Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / newscom
Marktbericht

Kaum Bewegung Nichts geht mehr

Stand: 24.08.2022 22:13 Uhr

Je näher das wichtige Notenbanktreffen in den USA rückt, desto träger werden die Märkte. Optimisten und Pessimisten hielten sich zur Wochenmitte in etwa die Waage. Ab Donnerstag hat das Kreisen in der Warteschleife ein Ende.

Fast scheint es, als wären die Handelsaktivitäten im Vorfeld des internationalen Notenbankertreffens in den USA zum Erliegen gekommen. Zur Wochenmitte atmeten die Aktienmärkte nach drei verlustreichen Tagen etwas durch. Der Dow Jones verbuchte ein mageres Plus von 0,18 Prozent.

An der Technologiebörse Nasdaq wagten sich die Anleger etwas weiter vor. Der Nasdaq 100 erholte sich um 0,28 Prozent.

Die Konjunkturdaten des Tages, die ein wenig dynamisches Bild abgaben, belasteten die Kurse nicht. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter lagen im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert, während Volkswirte eigentlich eine leichte Belebung erwartet hatten.

Die Zahl der sogenannten schwebenden Hausverkäufe, also der noch nicht ganz abgeschlossenen Transaktionen, sank im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent, ein etwas geringerer Rückgang als erwartet. "Was den aktuellen Immobilienzyklus betrifft, könnten wir bei den Vertragsunterzeichnungen am oder nahe dem Tiefpunkt sein", sagte Chefökonom Lawrence Yun von der Maklervereinigung NAR. Die schwebenden Hausverkäufe gelten als Indikator für den Häusermarkt, da sie die Lage zu einem frühen Zeitpunkt im Transaktionsprozess abbilden.

DAX fängt sich

Auch die deutsche Börse konnte leichte Zuwächse verbuchen, nachdem der Mix aus Energiekrise, Inflation, Konjunktur- und Zinsängsten den Märkten drei Tage lang zugesetzt hatte. Der DAX schloss 0,2 Prozent höher bei 13.220 Punkten.

Notenbanken im Dilemma

Wie schon seit Tagen warten die Anleger vor allem darauf, welche Aussagen ab morgen auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming getroffen werden. Mit Spannung wird insbesondere die Rede von Fed-Chef Jerome Powell zum weiteren Zinskurs der amerikanischen Notenbank am Freitag erwartet. "Tatsache ist, dass Jackson Hole in der Vergangenheit gelegentlich als Plattform genutzt wurde, um den Märkten klare Botschaften zu übermitteln, die nicht immer die erwarteten waren", meinte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda.

Die Aussagen von Powell und anderen Top-Notenbankern könnten die Entwicklung an den Finanzmärkten für die nächsten Wochen prägen, sagte Marktstratege Christian Henke vom Handelshaus IG. "Vor allem erwarten die Anleger Antworten auf die Frage, welche Fortschritte es bei der Bekämpfung der Inflation gibt." Die Marktteilnehmer sind geteilter Meinung, ob die Fed auf ihrer Sitzung Ende September den Leitzins um 50 oder um 75 Basispunkte anheben wird.

Die jüngsten schwachen Wirtschaftsdaten haben das Dilemma verdeutlicht, in dem die Notenbanker gerade stecken. Einerseits müssen sie die nicht zuletzt von den Energiepreisen getriebene Inflation bekämpfen, wobei sie auf diesen wesentlichen Treiber keinerlei Einfluss haben. Andererseits müssen sie dabei möglichst die stark unter Stress stehende Wirtschaft schonen. Zudem birgt der straffere Zinskurs auch große Risiken für andere Staaten, insbesondere die hochverschuldeten Schwellenländer.

Hafenarbeiter bekommen 9,4 Prozent mehr Lohn

Inflationsängste könnte hierzulande der überraschend hohe Tarifabschluss der Hafenarbeiter befeuern. Denn die Entgelte in Vollcontainerbetrieben sollen rückwirkend ab 1. Juli um 9,4 Prozent steigen, wie die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nach der zehnten Verhandlungsrunde mitteilte. Bisher waren Zweitrundeneffekte in der Inflationsdiskussion kaum auf der Agenda der Märkte und vor allem der EZB. Das könnte sich nun ändern und damit die europäische Notenbank weiter unter Zugzwang setzen.

