Fragen und Antworten

Ein einzelner Mann läuft über die leere Bushaltestelle Hauptbahnhof in Bremen | Bildquelle: dpa

Folgen des Streiks für Pendler Welche Rechte und Pflichten haben Berufstätige?

Stand: 29.09.2020 12:09 Uhr

Wenn Busse und Bahnen bestreikt werden, haben es vor allem Pendler schwer, zur Arbeit zu gelangen. Welche Regelungen gelten, wenn ein Streik den Arbeitsweg erschwert?

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Von Franziska Kring, ARD-Rechtsredaktion

Was tun, wenn ich durch einen Streik verspätet zur Arbeit komme?

Ganz wichtig ist es natürlich, dem Chef früh genug Bescheid zu sagen. Aber vorher muss ein Mitarbeiter alles ihm Zumutbare unternehmen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Er muss sich z. B. rechtzeitig um andere Möglichkeiten kümmern, um den Arbeitsplatz zu erreichen. Das kann etwa eine Fahrt mit dem eigenen Auto oder eine Mitfahrgelegenheit sein.

Dabei sollte man einen etwaigen Stau einkalkulieren, um keinen Ärger mit dem Chef zu riskieren. Insbesondere, wenn der Streik lange vorher angekündigt war, muss der betroffene Mitarbeiter frühzeitig selbst aktiv werden.

Es gibt aber auch Grenzen der Pflichten eines Arbeitnehmers. Nicht zumutbar ist es zum Beispiel, den Arbeitsweg schon einen Tag vorher anzutreten und in einem Hotel zu übernachten. Man muss auch keine Fahrtkosten für ein Taxi bezahlen, deren Höhe in keinem Verhältnis zum Gehalt steht.

Was passiert, wenn ich bei einem Arbeitskollegen mitfahre und wir auf dem Arbeitsweg einen Unfall haben?

Hier gibt es keine Besonderheiten. Auch eine solche Fahrt ist der direkte Arbeitsweg. Der Arbeitnehmer ist also unfallversichert. Probleme können nur entstehen, wenn der Fahrer auf dem Weg noch Privates erledigt, also zum Beispiel Einkäufe macht.

Bekomme ich trotzdem mein Geld, wenn ich wegen eines Streiks nicht zur Arbeit kommen kann?

Die eindeutige Antwort lautet: nein. Das sogenannte Wegerisiko - also das Risiko, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen - trägt grundsätzlich der Arbeitnehmer.

Der Arbeitgeber muss nur dann den Lohn weiterzahlen, wenn der Arbeitnehmer "für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" aus einem in seiner Person liegenden Grund nicht arbeiten kann. Das kann z.B. ein notwendiger Arztbesuch sein.

Widrige Witterungsverhältnisse oder allgemeine Störungen im Straßenverkehr (Stau, Streik im ÖPNV etc.) zählen nicht dazu. Wenn man also wegen eines Streiks bei der Arbeit fehlt, verliert man seinen Anspruch auf Entgeltzahlung.

Kann der Arbeitgeber verlangen, dass ich die versäumten Stunden nacharbeite?

Das kommt darauf an, welche genauen Regelungen der Arbeitsvertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung enthält. Bei Schichtsystemen dürfte eine Nacharbeit eher schwierig sein.

Vieles kann aber auch wahrscheinlich einfach mit dem Chef geklärt werden: Ein Arbeitnehmer kann beispielsweise fragen, ob er Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen kann.

Habe ich ein Recht auf Homeoffice bei einem Streik?

Einen Anspruch, dass man im Homeoffice arbeiten darf, gibt es nicht. In vielen Unternehmen gibt es aber Regelungen zum Homeoffice - in den Arbeitsverträgen oder in Betriebsvereinbarungen oder einem Tarifvertrag.

Wenn der konkrete Job es also zulässt und der Chef damit einverstanden ist, können Arbeitnehmer ein paar Tage von Zuhause aus arbeiten. Wenn der Chef aber auf Anwesenheit im Betrieb besteht, muss man sich danach richten. Vieles ist einfach Verhandlungssache.

Was passiert, wenn ich wegen eines ÖPNV-Streiks meinen Sparpreis-Zug verpasse?

Generell gibt es in vielen Verkehrsverbünden die sogenannte Mobilitätsgarantie. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich Pendler mit Zeitfahrkarten auf Landeskosten ein Taxi bestellen, um bei Busverspätungen oder -ausfällen doch noch nach Hause oder zum Termin zu kommen.

Allerdings gibt es keine Erstattung, wenn das Verkehrsunternehmen keine Schuld trifft oder wenn die Verspätungen bereits vorher bekannt gewesen sind. Beides trifft zumindest bei angekündigten Streiks zu. Auch ein Sparpreis-Ticket der Bahn dürfte deshalb nicht erstattet werden.

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