20-Pfund-Noten

Briten gegen Euro trotz Talfahrt ihrer Währung Weiter mit dem Pfund wuchern

Stand: 05.01.2009 14:52 Uhr

Das britische Pfund ist auf Talfahrt, fast täglich notiert es auf neuen Tiefstständen gegenüber dem Euro. Das macht den Euro in den Augen der Briten aber nicht attraktiver: Nur weil die eigene Währung an Wert verliert, sei dies noch kein Grund, einer Gemeinschaftswährung beizutreten.

Von Alfred Schmit, ARD-Hörfunkstudio London

Das britische Pfund notiert seit Wochen fast jeden Tag auf neuen Tiefstständen gegenüber dem Euro. Doch das scheint die Briten eher noch darin zu bestärken, ihrem altbewährten Standpunkt treu zu bleiben: Nein danke, wir wollen unser britisches Pfund lieber behalten. Das ist das Ergebnis einer neuen, repräsentativen Umfrage des Londoner Institutes ICM.

Blick auf das Banken- und Versicherungsviertel von London

Ohne Pfund für die Briten undenkbar: Das Londoner Bankenzentrum

Kein Stimmungswandel bei den Briten

Nur 23 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für eine Einführung des Euro aus. "Fast genau derselbe Wert wie im April 2008, lange bevor die Finanzkrise richtig zugeschlagen hat. Das überrascht mich wirklich. Ich hätte mit einem Stimmungswandel gerechnet", sagt Institutschef Nicholas Sparrow. "Noch nie war mehr als ein Viertel der Briten für den Euro. Daran hat sich nichts geändert, obwohl das Pfund so viel an Wert verloren hat."

Auch politisch zeigt sich nach wie vor keine Mehrheit für den Euro in Großbritannien. Als im Jahr 2002 die Euro-Länder ihre Münzen und Scheine bekamen, meinte der damalige Premierminister Tony Blair noch, die Briten sollten die Euro-Einführung zumindest ins Auge fassen. Doch sein damaliger Finanzminister Gordon Brown verhinderte das. Heute ist Brown selbst Regierungschef - und bleibt bei seiner Haltung. In einer Talkshow sagte er jüngst zu der Möglichkeit einer Euro-Einführung: "Ich sehe nicht, wie das unsere jetzigen weltökonomischen Probleme lösen könnte."

Großbritanniens Premier Gordon Brown

Regierungschef Brown lehnt den Euro ab und bleibt dabei.

Politik ist sich einig

Da gibt es sogar Übereinstimmung mit dem politischen Gegner. Die konservative Partei in Großbritannien hat gerade ihren außenpolitischen Sprecher William Hague verkünden lassen: Niemals würden sie den Euro einführen - und mit diesem "niemals" wolle die Partei auch in die Wahlkämpfe des neuen Jahres gehen, etwa zur Europawahl im Juni.

Norman Lamont, Ex-Finanzminister der Konservativen, sieht es genau wie 70 Prozent der Briten: Es spielt überhaupt keine Rolle, ob das Pfund nun viel oder wenig wert ist. "Nur weil eine Währung an Wert verliert, muss man ja nicht einer Gemeinschaftswährung beitreten", sagt er. "Im Gegenteil: Italien, Spanien oder Irland würden momentan so einiges geben, um den Euro schwächer zu machen. Denn dieser starke Euro ist doch Gift für die Exporte."

Das Pfund - ein nationales Symbol

Die Hauptargumente der Briten gegen den Euro sind die alten geblieben: Großbritannien hat andere Konjunkturzyklen als die Euro-Zone. Die Briten wollen ihre eigene Zinspolitik betreiben und vor allem so viel Schulden machen dürfen, wie sie es für richtig halten. Und schließlich ist das britische Pfund ein nationales Symbol. Das gibt man nicht so einfach her. Der Kommentator der "Times" brachte es auf dem Höhepunkt der Kreditkrise auf den Punkt: "Wir in Großbritannien haben in Geld-Dingen unsere eigenen Entscheidungen getroffen. Es waren vielleicht nicht immer die richtigen. Aber wenigstens waren es unsere eigenen."

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20-Pfund-Note: Nicht nur Geldschein, sondern nationales Symbol