Pfundnoten

Britische Regierung gibt Rettungspaket bekannt 500 Milliarden Pfund für die Banken

Stand: 08.10.2008 15:48 Uhr

Die britische Regierung hat einen Aktionsplan mit einem Gesamtvolumen von 500 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 640 Milliarden Euro) vorgestellt, mit dem sie die Banken des Landes vor den Folgen der internationalen Finanzkrise schützen will. Das von Finanzminister Alistair Darling präsentierte Programm sieht unter anderem vor, den angeschlagenen Finanzinstituten über die Bank of England einen Liquiditätskredit von 200 Milliarden Pfund zur Verfügung zu stellen.

Banken werden teilweise verstaatlicht

Finanzminister Darling
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Finanzminister Alistair Darling will keine öffentliche Kontrolle über die Banken.

In einem zweiten Schritt will die Regierung bis zu 50 Milliarden Pfund ausgeben, um Anteile an acht großen Banken zu erwerben und deren Kapitalbasis zu stärken. Damit werden die Geldhäuser teilverstaatlicht. Das betrifft die Finanzinstitute Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered. Die Banken begrüßten die Regierungspläne.

Darling betonte aber, es gehe "absolut nicht" darum, die Kontrolle über die Banken zu übernehmen. "Wir reden nicht darüber, die Banken in Zukunft selbst zu betreiben." Allerdings müssen die Finanzinstitute Bedingungen akzeptieren. Nach Angaben des Finanzministeriums geht es der Regierung dabei unter anderem um Managergehälter. "Außerdem wird die vollständige Verpflichtung zur Kreditvergabe an kleine Unternehmen und Hausbesitzer verlangt", erklärte das Ministerium.

Britische Regierung legt Rettungspaket im Umfang von 685 Milliarden Euro vor
tagesthemen 23:00 Uhr, 09.10.2008, Björn Staschen, ARD London

"Radikaler Eingriff ins Bankensystem"

Als drittes Element des Aktionsplans gab Großbritannien eine Garantie in Höhe von 250 Milliarden Pfund für neu ausgegebene mittelfristige Bankanleihen. Diese Bürgschaft für vorrangige, unbesicherte Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu 36 Monaten soll die Refinanzierung fälliger Schulden ermöglichen.

Die Regierung geht nach Angaben Darlings davon aus, dass die zur Rettung der Banken verwendeten Steuergelder zurückgezahlt würden. "Das Geld wird an das gesamte System verliehen, und wir werden es nach drei Jahren zurückbekommen", ergänzte der Minister. Premierminister Gordon Brown sprach von "radikalen" Eingriffen ins Bankensystem. "Das sind keine Zeiten für konventionelles Denken", sagte er. Das Hilfspakt solle die langfristige Stabilität der Bankenbranche sicherstellen. Ob die Milliarden für das Rettungspaket durch Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen beschafft werden, ließ der Regierungschef offen.

EU-Kommission unterstützt Programm

Die EU-Kommission begrüßte das milliardenschwere Rettungspaket für die britischen Banken. Das Vorgehen der britischen Regierung stehe in Einklang mit dem EU-Recht, sagte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Die Kommission werde die beschlossenen Hilfen für Banken so schnell wie möglich prüfen.

Regierung Brown unter Handlungsdruck

In den vergangenen Tagen war die britische Regierung zunehmend unter Handlungsdruck geraten, nachdem die Aktien der Großbanken heftige Kursverluste erlitten hatten. Gestern war Darling zu einem Krisentreffen in der Downing Street mit Premierminister Gordon Brown, dem Notenbankchef Mervyn King und dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde, Adair Turner, zusammengekommen. Nach der Ankündigung des Rettungspakets erholten sich die Aktien der Großbanken kurz nach Handelsbeginn an der Londoner Börse teilweise deutlich.

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