Händler an der New York Stock Exchange | REUTERS
Marktbericht

DAX über 14.000 Der nächste Stabilisierungsversuch

Stand: 25.05.2022 22:19 Uhr

Die amerikanische Notenbank bleibt bei ihrem straffen Zinskurs. Die Klarheit darüber nahm die Wall Street am Abend positiv auf. Auch der DAX konnte sich wieder etwas stabilisieren.

Zur Wochenmitte konnten die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks wieder etwas Boden gutmachen.

Dabei ließ das am Abend veröffentliche Protokoll der Fed-Sitzung von Anfang Mai keine Zweifel am weiter straffen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank. "Die meisten Teilnehmer waren der Ansicht, dass eine Erhöhung des Zinsniveaus um jeweils 0,50 Prozentpunkte bei den nächsten Sitzungen wahrscheinlich angemessen wäre", heißt es in dem Protokoll. Auf der jüngsten Sitzung hatte die Fed ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 0,75 bis 1,00 Prozent angehoben.

Die Aussicht auf deutlich weiter steigende Zinsen ist eigentlich ungünstig für die Aktienmärkte. Allerdings schätzen die Marktteilnehmer auch klare Perspektiven über den Zinspfad. An der Wall Street setzte sich jedenfalls kurz nach der Veröffentlichung eine positive Tendenz durch.

Der Dow Jones der Standardwerte ging 0,6 Prozent höher aus dem Handel. Noch stärker erholten sich die Technologietitel. Der Nasdaq 100 kletterte um 1,5 Prozent nach oben.

DAX bleibt in der Defensive

Auch der DAX verbuchte nach einer nervösen Sitzung ein Plus von 0,6 Prozent, nachdem er zeitweise schon rund ein Prozent verloren hatte.

Positive Tage wie dieser vermögen am Gesamtbild aber erst einmal nichts zu ändern: Seit Anfang des Jahres ist der DAX auf dem Rückzug. Der jetzt erreichte Bereich um 14.000 Punkte könnte sich aber zu einer wichtigen Unterstützungszone entwickeln. Zwar wurde die runde Marke seit Beginn des Ukraine-Kriegs schon mehrfach unterschritten. Dass in diesem Bereich aber immer wieder Gegenbewegungen stattfanden, macht zumindest eine Bodenbildung denkbar.

Dafür bedürfte es allerdings auch von fundamentaler Seite klarer positiver Signale. Da die Belastungsfaktoren sattsam bekannt sind, scheint der Markt zunehmend empfänglich für mögliche positive Überraschungen. Einstweilen kreisen die Sorgen der Anleger aber um die russische Aggression in der Ukraine, die hohe Inflation und die Gefahr, dass die globale Konjunktur weiter abrutscht.

Deutschland droht Stagnation

Der Ukraine-Krieg und die Pandemielage in China bremsen die deutsche Konjunktur aus, so die Berliner Wirtschaftsforscher vom DIW. "Angesichts des schwierigen Umfelds hält sich die deutsche Wirtschaft zwar noch gut. Dennoch wird das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal wohl vorübergehend etwas schrumpfen", sagte DIW-Experte Guido Baldi. Nur dank steigender Investitionen war die Wirtschaft in Deutschland im ersten Quartal noch leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu.

"Konsumstimmung an absolutem Tiefpunkt"

Angesicht des Ukraine-Krieges und hoher Inflation ist die Konsumfreude der Bundesbürger weiter getrübt. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für Juni nur einen kleinen Anstieg um 0,6 Zähler auf minus 26,0 Punkte. "Damit verbessert sich das Konsumklima zwar geringfügig, die Konsumstimmung ist aber nach wie vor an einem absoluten Tiefpunkt", so GfK-Experte Rolf Bürkl.

Euro nach Notenbanker-Aussagen unter Druck

Einen deutlichen Dämpfer hat die europäische Gemeinschaftswährung durch Äußerungen des finnischen Ratsmitglieds der Europäischen Zentralbank (EZB), Olli Rehn, erhalten. Der Euro rutschte unter die Marke von 1,07 Dollar. Rehn hat sich für einen kleinen Zinsschritt bei der für Juli erwarteten Zinswende ausgesprochen. Der Einlagensatz sollte um 0,25 Prozentpunkte auf minus 0,25 Prozent angehoben werden, so Rehn. Für Devisenanleger ist dies offenbar zu wenig, um den Euro gegenüber dem Dollar zu stärken.