Euro bäumt sich auf

Am Devisenmarkt war am Nachmittag ein weiterer Versuch zu beobachten, den Euro wieder in Richtung Parität zum US-Dollar zu hieven. Kurzzeitig gelang dies, am späten Abend notiert die Gemeinschaftswährung aber wieder bei Kursen um 0,9960 Dollar.

Ölpreise nahe 100 Dollar

Die Ölpreise bleiben auch nach dem gestrigen Preisschub auf hohem Niveau. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete am Abend knapp über 100 Dollar. Zu Beginn der Woche hatten Aussagen des saudischen Energieministers für Auftrieb gesorgt, in denen er eine mögliche Drosselung der Fördermenge durch den Ölverbund OPEC+ angedeutet hatte.

Die US-Lagerbestände an Rohöl sind in der vergangenen Woche stärker als erwartet gefallen. Die Vorräte sanken um 3,3 Millionen auf 421,7 Millionen Barrel (159 Liter). Analysten hatten mit einem Rückgang um 2,5 Millionen Barrel gerechnet.

Am Gasmarkt verschärfte sich die Lage unterdessen wegen neuer Verzögerungen bei der Versorgung mit verflüssigtem Erdgas (LNG) aus den USA weiter. Der europäische Gas-Future sprang um mehr als 15 Prozent auf den Rekordwert von 300 Euro je Megawattstunde. "Die Preise sind gestiegen, unterstützt durch die Ankündigung der verzögerten Wiederinbetriebnahme der US-amerikanischen Freeport LNG-Anlage gestern Abend", teilten die Analysten von Engie EneryScan mit.

Ein Retter für Bed Bath & Beyond?

In New York fiel besonders die Aktie des Einzelhändlers Bed Bath & Beyond auf. Mit einem zweistelligen Kursplus ging die steile Berg- und Talfahrt des Titels weiter. Laut dem "Wall Street Journal" laufen bei dem Unternehmen Verhandlungen über Kredite. Die Aktien sind bereits vor einiger Zeit ins Visier von Leerverkäufern geraten, die auf fallende Kurse setzen. Die Schwankungen sind beträchtlich.

Peloton setzt auf Kooperation mit Amazon

Die Aktie von Peloton verbuchte ebenfalls zweistellige Kursgewinne. Der Sportartikel-Spezialist will seine Fitnessgeräte künftig auch beim weltgrößten Onlinehändler Amazon verkaufen und gab eine entsprechende Kooperation für den US-Markt bekannt. Bislang hatte Peloton auf einen exklusiven Vertrieb über seine eigenen Websites und Showrooms gesetzt. Doch nach einem Boom zu Beginn der Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach den Training-Bikes und Laufbändern wieder deutlich nachgelassen.

Twitter unter Erklärungsdruck

Die Twitter-Aktie erholte sich etwas von ihrem jüngsten Rückschlag. Der ehemalige Twitter-Sicherheitschef Peiter Zatko hat dem Unternehmen gravierende Mängel beim Datenschutz vorgeworfen. Twitter habe gegenüber den Regulierungsbehörden irreführende Angaben über Nutzerkonten und Maßnahmen gegen Hackerangriffe gemacht, zitierten CNN und "Washington Post" gestern aus einem 84-seitigen Bericht Zatkos. Die Vorwürfe spielen sich ab vor dem Hintergrund des Rechtsstreits um die gescheiterte Twitter-Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk. Dieser hatte im Juli seine 44 Milliarden Dollar schwere Offerte zurückgezogen. Musk begründete dies mit angeblichen Verstößen Twitters gegen Vereinbarungen des Deals. Das Gerichtsverfahren soll am 17. Oktober beginnen.

