Windräder

Erneuerbare Energien Erstmals mehr Öko- als Kohlestrom

Stand: 10.07.2018 15:28 Uhr

Der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biogas hat im ersten Halbjahr erstmals den aus Kohle überholt. Doch der Netzausbau - um die Ökoenergie in die Versorgung zu integrieren - hinkt hinterher.

In Deutschland ist erstmals mehr Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt worden als aus Kohle. Im ersten Halbjahr 2018 hätten Wind, Sonne oder Wasser fast 118 Milliarden Kilowattstunden produziert, teilte der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) aufgrund vorläufiger Zahlen in Berlin mit. Das entspreche einem Anstieg von über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Anteil an der Stromerzeugung habe etwa 36 Prozent betragen.

Braun- und Steinkohle zusammen produzierten dagegen mit 114 Milliarden Kilowattstunden gut zehn Prozent weniger. Die Erneuerbaren waren damit Deutschlands wichtigste Stromquelle.

Windräder und Kraftwerksturm bei Sonnenaufgang | dpa

Betreiber von Kohlekraftwerken müssen für CO2-Verschmutzungsrechte mehr Geld aufwenden, was die Anlagen zunehmend unrentabler macht. Bild: dpa

Beschleunigung des Netzausbaus

BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sprach vor dem Hintergrund der Debatte über ein Enddatum für die Kohlekraft von eindrucksvollen Zahlen: "Der marktgetriebene, schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung ist schon in vollem Gange."

Zugleich forderte Kapferer , "dringend" eine Beschleunigung des Netzausbaus, um die Erneuerbaren in das Energiesystem zu integrieren. Bisher auch nicht geklärt sei, wie ein Back-up für die schwankende Einspeisung aus Erneuerbaren Energien aussehen solle, wenn weitere Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. 

Kohlekommission sucht nach Enddatum

In Deutschland laufen noch eine Reihe sehr alter, wartungsintensiver Kohlekraftwerke, die die Betreiber zunehmend aus Kostengründen vom Netz nehmen. Zudem wirkt sich der zuletzt stark gestiegene Preis für Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte im Rahmen des EU-Emissionshandels aus.

Am Freitag trifft sich die Kohlekommission der Bundesregierung zu ihrer zweiten Sitzung. Sie soll aus Gründen des Klimaschutzes ein Enddatum für das letzte Kohlekraftwerk festlegen und zugleich den besonders betroffenen Regionen neue wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Juli 2018 um 17:00 Uhr im Wirtschaftsblock.

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KOMMENTARE

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philburns 10.07.2018 • 19:57 Uhr

400% mehr für Strom - aber bitte...

@LucyL2: "In den letzten Jahren sind die Stromkosten um 400% gestiegen. Kein Witz." Nein, das ist wahrlich kein Witz. Das ist eine zeitlich undifferenzierte Aussage, die einen falschen Eindruck vermittelt. Was bedeutet denn "in den letzten Jahren" ? Wenn man sich die Entwicklung des Strompreises anschaut, dann passt diese Aussage, wenn man das Jahr 1970 als Bezugspunkt wählt. Also präzise würde es heißen: "Seit 1970 sind die Stromkosten um 400% gestiegen. Kein Witz." Wenn man dann allerdings die Inflation berücksichtigt, wird man feststellen, dass der Strompreis inflationsbereinigt grob um den Faktor 1,4 gestiegen ist. Wohlgemerkt seit 1970. Und es ist wohl nicht anzuraten, die Schuld der Preissteigerung den Erneuerbaren in die Schuhe zu schieben. Denn selbst, wenn diese zu einer Erhöhung des Strompreises beitragen sollten, sind sie angesichts der Klimaerwärmung alternativlos, um dieses grässliche Wort einmal sinnvoll einzusetzen.