Alan Turing 50-Pfund-Note |

Ehrung für britischen Erfinder Neue 50-Pfund-Note erinnert an Alan Turing

Stand: 25.03.2021 16:18 Uhr

Mit der neuen 50-Pfund-Note ehrt die britische Notenbank den Code-Knacker Alan Turing. Der Erfinder ist vor allem für seinen Beitrag zur Entschlüsselung von Nazi-Funksprüchen im Zweiten Weltkrieg bekannt.

Normalerweise weht vom Dach der britischen Notenbank der Union Jack. Nicht so heute: Die Bank of England hat statt der britischen Nationalflagge die Regenbogenfahne gehisst. Sie ehrt damit den homosexuellen Wissenschaftler Alan Mathison Turing (1912-1954), dessen Gesicht die neuen 50-Pfund-Scheine ziert.

"Wir tun gut daran, die Gesichter auf unseren Banknoten zu ehren und zu feiern", unterstrich Andrew Bailey, Chef der Bank of England, am Donnerstag bei Vorstellung der in rosa und gelb gehaltenen Scheine. Er zeigte sich "hocherfreut", dass die neuen 50-Pfund-Noten "einen der wichtigsten britischen Wissenschaftler" präsentieren.

Eine Regenbogenflagge weht über der Notenbank in London. | AP

Zur Vorstellung der neuen Geldscheine hisste die Notenbank in London eine Regenbogenflagge. Bild: AP

Dechiffrierung als Schlüssel zum Sieg

Der Informatiker und Code-Knacker Turing hatte beim Sieg der Alliierten über die deutschen Nationalsozialisten eine entscheidende Rolle gespielt. Zusammen mit anderen Spezialisten war Turing an der geheimen Operation "Ultra" im Hauptquartier Bletchley Park, nördlich von London, beteiligt. Er half mit, die deutsche Chiffriermaschine Enigma zu knacken und damit den Zweiten Weltkrieg zu verkürzen.

Die Entschlüsselung der Funksprüche der Nationalsozialisten gilt als kriegsentscheidende Komponente etwa für den Sieg der Alliierten im Afrikafeldzug. Die Dechiffrierung der Routen ermöglichte es der Royal Navy, deutsche Versorgungsschiffe für Erwin Rommels Afrikakorps in großer Zahl zu versenken.

Die Turing-Bombe, die den deutschen Enigma-Code knackte und die verschlüsselten Funksprüche in Minutenschnelle entschlüsselte. | Jens-Peter Marquardt

Mithilfe der Turing-Bombe knackte Alan Turing den deutschen Enigma-Code. Bild: Jens-Peter Marquardt

Einflussreicher Denker

Doch nicht nur wegen seiner Verdienste zur Verkürzung des Zweiten Weltkrieges gilt Turing vielen Experten heute noch als Genie und einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Turing leistete auch wichtige Beiträge zu Fragen der Logik und der Künstlichen Intelligenz.

Er hat sogar den Computer als Denkmodell erfunden - lange, bevor es solche Maschinen tatsächlich gab. In seinem Aufsatz "On Computable Numbers" beschrieb er bereits 1936 eine theoretische Maschine, die sich zur Berechnung von Zahlen programmieren lässt. 2014 setzte Benedict Cumberbatch dem genialen Wissenschaftler in "The Imitation Game: Ein streng geheimes Leben" ein filmisches Denkmal.

Alan Turing |

Alan Turing setzte seinem Leben mit Zyankali ein Ende.

Ikone der LGBT-Gemeinschaft

Turing wurde im Jahr 1952 wegen einer homosexuellen Beziehung, die damals noch als Straftat verfolgt wurde, von einem britischen Gericht verurteilt. Um eine Haftstrafe zu umgehen, willigte er in eine "chemische Kastration" ein: eine Hormonbehandlung, die seinen Sexualtrieb hemmen sollte. Infolge der Hormonbehandlung erkrankte Turing an einer Depression, 1954 nahm er sich im Alter von 41 Jahren das Leben.

Erst 2009 entschuldigte sich der damalige britische Premierminister Gordon Brown offiziell im Namen der Regierung und würdigte Turings "außerordentliche Verdienste". Am Heiligabend 2013 sprach Königin Elisabeth II. ein "Royal Pardon" ("Königliche Begnadigung") aus.

Der Direktor des britischen Geheimdiensts GCHQ, Jeremy Fleming, würdigte Turing als eine der weltweit größten Ikonen der LGBT-Gemeinschaft. "Turing wurde gefeiert für seine Genialität und verfolgt, weil er schwul war. Sein Vermächtnis ist eine Erinnerung daran, dass es wertvoll ist, alle Aspekte der Diversität zu würdigen", so Fleming.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur bereits am 27. Juli 2019 um 13:33 Uhr in der Sendung "Breitband".