Covestro kritisiert Gasumlage

Der Technologievorstand des Kunststoffkonzerns Covestro, Klaus Schäfer, hat die von der Bundesregierung beschlossene Gasumlage scharf kritisiert. "Die Umlage ist hochgradig unausgegoren und völlig unfair. Kosten und Nutzen stehen nicht im Gleichgewicht", sagte Schäfer dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Je nach weiterer Entwicklung der Energiepreise rechnet Schäfer mit hohen Mehrkosten für das DAX-Unternehmen. Auch hätten einige Gasimporteure bereits erklärt, auf die Umlage verzichten zu können. Eine Alternative wäre laut Schäfer, dass diese Umlage nur für Termingeschäfte erhoben wird. "Eine andere Möglichkeit wäre anstelle einer Umlage eine Steuer, die über das ganze Land verteilt würde", so der Manager.

Uniper und E.ON planen Wasserstoff-Partnerschaft

Die deutschen Energiekonzerne E.ON und Uniper wollen ab 2025 in großem Stil klimaneutral hergestellten Wasserstoff aus Kanada nach Deutschland importieren. Produzieren soll ihn der kanadische Projektentwickler Everwind. Der Wasserstoff soll in der Chemikalie Ammoniak gebunden nach Deutschland kommen. E.ON und Uniper gaben die Vereinbarungen am Rande der deutsch-kanadischen Regierungsgespräche bekannt.

Demnach streben die Unternehmen jeweils einen Abnahmevertrag über bis zu 500.000 Tonnen grünen Ammoniak pro Jahr an. Ammoniak ist eine chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff und lässt sich leichter transportieren als reiner Wasserstoff.

Trendwende bei CTS Eventim

Die Rückkehr des Konzertbetriebs nach der Corona-Zwangspause lässt die Kassen beim Ticketvermittler CTS Eventim klingeln. Im zweiten Quartal lag der Umsatz mit 595 Millionen Euro um 44 Prozent über dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019. Das Betriebsergebnis war mit 105 Millionen Euro sogar fast doppelt so hoch wie vor Ausbruch der Pandemie. In allen Kernmärkten hätten nach Aufhebung der Corona-Auflagen sehr viele Konzerte und Events stattgefunden, die herausragend besucht gewesen seien, teilte das MDAX-Unternehmen mit.

CTS-Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg will angesichts des ungewissen Pandemieverlaufs trotzdem keinen Prognose für 2022 wagen. Solange sich allerdings aus der weiteren Corona-Entwicklung und dem Ukraine-Krieg und seinen Folgen keine wesentlichen Belastungen ergäben, dürfte das Ergebnis allerdings deutlich höher ausfallen als im vergangenen Jahr.

IBU-tec wächst kräftig

Der Zulieferer für Batteriematerialien IBU-tec ist im ersten Halbjahr kräftig gewachsen. Nach 20 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum seien nun von Januar bis Juni 29,5 Millionen Euro umgesetzt worden, teilte das Unternehmen aus Weimar mit. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen habe sich von 1,6 Millionen auf 3,7 Millionen Euro erhöht. Wie auch andere Unternehmen sei IBU-tec von gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen betroffen. Doch habe man die Kostensteigerung fast vollständig an die Kunden weitergeben können. Der Vorstand des bestätigte Prognose für das Gesamtjahr mit einem Umsatz von 55 bis 57 Millionen Euro. Voraussetzung sei, dass sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht signifikant verschlechterten.

Auch Moderna stellt Antrag für Omikron-Impfstoff

Nach Pfizer und BioNTech bittet auch der Pharmakonzern Moderna die US-Arzneimittelbehörde FDA um eine Notfallzulassung für einen Auffrischungsimpfstoff gegen die Omikron-Variante. Das Mittel soll insbesondere gegen die Subtypen BA.4 und BA.5 Schutz bieten.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derweil einen auf die aktuellen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 angepassten Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Dies erfolge im Rahmen eines sogenannten Rolling-Review-Verfahrens, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Dabei werden Ergebnisse bereits bewertet, wenn noch keine vollständigen Studiendaten vorliegen und noch keine Zulassung des Vakzins beantragt wurde. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2022 um 12:00 Uhr.