestellter der städtischen Polizei in Athen. Er hat Angst, jetzt seine Arbeit zu verlieren.

Troika und Griechenland einigen sich auf weitere Sparpolitik
T. Bormann, ARD Istanbul
07.07.2013 16:49 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hatte zu Beginn der Verhandlungen in Athen bemängelt, dass Griechenland seine Ausgaben für Personal nicht wie versprochen gesenkt hat. Die Regierung setzte den bereits zugesagten Plan nicht um, insgesamt 12.500 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in eine so genannte "Mobilitätsreserve" zu überführen. Dabei sollen einige Beschäftigte in anderen Behörden eingesetzt werden, andere sollen entlassen werden.

Ein Polizist brüllt in sein Megaphon. Er demonstriert gegen die Sparmaßnahmen der Regierung
galerie

Ein Polizist brüllt in sein Megaphon. Er protestiert gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. 3500 Beschäftigte der Polizei sollen entlassen werden.

Zwar sind Details noch nicht bekannt, aber offenbar haben sich die Regierung und die Troika nun geeinigt, in welchen Bereichen Personal abgebaut werden soll: 3500 Beschäftigte der städtischen Polizei sollen unter anderem gehen.

"Für die Troika sind wir nur eine Zahl"

Deshalb protestierten sie auf der Straße. "In nur einer Nacht schmeißen sie 3500 Familien auf die Straße ohne mit der Wimper zu zucken", sagt Apostolos Kosivas von der städtischen Polizei. "3.500 Polizisten. Zusammen mit ihren Familienmitgliedern sind 12.000 Menschen betroffen. Für die Troika und die Regierung ist das nur eine Zahl. Die meinen, es gibt so viele Polizisten, da können wir ruhig einige feuern."

Auch beim staatlichen Rundfunk streicht die Regierung Stellen. Ministerpräsident Antonis Samaras hatte deshalb vor knapp vier Wochen den staatlichen Sender ERT über Nacht schließen lassen und allen 2.650 Beschäftigten gekündigt. "Wir haben kein Kündigungsschreiben bekommen", sagt Nachrichtenredakteur Padelis Gonos, der nach wie vor an seinem Arbeitsplatz im Funkhaus sitzt. "Also ist das wohl nicht offiziell mit der Kündigung. Wir bleiben jedenfalls hier, wir arbeiten weiter, aber wir wissen nicht, was passieren wird."

Nach wie vor sind alle Fernseh- und Radioprogramme von ERT abgeschaltet. Was die Journalisten dort jetzt noch senden, kann man nur über Internet empfangen. Die Regierung verspricht, es werde einen neuen staatlichen Sender geben, aber mit deutlich weniger Personal. Die Regierung will hart bleiben und die Stellenstreichungen durchsetzen, obwohl es so viel Widerstand und Demonstrationen gibt. Denn die Regierung Samaras will die Staatsausgaben weiter senken und einen ausgeglichenen Haushalt erreichen.

Außerdem hat sie gar keine andere Wahl. Denn nur wenn sich die Regierung strikt an die Sparvorgaben hält, bekommt das Land weitere Milliardenkredite aus dem Hilfsprogramm. Die Troika-Kontrolleure sind aus Athen abgereist. Anfang der Woche werden die Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel entscheiden, ob Griechenland seine Sparauflagen erfüllt.

Troika beschließt Freigabe weiterer Milliardenhilfen für Griechenland
tagesschau 20:00 Uhr, 08.07.2013, Rolf-Dieter Krause, ARD Brüssel

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Dieser Beitrag lief am 07. Juli 2013 um 17:12 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: