EZB-Gebäude  | AFP

Kurswechsel der Notenbank EZB halbiert monatliche Anleihenkäufe

Stand: 26.10.2017 15:51 Uhr

Ab Januar 2018 will die Europäische Zentralbank monatlich Anleihen für 30 Milliarden Euro kaufen statt bisher für monatlich 60 Milliarden Euro. Allerdings verlängert die Notenbank das Kaufprogramm zugleich um neun Monate bis mindestens Ende September 2018.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe im kommenden Jahr zwar fort, verringert das Volumen aber deutlich. Von Januar 2018 an wollen die Währungshüter monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro kaufen, wie die Notenbank in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mitteilte.

Das Programm soll bis mindestens Ende September 2018 laufen und damit neun Monate länger als bislang geplant. Bis Ende Dezember 2017 steckt die Notenbank monatlich noch 60 Milliarden Euro in Anleihenkäufe.

Diskussionen über Enddatum

EZB-Chef Mario Draghi sagte nach der Ratssitzung, es habe einen Dissens darüber gegeben, ob ein Enddatum für die Transaktionen festgelegt werden sollte: "Eine große Mehrheit der Ratsmitglieder war dafür, das Ende offenzuhalten." Es sei nicht über ein Abschmelzen in vorher festgelegten Schritten diskutiert worden, sondern nur über die jetzt beschlossene Reduzierung. Das Programm werde nicht abrupt enden, ergänzte Draghi.

Leitzins bleibt bei null Prozent

Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von null Prozent. Finanzinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken, müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Eine erste Zinserhöhung könnte Ökonomen zufolge womöglich erst 2019 anstehen.

Draghi rechnet erst einmal mit stabilen Preisen

Trotz der anhaltenden Geldschwemme stellt sich die EZB laut Präsident Draghi auf einen vorübergehend nachlassenden Preisauftrieb zum Jahresende ein. Dies gehe auf statistische Effekte bei der Ermittlung der Energiepreise zurück, sagte er. Auf mittlere Sicht sei allerdings damit zu rechnen, dass die Inflationsrate schrittweise steige. Es sei weiterhin "ein umfangreicher geldpolitischer Impuls" nötig. Dies gelte auch mit Blick auf die Konjunktur, auch wenn diese bereits wieder gut in Schuss sei.

Mario Draghi beim EZB-Zentralrat | REUTERS

EZB-Chef Draghi glaubt nicht, dass die Inflation kurzfristig ansteigen wird. Bild: REUTERS

Mit viel billigem Geld versuchen die Währungshüter seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Teuerung anzuheizen. Mittelfristig strebt die EZB eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen.

Weil die Konjunktur im Euroraum wieder besser läuft und die Zeiten von Inflationsraten nahe Null vorerst vorbei sind, wuchs in den vergangenen Monaten der Druck auf die Währungshüter, ihren Anti-Krisen-Kurs zu beenden. Ein zu abrupter Ausstieg könnte jedoch Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Oktober 2017 um 14:00 Uhr.