Gold unter Druck

Auch der Goldpreis musste dem Erstarken des Dollar Tribut zollen, erholte sich aber nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls. Eine Feinunze kostete am Abend 1854 Dollar, rund 13 Dollar weniger als gestern.

Twitter-HV: Keine Entscheidung zu Musk-Offerte

Anders als erwartet war das Übernahmeangebot von Tech-Milliardär Elon Musk kein Thema auf der heutigen Hauptversammlung von Twitter. Firmenchef Parag Agrawal verwies auf "regulatorische Gründe" dafür, dass er sich nicht zu dem Deal äußern könne. Die Aktionäre sollen nun zu einem späteren Zeitpunkt über die Offerte von 54,20 Dollar je Aktie abstimmen. Damit bleibt eine hohe Unsicherheit, wie es mit Musks Übernahmeplänen weitergeht. Er selbst hatte den Deal für ausgesetzt erklärt - weil er vermute, dass der Anteil von Spam- und Bot-Accounts höher sei als die offiziellen Schätzungen von weniger als fünf Prozent. Twitter erklärte hingegen, dass Musk die Vereinbarung nicht einseitig auf Eis legen könne. Die Twitter-Aktie notierte am Abend nahe 37 Dollar und damit weit entfernt von Musks Angebotspreis.

Aroundtown steigert Erträge

Der Immobilienkonzern Aroundtown hat seine Erträge im ersten Quartal von 275 auf 394 Millionen Euro gesteigert. Die wichtige Ergebnisgröße Funds from Operations (FFO 1) kletterte von 86,6 auf 89 Millionen Euro. Das MDAX-Unternehmen peilt für das laufende Jahr eine Dividende von 23 bis 25 Cent je Aktie an.

Gewinnwarnung lässt Nordex-Aktie einbrechen

Einen drastischen Kurseinbruch mussten die Aktionäre von Nordex verkraften. Der TecDAX-Titel büßte über 17 Prozent ein. Unsicherheiten wegen des Ukraine-Krieges und andauernde Lieferkettenprobleme in China haben den Windanlagen-Hersteller zur Korrektur seiner Jahresziele gezwungen. 2022 können danach nur noch im besten Fall schwarze Zahlen erreicht werden. So rechnet das Unternehmen im laufenden Jahr derzeit eher mit einem operativen Minus. Am Nachmittag meldete Nordex eine Einigung mit dem Betriebsrat für die rund 500 Beschäftigten der Rotorblatt-Fertigung in Rostock, die Ende Juni geschlossen werden soll. Die Betroffenen sollen eine Abfindung erhalten und bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber unterstützt werden.

VW schließt Millionenvergleich in Großbritannien

Volkswagen hat nach einer britischen Massenklage im Dieselskandal einen Vergleich in Höhe von rund 227 Millionen Euro geschlossen. Geklagt hatten mehr als 90.000 Besitzer von Diesel-Fahrzeugen wegen manipulierter Emissionsdaten. "Der Vergleich ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Volkswagen Group, um die zutiefst bedauerlichen Vorfälle bis zum September 2015 hinter sich zu lassen", sagte VW-Chefjurist Philip Haarmann.

Investoren bei Aareal-Übernahme am Ziel

Die Finanzinvestoren Advent, Centerbridge und der staatliche kanadische Pensionsfonds CPPIB haben bei der geplanten Übernahme der Aareal Bank eine wichtige Hürde genommen. Sie sammelten mehr als 60 Prozent der Anteile ein, wie sie heute mitteilten. "Wir freuen uns über das erfolgreiche Übernahmeangebot, das die langfristige Entwicklung und die Position der Aareal Bank als führendes Unternehmen ihrer Branche stärken wird", so Ranjan Sen, Managing Partner von Advent. Die Investoren hatten den Vollzug ihres Angebots unter anderem an die Bedingung geknüpft, mindestens 60 Prozent der Aktien des Geldhauses einzusammeln.

Fuchs Petrolub investiert in Batterien

Fuchs Petrolub steigt mit einer Beteiligung in das Batteriegeschäft ein. Der Schmierstoffhersteller übernimmt 28 Prozent der Anteile der E-Lyte Innovations GmbH. Das Unternehmen entwickelt und produziert Flüssig-Elektrolyte, die als wesentlicher Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien unter anderem für die E-Mobilität verwendet werden. Mit dem Kauf setze Fuchs den Fuß auf ein neues Terrain außerhalb der klassischen Einsatzgebiete für Schmierstoffe, so Vorstandschef Stefan Fuchs.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Mai 2022 um 09:00 Uhr.